Börsenfavoriten 2012: Wo Profis jetzt Chancen wittern
Die Märkte bleiben volatil, doch durch Schwarzmalerei sollten Investoren sich keine Chancen entgehen lassen. Wie Analysten jetzt das Potenzial ausgewählter Anlageklassen einschätzen und mit welchen Strukturierten Produkten Anleger in diesem Jahr auf der Gewinnerseite stehen.
von Martin Diethelm
Das Börsenjahr 2011, das als eines der turbulenteren in die Geschichte eingehen wird, ist in den letzten Tagen des alten Jahres nahezu besinnlich zu Ende gegangen. Doch die Lethargie an den Märkten wird rasch verschwinden. Zu viele heisse Themen dominieren den noch jungen Finanzkalender 2012. Parallel geistert eine zunehmende Anzahl von Endzeitpropheten in Tagespresse und Finanzmedien umher. Die Investoren werden auf ein «weiteres Krisenjahr», den «Euro-Kollaps» oder gar den «Untergang des Kapitalismus», der die Weltwirtschaft in ein schwarzes Loch mitreisst, eingeschworen. Vieles spricht somit für eine Inflation von Negativschlagzeilen. Zuverlässige, seriöse Einschätzungen, bei welchen Investments attraktive Chancen warten, sind in diesem Dunstkreis nicht einfach zu erhalten. payoff hat dennoch Analysten ausgewählter Banken die konkrete Aufgabe gestellt, ihre Meinung zu Assetklassen in je eine einzige Zahl zu komprimieren. Das Ziel ist eine klar formulierte Navigationshilfe für Anleger. Die jeweiligen Analysten mussten ihre Erwartung an die Performance der jeweiligen Anlageklasse im Jahr 2012 anhand einer Skala von -5 bis +5 konkret ausdrücken. Passend dazu wurden die interessantesten Basiswerte für 2012 herausgefiltert und natürlich die passenden Strukturierten Produkte recherchiert.
Aktienmärkte favorisiert
An der Umfrage haben die Researchabteilungen der Banken Julius Bär, Royal Bank of Scotland, UBS und die Zürcher Kantonalbank teilgenommen. Die Grafik zeigt Mindest-, Mittel- und Höchstwerte der abgegebenen Wertungen. Während die Meinungen, was die Aktienmärkte betrifft, relativ homogen sind, gehen die Einschätzungen bezüglich Commodities und Währungen zum Teil weit auseinander. Insgesamt werden die Aktienmärkte von sämtlichen Bankenprofis als attraktiv angesehen, mit einem Durchschnitt von 2,25. Die UBS rät in Bezug auf Europa für das erste Quartal zu einer defensiven Strategie. Markus Irngartinger, Stratege im UBS Wealth Management Research: «Wir bevorzugen Large Caps und Werte mit hoher und stabiler Dividendenrendite. Bei Anzeichen einer Stabilisierung der Konjunktur und Schuldenkrise im weiteren Verlauf von 2012 sollten sich die Anleger für eine Umschichtung in risikoreichere Strategien positionieren.» Asien-Pazifik und Emerging Markets stehen in den Wertungen an der Spitze, mit relativ kleinen Divergenzen zwischen den Erwartungen der einzelnen Banken.
Edelmetalle im Einkaufskorb aller
Im Rohstoff-Bereich erwarten die Analysten der Banken unisono starke Kursgewinne bei Edelmetallen. Dies dürfte Ausdruck einer Unsicherheit über die zukünftige Werthaltigkeit von Notengeld sein bzw. gesamthaft als Resultat einer Skepsis gegenüber einer nahen Lösung der Schuldenkrisen interpretiert werden. Diese Unsicherheit drückt sich auch bei der Bewertung von Industriemetallen und Energie-Rohstoffen aus: Während einige Banken eher das Inflationsszenario mit anziehender Wirtschaft sehen und deshalb positive Renditen erwarten, gehen andere Ökonomen von einem Zerfall der Rohstoffpreise aus. Mit Blick auf die Rohstoff-Impulse aus dem «Roten Reich» rät Giovanni Staunovo, Stratege im UBS Wealth Management Research, zu einer abwartenden Haltung: «China befindet sich am Anfang eines geldpolitischen Lockerungszyklus, was die Konjunkturdynamik und damit Rohstoffnachfrage in 2012 stützen dürfte, zumal im ersten Halbjahr 2012 der Lageraufbau einsetzen wird. Allerdings erscheint uns der Aufbau neuer Long-Positionen in breit diversifizierten Rohstoffindizes noch verfrüht.» Hier besteht also noch kein Grund für überstürzte Käufe.
Unsichere Währungsaussichten
Auf der Währungsseite sind die Analyseteams der Banken allgemein indifferent gegenüber dem Britischen Pfund. Grössere Uneinigkeit herrscht bezüglich den anderen Währungen. Die Aktion der Schweizerischen Nationalbank im September 2011 hat semi-professionellen Tradern und institutionellen Profis vor Augen geführt, dass es im Währungsmarkt sehr schnell zu neuen Realitäten kommen kann. Während eine Bank die europäischen Währungen Euro und Schweizer Franken ganz klar überbewertet sieht und dem US-Dollar sowie dem Japanischen Yen positiv gegenübersteht, vergeben zwei Banken dem Yen je die schlechteste Note, während der US-Dollar mit den Noten -4 und -5 nicht wesentlich besser wegkommt. Auf dem Einkaufszettel stehen hingegen Währungen von aufstrebenden Ländern in Asien – insbesondere der Singapur-Dollar und der Malayische Rigitt – oder auch der Polnische Zloty. Äusserst fragil erscheint derzeit der Koreanische Won. Nach dem Tod von Diktator Kim Jong Il herrscht jetzt Hochspannung in Südkorea und bei den Verbündeten in Washington. Mehr denn je sind Devisenpositionen aller Art primär Tradern mit dem passenden Risikoprofil und Nervenkostüm zu empfehlen.
Kursschub aus Asien-Pazifik
Ausgehend von diesen Überlegungen lässt sich ein erster favorisierter Bereich von Aktien im Raum Asien-Pazifik bzw. den dortigen Emerging Markets definieren. Die Region bietet Investoren derzeit gute Chancen. Für den risikoaversen Anleger ist das Kapitalschutzprodukt AEMPN von der Société Générale interessant. Das Produkt ist in sechs Fonds von verschiedenen Emittenten im Bereich Aktien und Bonds investiert und damit sehr breit abgestützt. Zwar setzt der Kapitalschutz erst bei 90% an, während der eineinhalbjährigen Laufzeit sind die Basiswerte gesunken, sodass das Produkt nur leicht über den 90% notiert. Das Derivat läuft erst 2015 aus und ist vor allem aus langfristiger Perspektive interessant. Einzige Besonderheit: Das Produkt ist in Euro kotiert. Der Open-end Tracker PEFEM auf den UBS Frontier and Emerging Markets Index TR investiert gleichgewichtet und jährlich neu balanciert in je drei Aktien aus 15 aufstrebenden Ländern weltweit. Auswahlkriterien sind vor allem Marktkapitalisierung und Handelsqualität. In einem fünfjährigen Backtest schnitt der Index gut ab, auch in der laufenden Finanzkrise hält sich der Kurs relativ stabil. Trotzdem sind bei Emerging und Frontier Markets die Risiken nicht unerheblich. Auf Fernost konzentriert ist der Open-end Tracker DJASD der Royal Bank of Scotland auf den DJ Asia Select Dividends 30 TR Index. Der zugrunde liegende Index besteht aus 30 Aktien mit hohen Dividendenrenditen aus Hong Kong, China, Taiwan, Singapur und Südkorea und wird jährlich neu bestückt. Durch die hohe Schwankungsbreite ist das Derivat nur für risikobefreudige Anleger geeignet, entsprechend hoch könnte die Rendite ausfallen, wenn sich die globalwirtschaftliche Lage wieder verbessert.
Edelmetalle als Schutz vor Inflation
Der zweite Bereich von Investments, den die Banken in diesem Jahr einstimmig empfehlen, sind Edelmetalle. Der Goldpreis hat sich innerhalb der letzten fünf Jahre verdoppelt (siehe Chart Edelmetalle). In der zweiten Jahreshälfte 2011 tendierte er nach heftigen Ausschlägen negativ. EFGRO von EFG Financial Products ist für Anleger geeignet, die in der jetzigen Situation nur eine Verschnaufpause sehen, aber dennoch abgesichert investieren möchten. Das Produkt läuft bis Januar 2015 und notiert derzeit aber über dem Kapitalschutzniveau (100%). Partizipiert wird am Goldpreis mit 48.6% bis zum Cap von 1749.20 USD/Unze. Das Produkt ist mit einer COSI-Sicherung ausgestattet. Der Triple Barrier Reverse Convertible JLXAJ der Bank Julius Bär auf Gold, Palladium und Silber zahlt einen jährlichen Coupon von LIBOR + 6,4% und ist mit tiefen Barrieren von 40% ausgestattet. Der Investor sollte bis zum Laufzeitende im Oktober 2012 dem US-Dollar gegenüber positiv eingestellt sein, da keine Währungsabsicherung besteht. Der Tracker EMETB auf den ZKB Edelmetall ETF Basket III definiert sich zu je einem Viertel aus den ZKB ETFs auf Gold, Silber, Palladium und Platinum und ermöglicht so ein einfaches Investment in die wichtigsten Edelmetalle. Die Indizes sowie der Tracker, der bis Mitte 2013 läuft, lauten alle auf die Währung Schweizer Franken, ein Währungsrisiko ist somit ausgeschlossen. Die Divergenzen in den Banken-Meinungen haben es gezeigt: Das neue Jahr wird spannend, die Unsicherheit bleibt. Somit sollte dem Portfolio ein guter Anteil an Cash-Reserven beigemischt werden, um auf gute Einstiegsgelegenheiten vorbereitet zu sein. Schlagzeilenträchtige Aussagen von Crash-Propheten sollten Anleger auch in 2012 ganz besonnen analysieren.
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