Anlagefonds auf neuen Wegen
Wachsende Angebotsvielfalt, Kostendruck und wechselhafte Märkte haben den Leistungsansporn der Fondsbranche neu geweckt. Welche Anlageklassen und Fonds-Konzepte Investoren im neuen Jahr attraktive Renditen bringen.
von Matthias Niklowitz und Martin Raab
Mehr denn je konkurrieren Anlagefonds mit Instrumenten für Selbstentscheider wie Strukturierte Produkte und börsengehandelte Indexfonds (ETFs) um Geldzuflüsse von Investoren. In einigen Bereichen sind auch Private-Equity-Gesellschaften und die Hedge-Funds-Dachfonds gewichtige Wettbewerber der klassischen Fondsbranche geworden. Anlegern steht insgesamt eine grosse Auswahl an Fonds zur Verfügung – von «Alternative Asia» bis hin zu «Zins Protect». Längst geht es nicht mehr (nur) um klassische Themen wie Immobilien- oder Aktienfonds, die bereits früh von der Fondsindustrie besetzt wurden. Anlagen in Schwellenländern (u.a. Pictet, Swisscanto, UBS und Banque Syz), Inflation/Deflation (u.a. Legg Manson, GAM oder Fidelity) kostengünstiges und transparentes Investieren (u.a. Vanguard) sind zu präsenten Themen bei Anlagefonds geworden. Insgesamt ist durch die neue Angebotsvielfalt natürlich auch der Konkurrenzdruck gestiegen – gleichzeitig aber auch der Leistungsansporn der Fondsbranche neu geweckt.
Börsenturbulenzen wirken nach
Fonds leiden aber auch wie die sie konkurrierenden Anlagevehikel unter den Turbulenzen an den Finanzmärkten. «Im aktuellen Marktumfeld ist die Analyse der fundamentalen Wirtschaftskennzahlen fast sekundär geworden» sagt Beat Amstutz, Leiter Kommunikation bei Swisscanto, dem viertgrössten Fondsanbieter in der Schweiz. «Die Staatsschuldenkrise, Währungsturbulenzen und auch die vielen erschwerenden politischen Eingriffe haben einen enormen Einfluss auf die Märkte.» Ähnlich tönt es bei den Mitbewerbern. «Die Risikoaversion der Investoren ist derzeit wegen der allgemeinen Wirtschaftslage und im speziellen wegen der Schuldenkrise in Europa sehr hoch» ergänzt Felix Suter, Fondsexperte bei der Genfer Privatbank Pictet, dem drittgrössten Fondsanbieter in der Schweiz, und das heisst, es wird generell wenig in Risikoanlagen wie Aktien investiert. «Für viele Anleger ist es auch schmerzhaft zu sehen, dass auch einst sichere Staatsanleihen teilweise unter Druck kommen können» so Martin Thommen, Leiter der Fondsabteilung bei UBS Global Asset Management, der Nummer eins im Markt.
AUF EINEN BLICK:
Entsprechend der jüngsten Nachfragestatistik, versprechen sich derzeit die meissten Anleger gute Chancen im nächsten Jahr mit Rohstoffonds, Aktienfonds aus Deutschland und der Eurozone sowie bei High Yield-Fonds mit Schwerpunktland USA. Zunehmend werden in 2012 Dividendenstrategien, regelbasierte Indexfonds und eine dynamische Asset Allocation in Mode kommen.
Interessierte Investoren erhalten auf den Webseiten von www.swissfundddata.ch, www.fundinfo.com oder www.morningstar.ch rasch einen umfassenden Überblick zu den Performanceleistungen und die Kosten von Anlagefonds. Unter www.etf-info.com werden zu börsenkotierten Indexfonds umfangreiche Daten kostenlos bereitgestellt.
Rohstoffe, Aktien und High-Yield heiss begehrt
Laut den jüngsten Zahlen des Branchenverbandes Swiss Funds Association flossen im Oktober 2011 CHF 2.7 Mrd. aus Fonds ab. Im September hatten Anleger bereits CHF 5 Mrd. zurückgegeben. Am stärksten betroffen waren – wiederholt – die Geldmarktfonds. Gefragt waren hingegen Rohstofffonds, Aktienfonds aus Deutschland und der Eurozone sowie bei High-Yield-Fonds mit Schwerpunktland USA fest. «Viele Investoren suchen den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg» sagt Roger Stüber, Leiter Vertrieb Retailkunden Schweiz bei BlackRock, «aber diesen Zeitpunkt gibt es bekanntlich nicht. Entsprechend ist es für die Fondsanbieter eine grosse Herausforderung, mögliche Vorgehensweisen zum Wiedereinstieg aufzuzeigen.» Spannende Themen gibt es aber weiterhin. «Wir sehen vor allem Investitionen im Bereich Schwellenländerobligationen sowie High-Yield-Bonds und Unternehmensobligationen mit Mindestrating Investment Grade» bestätigt Felix Suter von Pictet. Bei Investment Grade Obligationen werden derzeit vor allem Nicht-Finanztitel nachgefragt, was bei Pictet mit dem EUR Corporate Bonds Ex Financial-Fonds abgedeckt wird. Traditionelle Staatsobligationen würden gemieden, weil die Renditen sehr tief sind. Bei Swisscanto sieht man hohes Interesse für Realwerte wie Immobilien und Rohstoffanlagen. «Für Privatanleger eignen sich Immobilienfonds, die je nach Ausrichtung vermehrt oder ausschliesslich in Wohn- oder Geschäftsimmobilien investieren» so Beat Amstutz. Bei kommerziell genutzten Immobilien bestehe derzeit der Vorteil, dass die Preisübertreibungen nicht so ausgeprägt sind wie bei Wohnliegenschaften. Daneben haben laut Amstutz auch renditeorientierte Produkte wie High Yield oder Absolute Return Fonds vom Anlagenotstand profitiert. Der Swisscanto (LU) SICAV II Bond Absolute Return (CHF) beispielsweise gehört in seiner Vergleichsgruppe bereits seit Längerem zu den Klassenbesten. Dies zeigt der wiederholte Gewinn des Lipper Fund Awards, des «Oscars der Fondsbranche» in den Jahren 2010 und 2011.
Neue Perspektiven für 2012
«Gegenwärtig lauten die heissen Themen: Euro-Anlagen meiden und global Diversifizieren» bringt UBS-Experte Thommen die Lage auf den Punkt. «Unternehmensanleihen mit bester Bonität entpuppen sich als interessante Alternative.» so Thommen. «Für 2012 sehen wir ein schwieriges Wirtschaftsumfeld in Europa, eventuell eine Rezession» ergänzt Suter von Pictet, «wir sind optimistischer für die Wirtschaft in den USA, welche sich schneller erholen sollte, was teilweise in den kürzlich erschienenen Arbeitsmarktzahlen bestätigt wurde und wir sind ebenfalls positiv für Asien und sehen dort ein Wachstum nahe am Potenzial.» Mit Blick auf das neue Jahr geht man bei Swisscanto «davon aus, dass sich auch die Anleger auf eine neue Normalität einstellen müssen» sagt Beat Amstutz. Als neue Normalität versteht er ein Mix u.a. aus hoher Staatsverschuldung, schwächerem Wirtschaftswachstum, höherer Arbeitslosigkeit, stärkerer Regulierung der Finanzmärkte und tiefere Renditen. «Das Umfeld bleibt weiterhin sehr anspruchsvoll, die niedrigen Zinsen und steigendes Inflationsrisiko sind Gretchenfragen für alle Investoren» so die Analyse von Roger Stüber. Grosse Themen sind aus seiner Sicht die gesteigene Lebenserwartung bei gleichzeitig fallenden realen Renditen. Bei BlackRock stehen Dividendenstrategien daher auf Top-Priorität. «Ein Aktienfonds mit Dividendenstrategie eröffnet Potential für Erträge durch Dividendenzahlungen und Kapitalwachstum durch Aktienkurssteigerungen» ist Stüber überzeugt. Sein Haus verzeichnet aktuell gute Zuflüsse in den hierauf ausgerichteten BlackRock Global Equity Income Funds.
Dividenden, Schwellenländer und Indexing
Bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) sieht man aktuell ein perfektes Timing für Anleger: «Investoren mit genügend liquiden Mitteln erhalten durch antizyklisches Verhalten hervorragende Einstiegsmöglichkeiten, die Turbulenzen könnten auf mittlerer Frist auch zu einer Neu-Definition der Risiko-Rendite-Profilen führen, damit diese die Bedürfnisse der Anleger individueller reflektieren.» Spannend sind gemäss ZKB u.a. Fonds mit Fokus auf Aktien und Obligationen aus Schwellenländer, Dividendenstrategien und Nachhaltigkeit. In der Fondsbranche kommen in 2012 auch Innovationen deutlicher hervor. Beispielsweise regelbasierte Indexfonds oder volatilitätsgesteuerte Fonds, die ihre Zusammensetzung je nach den Schwankungen an den Märkten ausrichten. «Dabei wird die konventionelle Asset Allocation verlassen und statt in Bandbreiten der Aktienquote mit einem Risikobudget gearbeitet» erklärt Amstutz. In einer Phase mit hohen Kursschwankungen werden Anlagekategorien mit hoher Volatilität tendenziell zu Gunsten defensiver Kategorien abgebaut. Regelbasierte Indexfonds dürften auf Grund der Nachteile kapitalisierungsgewichteter Indizes noch markant an Beliebtheit gewinnen. Genauso wie die dynamische Asset Allocation. «Es hat sich zum Beispiel während der Atom-Katastrophe in Fukushima vom März dieses Jahres gezeigt, dass diese Systematik funktioniert» sagt Amstutz, «in den turbulenten Märkten rund um das Ereignis hat der Fonds die Risiken stark zurückgefahren». Ingesamt sollten Anleger auch im Jahr 2012 bei ihren Fondsanlagen eine gesunde Mischung beherzigen. Das federt Überraschungen während der Rendite-Expedition ab.
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