Floating Barrier Reverse Convertibles im Fokus der Emittenten
Floater Barrier Reverse Convertibles (BRC) mit tiefen Barrieren haben sich in wenigen Wochen zum Kassenschlager der Schweizer Emittenten entwickelt. Die Produkte sind im aktuellen Marktumfeld zwar attraktiv, doch sollte trotz Jagdfiber im Einzelfall genau hingesehen werden.
von Martin Raab und Daniel Manser
Seit ein paar Wochen setzen diverse Emittenten, allen voran Clariden Leu, The Royal Bank of Scotland, Credit Suisse, die Bank Vontobel und Goldman Sachs, verstärkt auf Floater Barrier Reverse Convertibles. Jüngst ist auch die Migros-Bank, mit Clariden Leu als Emittenten, auf den Zug mit den variablen Zinsen aufgesprungen. Der jährlich ausbezahlte Coupon dieser Produkte ist abhängig von einem bestimmten Referenzzinssatz – mehrheitlich dem 3-Monats-LIBOR. Bislang wurde bei diesen Produkten der Prämienanteil aus dem Verkauf einer Option auf den jeweiligen Basiswert zum festen Zinsanteil addiert. Neuerdings wird der variable Referenzzinssatz dick und fett beworben. Zusätzliches Verkaufsargument der Emittenten sind die tiefen Kursbarrieren. Diese bewegen sich meist im Bereich von 39% bis 49% – bemessen vom aktuellen Kursniveau. Das heisst, der aktuelle Kurs dürfte am Beispiel einer 40% Barriere bis zu 60% abstürzen und der Anleger erhält immer noch den Coupon plus Nominal am Laufzeitende zurückbezahlt.
Innovation am Schweizer Markt
Die erste Emission von BRC mit «Deep Barriers» lancierte in der Schweiz die Credit Suisse, das erste öffentlich zugängliche Produkt kotierte Clariden Leu. «Wir suchten eine neue Möglichkeit, konservativen Investoren eine Anlagemöglichkeit zu bieten, die bei reduziertem Risiko eine Rendite von mehr als zwei Prozent verspricht», erläutert Thomas Schmidlin, Head Structuring & Distribution bei Clariden Leu, «die Lösung sind BRC mit längeren Laufzeiten, die tiefere Barrieren erlauben». Allerdings scheuten sich die Anleger vor längeren Produktlaufzeiten, da viele aufgrund eines befürchteten Zinsanstiegs die Duration kurz halten möchten. «Aus diesem Grund haben wir die Produkte mit einem Floating-Feature versehen, welches derzeit relativ günstig zu haben ist», so Schmidlin weiter. Und der Erfolg gibt ihnen Recht, die Kombination tiefe Barriere und Floating-Feature zieht. «Das sind zurzeit perfekte Argumente für die Sales-Teams der Banken, speziell für alle die ein Private Banking angeschlossen haben.» heisst es im Umfeld eines anderen Emittenten. «Dieser Produktetyp verkauft sich derzeit ausgezeichnet» bestätigt auch Daniel Sandmeier, Director Equities & Structured Products bei der Credit Suisse den neuerlichen Boom. In der Tat sorgen die anziehenden Volumen in diesen Produkten zurzeit für sonnige Laune quer durch die Branche. So stellt der frisch von den Ferien erholte Georg von Wattenwyl, Leiter Sales Derivate Produkte bei der Bank Vontobel, ebenfalls ein zufriedenstellendes Geschäft fest. «Aktuell sind ganz klar defensive Produkte mit variablem Zinsanteil gefragt. Privatanleger und Anlageverwalter greifen hier gleichermassen zu, je einfacher die Strukturen desto besser.» so der Derivate-Experte. Vontobel hat aktuell diverse LIBOR- und EURIBOR Barriere Reverse Convertibles im Angebot.
Nicht die Anlageklasse verwechseln
Trotz aktueller Euphorie muss sich jeder Anleger bewusst sein, dass er trotz plakativ beworbener «Deep Barrier» ein ganz klassisches Aktienrisiko mit diesen Produkten in seinem Portfolio holt. «Diese Produkte gehören ganz klar in die Rubrik Aktien und sind keinesfalls als Geldmarkt-Ersatz zu sehen. Der Kunde muss sich bewusst sein: Er schreibt einen Put, im schlimmsten Fall bekommt er die Aktien zum Ausübungspreis. Dies kann zu einem Verlust führen» unterstreicht Willi Bucher, Head Distribution and Marketing Structured Products bei der Bank Julius Bär, die Risiken. «Gerade im aktuellen LIBOR-Boom sollte auf dieses Thema zwingend hingewiesen werden.
Der Endkunde sollte immer verstehen, was er im besten und im schlechtesten Fall für ein Produkt im Depot hat.» so Bucher. Branchenkollege Schmidlin sieht noch eine zusätzliche Gefahr: «Aufgrund der tiefen Barrieren schauen die investierten Anleger einem Kursrückgang des Basiswerts länger zu als bei Produkten mit weniger tiefen Barrieren, wo schneller umgeschichtet wird. Wenn dann aber tatsächlich eine Barriere bricht, sind die Folgen umso heftiger.» warnt Schmidlin. Verantwortungsbewusst gegenüber den Anlegern zeigt sich auch die CS: «Diese Produkte dürfen in keiner Weise als Geldmarktanlage eingesetzt werden. Es handelt sich vielmehr um ein typisches Aktienengagement. Zwar sind sie mit quartalsweisen Couponzahlungen ausgestattet, das ihnen inhärente Verlustrisiko ist jedoch vom Verlauf eines oder mehrer Aktien oder Aktienindizes abhängig.» so Daniel Sandmeier.
Nicht alle ziehen mit
Bewusst abstinent vom aktuellen Hype um die Deep Barrier Produkte mit variablem Zinsanteil zeigt sich Macquarie Oppenheim. «Das sind sicher gute Produkte, aber mittlerweile in sehr hoher Anzahl emittiert. Betreffend Laufzeit und Underlyings werden wir versuchen, den Investoren gewisse Alternativen mit gleichwohl attraktivem Ertrag zu präsentieren.» so Ralph Kurmann, Associate Director bei Macquarie Capital (Europe). Inspiriert vom australischen Mutterhaus des neuformierten Emittenten, sehen die Derivate-Experten mehr Chancen bei neuen Produkten, sowohl betreffend exotischen Basiswerten wie auch in exponierten Währungen. Heisser Kandidat ist der Australische Dollar. Ein entsprechendes Zertifikat ist aktuell in Zeichnung. Für den Herbst sind weitere Emissionen geplant, sowohl auf europäische Werte als auch auf aussichtsreiche Aktientitel aus der Region Asien-Pazifik und im Bereich Rohstoffe. «Wir werden versuchen, mit innovativen Lösungen und Produkten für den Schweizer Markt einen Mehrwert zu generieren.» stellt Kurmann klar. Die Australier stellen sich damit gegen den Mainstream.
Besser BRC’s auf breite Indizes oder gleich Alternativen suchen
Anleger sollten sich trotz der Schlussverkaufs-Stimmung nicht zu Schnellschüssen verleiten lassen. Bei aller Attraktivität der hohen Coupons, sind BRC’s mit breiten Indizes wie dem Euro Stoxx 50 oder dem SMI zu bevorzugen. Hintergrund ist die geringere Wahrscheinlichkeit der Barriereverletzung bei solchen BRC’s, als den Produkten bezogen auf Einzeltitel oder wenig korrelierte Baskets. In der Tabelle finden Sie eine Auswahl an aktuellen BRC’s von verschiedenen Emittenten. Das aggressivste Pricing auf der Pirsch nach frischen Geldern hat dabei die Royal Bank of Scotland.
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