Bevor wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen, mal ein „comprehensive update“:
Der aus dem Amt scheidende Barclays-Aufsichtsratsvorsitzende Marcus Agius bestreitet, von Manipulationen des Marktzinses Libor gewusst zu haben – und schiebt den schwarzen Peter seinem Management zu. Der wegen dieser Affäre zurückgetretene Vorstandschef Bob Diamond hat unterdessen seinen goldenen Fallschirm ausgehandelt. Aber weich fallen ist was anderes: Zwei Millionen Pfund gibt’s an Abfindung, dafür verzichtet er auf langfristig garantierte Bonusleistungen in Höhe von insgesamt rund 20 Millionen Pfund. Bad Deal. Auf seinen Bonus für das Jahr 2012 hatte Diamond im Zuge der Affäre ohnehin verzichtet.
Und gemäss dem WSJ wird jetzt im Libor-Skandal auch der US-Gesetzgeber aktiv. Wenig verwunderlich, ist doch ein Wahlkampfjahr. So will das Banking Committee des Senats Finanzminister Tim Geithner und Fed-Chef Ben Bernanke zu dem Thema anhören, um mehr zur Beeinflussung des Libor-Satzes zu erfahren. Und im Zuge der US-Ermittlungen hat das japanische Geldhaus Mitsubishi UFJ vorsorglich zwei in London tätige Händler beurlaubt. Bezüge (11‘300 Pfund pro Monat je Kadermann) gibt es für das Zinstrader-Duo aber weiterhin.
Last but not least bereiten auch US-Städte Klagen gegen die Großbanken wegen der manipulierten Libor-Sätze vor - allen voran Baltimore. Die chronisch klamme City wird um jeden Dollar froh sein. „Der Libor hätte die Finanzsorgen der Städte verschärft und Refinanzierungen drastisch künstlich verteuert“, lautet der Vorwurf.
Aber: Und hat auch die FuW erkannt: Der Libor ist ein Preisindex. Er bildet ab, zu welchem Satz Banken bereit sind, sich untereinander Geld auszuleihen. Streng genommen also kein effektiver Preis (im Sinne einer Bewertung, die künstlich manipuliert wurde). Daher könnte der Vorwurf der Marktmanipulation möglicherweise hinfällig werden. In jedem Fall: Grosses Theater für die Finanzbranche um kleine Prozentzahlen.