Gebühren beim Handel mit Strukturierten Produkten – Vergleichen zahlt sich aus!
Gebühren, welche bei Wertschriftentransaktionen sowie bei der Verwaltung und Verwahrung von Wertpapieren anfallen, können die Performance des Investors massgeblich beeinflussen. Das payoff magazine hat verschiedene Anbieter für den Handel von Strukturierten Produkten unter die Lupe genommen.
von Michael Däppen
Die Performance eines Investors wird massgeblich von den Depotgebühren sowie von den Courtagen beeinflusst. Die Depotgebühr stellt die Entschädigung für die Verwaltung und Verwahrung der Wertschriften dar. Sie richtet sich in der Regel nach der Anzahl an Positionen, welche der Kunde oder die Kundin im Depot liegen hat, und/oder nach der Höhe des Depotwertes. Die Courtage stellt bei Börsengeschäften eine Vermittlungsprovision zu Gunsten des Maklers dar, welche im Normalfall sowohl bei einem Kauf als auch bei einem Verkauf eines Wertpapiers anfällt. Die Courtage ist sowohl von der Transaktionsgrösse, vom Börsenplatz als auch von der Art des gehandelten Instruments abhängig. Wir analysierten für die Schweiz vor gut drei Jahren (siehe payoff magazine 02/07) die Courtagen und Depotgebühren der wichtigsten Anbieter für den Handel von Strukturierten Produkten. Nun ist es an der Zeit, diesen Vergleich erneut durchzuführen und zu schauen, was sich auf dem Markt getan hat. Analysiert wurden die Courtagen und Depotgebühren für Strukturierte Produkte von elf Anbietern in der Schweiz. Dabei wurden nur Anbieter berücksichtigt, bei welchen Strukturierte Produkte gehandelt werden können. Zum Vergleich wurden ausschliesslich die auf der Internetseite des entsprechenden Anbieters öffentlich zugänglichen Informationen verwendet.
Courtagen bei Onlinebroker, Online-Handelsplattformen und PostFinance am attraktivsten
Verglichen wurden die Courtagen für Transaktionen im Wert von CHF 2‘000, CHF 5‘000 und CHF 20‘000. Sämtliche Angaben beziehen sich auf Strukturierte Produkte, welche an der SIX Swiss Exchange kotiert sind. In der nachfolgenden Tabelle wurden die tiefsten Kosten grün und die höchsten Kosten rot markiert.
Im Online-Handel bieten grundsätzlich der Onlinebroker Swissquote sowie die Online-Handelsplattformen trade-net der BEKB sowie e-SIDER der BCV die attraktivsten Konditionen an. Die höchsten Courtagen im Online-Handel hat wie bereits vor drei Jahren die Credit Suisse. In den Online-Handel könnte jedoch schon bald etwas Bewegung kommen. Die zur Crédit Agricole Gruppe gehörende Keytrade Bank mit Sitz in Genf ist in der Schweiz im Online-Handel seit 2009 aktiv und bietet mit Abstand die tiefsten Konditionen an. Zurzeit können bei Keytrade Bank jedoch noch keine Strukturierten Produkte gehandelt werden, dies soll sich jedoch schon bald ändern. Auch beim telefonischen Handel kann Swissquote punkten. Die PostFinance braucht den Vergleich hier jedoch definitiv nicht zu scheuen. Sie kann mit den Courtagen von Swissquote problemlos mithalten. Die Konditionen dieser zwei Anbieter sind deutlich attraktiver als bei den klassischen Banken.
Erwähnenswert ist auch die Migros Bank, welche unabhängig von der Höhe des Betrages im Online-Handel eine Fixgebühr von CHF 40 und im telefonischen Handel eine Fixgebühr von CHF 100 anbietet. Auch wenn die Migros Bank bei kleinen Handelsvolumen nicht zu den billigsten gehört, erhöht sich die Attraktivität des Fixpreises bei steigenden Volumen enorm. Neben der Migros Bank bietet auch Swissquote für Produkte von gewissen Emittenten (z.B. HSBC, GS) eine Fixgebühr an. Unschlagbar ist dabei der Preis von CHF 9.85 pro Transaktion.
Hohe Bandbreite bei den Depotgebühren
Die nachfolgende Tabelle zeigt, dass die Unterschiede bei den Gebühren für die Verwaltung und Verwahrung von Wertpapieren enorm sind. Betrachtet wurden die jährlichen Kosten für ein Musterportfolio von CHF 200‘000, bestehend aus 20 Positionen. Mit CHF 1‘200 ist die Credit Suisse erneut mit Abstand die teuerste Anbieterin. Wie bereits im Vergleich von vor drei Jahren sticht auch diesmal die PostFinance positiv heraus. Sie ist weiterhin die einzige Anbieterin, welche überhaupt keine Gebühren verlangt. Daneben bietet wiederum der Onlinebroker Swissquote mit 0,10% günstige Konditionen an. Die Grundgebühr bei Keytrade Bank beträgt zurzeit 0,08%. Zudem können die Depotgebühren maximal CHF 100 betragen. Der Investor darf sich also auch hier auf tiefe Gebühren freuen. Neben einer Minimalgebühr verfügen einige Anbieter zudem über eine Mindestgebühr pro Position und Jahr oder Monat. Dies kann den Anleger und die Anlegerin teuer zu stehen kommen.
Margendruck ist (noch) ein Fremdwort
Die tiefsten Courtagen im Online-Handel für Strukturierte Produkte gibt es beim Onlinebroker Swissquote sowie bei den Online-Handelsplattformen trade-net und e-SIDER. Im telefonischen Handel überzeugen die PostFinance sowie Swissquote. Bei hohen Transaktionsvolumen bietet die Migros Bank mit dem Fixpreis eine optimale Lösung an. Selbstverständlich muss berücksichtigt werden, dass bei Onlinebrokern und Online-Handelsplattformen keine Beratung erfolgt und der Investor die Anlageentscheide selbst treffen muss bzw. mit Hilfe der Fachpresse oder einem unabhängigen Anlegermagazin. Auch bei den Depotgebühren macht der Onlinebroker Swissquote eine gute Figur. Übertroffen wird er nur noch von der PostFinance, welche keine Gebühr erhebt.
Der Käufer von Strukturierten Produkten muss zudem berücksichtigen, dass bei einigen Anbietern weitere Kosten anfallen können. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, dass es bei einigen Strukturierten Produkten bei Verfall zu einer Lieferung des Basiswertes kommt. Für diese Titellieferung verrechnet beispielsweise die Bank Coop 0,55% und die Credit Suisse 0,50% des Transaktionswertes.
Klares Selbstbild als wichtige Basis
Wichtig aus Kundensicht ist, sich zunächst ein klares Selbstbild zu schaffen. Diese «Selbstauskunft» ist Basis für einen individuellen Broker- bzw. Bankencheck. Die Konto- und Depotverbindung ist in der Regel relativ schnell gekündigt, doch ob sich der neue Anbieter dann unter dem Strich tatsächlich lohnt, kann schon vorab klar erkannt werden. Der Anleger sollte sich insbesondere fragen: Wie häufig handle ich welche Produkte? An welchen Börsenplätzen kaufe ich bevorzugt? Wie lange ist mein Anlagehorizont? Welche Software-Tools möchte ich von meinem Broker bzw. meiner Depotbank zu Verfügung gestellt bekommen? Die Beantwortung dieser Fragen vorausgesetzt, kann der optimale Anbieter ausgewählt werden. Abschliessend stellt sich natürlich auch die Gretchenfrage einer persönlichen Beratung sowie deren Wert. Die Empirie zeigt, dass der Wert einer Beratung oft deutlich überschätzt wird. Speziell bei Banken sind häufig immer noch interne Vertriebsziele richtungsweisend und sorgen nur in wenigen Fällen für echten Mehrwert. Der individuelle Vergleich der verschiedenen Anbieter lohnt sich daher auf jeden Fall.
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