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FOCUS
27. April 2012 / 08:00

Agrar-Rohstoffe: Ein Feld voller Renditechancen

Nahrungsmittel stehen derzeit im Rampenlicht. Doch die Preise aller Agrar-Rohstoffe sind volatil und vielen Einflussfaktoren unterworfen. Was Anleger jetzt beachten sollten und wo sich der Einstieg lohnt.

von Matthias Niklowitz und Martin Raab

Image Agrar-Rohstoffe: Ein Feld voller Renditechancen
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«Sehen Sie – hier drüben, diese ganzen Plantagen hatten besonders stark unter der Kälte gelitten», sagt Mike Redwood, Vorarbeiter bei der Mixon Fruit Farm, 50 Kilometer südlich von Tampa an der Westküste des US-Bundestaats Florida. «Und als es sich herumsprach, dass hier die Orangen-Ernte deutlich niedriger ausfallen wird, hatten die Investoren in New York längst reagiert.» Die Preise des März-Kontrakts sind letztem Oktober katapultartig von 150 auf 230 Cent pro Pfund des gefrorenen Konzentrats gestiegen, weil die Orangen-Ernte in Florida durch ungewöhnlich starken Frost weitläufig zerstört wurde. Dass die Preise nicht noch mehr gestiegen waren, liegt an Brasilien, das sich zu einem «Saudi-Arabien des Orangensafts» entwickelt hat, wie der lokale Farmerverband den Ausbau des Anbaus bezeichnet hatte. Brasilien verzeichnete jetzt hohe Exporte – und droht den US-Farmern die Arbeitsplätze streitig zu machen. Die wiederum sagen, dass im brasilianischen Konzentrat Fungizide sind, und der Import verboten werden sollte.

Vielfältige Faktoren

Das Beispiel Orangensaft zeigt: Agrarrohstoffe als Anlageklasse sind genau im Auge zu behalten. So kommt neben dem schwierigen Spiel von Angebot, Nachfrage, Handelspolitik und Lagerzyklen ein weiterer, schwer kalkulierbarer Faktor zusätzlich hinzu: das Wetter. Da hatten beispielsweise zwei gute Ernten den Weizenpreis nach 2008 um 70% fallen lassen – erst im Juli 2009 zogen die Preise aufgrund der trockenen Witterung in Osteuropa und der Brände in Russland und der Ukraine wieder an. Grund war hier kein Engpass, sondern lediglich die Befürchtungen der Anleger, dass es zu einer Verknappung kommen könnte – und prompt sprangen Hedge Funds auf und auch ebenso rasch wieder ab. Vergleichbare Entwicklungen wie jetzt bei Orangensaft gab es in den letzten Jahren bei Mais, Palmöl und Sojabohnen. Hinzu kommen bei Agrarrohstoffen die raschen Veränderungen der Anbauflächen, welche zu den sprichwörtlichen Schweinezyklen führen. Während die Kaffee-, Kakao- und Teeproduktion jahrelange Vorbereitung und ein geeignetes Klima erfordern, können Farmer den Anbau der Getreidesorten oder von Mais viel flexibler handhaben.

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Volatiler Aufwärtstrend

Für Anleger sind Agrarrohstoffe trotz volatiler Einflussfaktoren nach wie vor attraktiv. Der UBS CMCI Agriculture Index kommt seit 2006 beispielsweise auf ein stabiles Plus von rund 85% (siehe Grafik). Der kurzfristige Ausblick für gewisse Agrar-Rohstoffe bleibt auch weiterhin positiv. Zu den potenziellen Gewinnern dürften laut vielen Analysten Mais, Weizen, Zucker und Soja gehören. Diese Rohstoffe sind im September 2011 fast alle massiv unter Druck geraten. Eine Kombination von Wachstumsängsten und einer Ausverkaufswelle von in Richtung Liquidität strebenden Anlegern führte zu grossem Preisdruck. Inzwischen haben sich die Kurse bei den genannten Kandidaten aber wieder gefangen. «Wir erwarten aufgrund der Entspannungstendenzen der Weltwirtschaft weiter steigende Preise bis zum Jahresende 2012», kommentieren die Analysten von Lloyds TSB. Die Rabobank erwartet in ihrem jüngsten Marktbericht neben steigender Nachfrage auch die Rückkehr von Spekulatanten als Preistreiber. Ebenfalls wichtig ist die Angebotsseite. Man vergleicht dazu das Verhältnis von Vorräten zum Verbrauch. Hier sieht es besonders für Mais und für Soja positiv aus – ein immer weiter schrumpfender Vorrat trifft hier auf eine kontinuierlich steigende Nachfrage. Speziell China kauft inzwischen weite Teile der Soja-Ernte Brasiliens auf. Das bringt die Preise in Fahrt. So hat das Agri-Research der Rabobank kürzlich Sojabohnen auf die prominente Commodities-Kaufliste genommen.

Attraktive Agrar-Rohstoffe für 2012

Mais notiert bei rund 677 Cent pro Bushel, 10% niedriger als vor einem Jahr. Die Schwankungen innert der letzten zwölf Monate lagen zwischen 580 und 790 Cent. Die Preise sind dreimal teurer als vor zehn Jahren. Analysten erwarten steigende Preise.  

Weizen steht aktuell bei rund 650 Cent pro Bushel, ein Viertel niedriger als vor einem Jahr, aber 10% höher als die Tiefstände vom November 2011. Weizen ist nach Mais das bedeutendste Getreide der Welt. Analysten sehen Spielraum für höhere Preise.

Kaffee kostet zurzeit 184 Cent und steht 30% unter den im Mai 2011 erreichten Höchstpreisen von 300 Cent. Kaffee ist wertmässig nach Rohöl der wichtigste Rohstoff und das nach Wasser am häufigsten konsumierte Getränk der Welt. Analysten rechnen mit höheren Preisen.

Zucker kostet 24 Cent. Die Preise liegen in der Mitte des Preisbandes der letzten zwölf Monate. Der Preis hat sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht. Die Preise könnten bald wieder steigen.

Soja ist 10% teurer als noch im November 2011. In den letzten zehn Jahren waren hier die Preise um 200% gestiegen. Die aktuellen Notierungen liegen ein Viertel unter dem Höchststand vom Sommer 2008. Analysten rechnen mit steigenden Preisen.

Vielversprechende Produkte

Mit Blick auf Investment-Ideen ist das Angebot zwar gross, doch tatsächlich vorteilhafte Produkte sind eher rar gesät. Bei Mais als einem der aussichtsreichsten Basiswerte fällt zunächst EFKPC aus dem Hause EFG Financial Products in der Rubrik der Kapitalschutzprodukte auf. Es ist auf den CBOT Corn Front Month Future bezogen (100% Partizipation, 90% Kapitalschutzlevel). Im Vergleich zum RICRC, einem Tracker-Zertifikat auf den RICI Enhanced Corn Index, sieht die Wertentwicklung vergleichsweise lahm aus. Daher: Wenn schon Agro-Investments, dann durchaus mit Schub. Bei RICRC handelt es sich um einen Open-end-Tracker, emittiert von der RBS, mit dessen Hilfe Anleger 1:1 an der Preisentwicklung von Mais partizipieren können. Einzig das Wechselkursrisiko USD-CHF gilt es speziell zu beachten. Ein ähnliches Konzept verfolgt CKCCI. Dieser Open-end-Tracker der UBS partizipiert zu 100% an der Preisentwicklung von Kaffee. Die Management-Gebühr beträgt rund 0,5%, das Produkt unterliegt aber keinem dem USD-Wechselkurs-Risiko. Am chancenreichsten ist aktuell RISOC, ein Tracker auf den RICI Enhanced Soybeans TR Index. Das Produkt der Royal Bank of Scotland (RBS) ist allerdings nicht währungsgesichert – dennoch die jüngste Performance des Basiswerts kann sich sehen lassen. Und die Aussichten sind sehr vielversprechend.

Auch Trading-Instrumente verfügbar

Wer ganz bewusst auf die konträre Karte setzen will, findet mit COFZR ein gutes Short-Produkt (Mini-Future) für sinkende Kaffeepreise. Wer kraftvoll an steigenden Kaffeenotierungen partizipieren möchte, kann dies mit dem Long Mini-Future COFTR, ebenfalls von der RBS emittiert, tun. Süsse, stabile Renditen verspricht Zucker. Hier gehen die Markterwartungen von gehaltenen Notierungen bis zum Jahresende aus. Denn der Zuckerpreis ist in den vergangenen Monaten enorm gestiegen. Missernten in Brasilien und Indien haben den Weltmarktpreis in die Höhe getrieben - bei steigender Nachfrage. Mit RISUC, dem Tracker-Zertifikat der RBS auf den RICI Enhanced Sugar Index, nehmen Anleger direkt am Auf und Ab der Zuckerpreise teil. Die Management-Fee beträgt 1%, das Produkt unterliegt dem Währungsrisiko USD-CHF.

Forward-Kurven im Blick

Wer in Agrar-Rohstoffe investiert, sollte abschliessend stets die Forward-Kurven der jeweiligen Futures im Auge behalten. Forward-Kurven diverser Rohstoffe werden beispielsweise wechselweise im payoff express monatlich publiziert. Bei Mais weisen die aktuellen Futures bislang noch einen Rückgang auf aber Analysten erwarten beim Termin-Maispreis bald Änderungen – nach oben. Bei Weizen signalisieren die Futures weiter steigende Preise in die Region um 700 Cent. Zucker sieht, wie oben genannt, stabil aus. Für Soja rechnen die Akteure an den Futures-Märkten offenbar mit leicht steigenden Preisen bis Jahresende. Die Kaffee-Futures zeigen mit Blick auf die Verfallstermine in 2013 steigende Notierungen. Nur Orangesaft-Konzentrat fällt bis Mitte 2013 Richtung 160 Cent pro Pfund, wenn man die Futures als Preisindikatoren nimmt. Doch egal wie der tatsächliche Preis für Orangensaft bis dahin auch steht – Plantagenvorarbeiter Mike aus Florida wird spätestens im Herbst wieder zur Ernte gebraucht.

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