Pharma im zweiten Frühling
Im Börsenjahr 2011 zeigten die meisten Pharma Blue Chips relative Stärke. Aktuell stehen die Chancen gut, dass Biotechnologiefirmen wieder die Leaderrolle übernehmen. Welche Strukturierten Produkte jetzt gesunde Renditen versprechen.
von Dieter Haas
Die Jahre, in denen der Pharmamarkt mit zweistelligen internen Wachstumsraten des Umsatzes glänzte, gehören längst der Vergangenheit an. Das weltweite Wachstum hat sich kontinuierlich reduziert und lag im Zeitraum 2006 bis 2011 durchschnittlich bei rund 5,5%. Der fortgeschrittene Reifegrad der Branche hindert sie jedoch nicht daran, altbekannte Stärken zu demonstrieren. Dank ihres wenig konjunktursensitiven Geschäftes gelang es den Aktien der meisten klassischen Pharmagesellschaften, 2011 ungeschoren zu überstehen. Depots mit Beteiligungspapieren der Schweizer Pharmagiganten Novartis und Roche strotzten vor Gesundheit.
Positive Zukunftsperspektiven
Für die kommenden Jahre bis 2015 rechnet das renommierte Prognoseinstitut IMS Health im Pharma-Sektor mit einem durchschnittlichen Wachstum zwischen 3% bis 6%. Nordamerika, Europa und Japan liegen dabei unter dem Schnitt. Die patentgeschützten Umsätze der Pharma-Unternehmen werden nach Analysen von IMS Health grosso modo stagnieren. Positive Dynamik versprechen hingegen die Schwellenländer. So werden für Lateinamerika, Asien/Afrika/Australien zweistellige Zuwachsraten prognostiziert. Auf dem aufsteigenden Ast befinden sich auch die Generika. Hier rechnet IMS Health mit stetigen Marktanteilsgewinnen. Bis 2015 dürften Nachahmerpräparate gegen 40% an der geschätzten Grösse des Welt-Pharmamarktes von knapp USD 1‘100 Mrd. bestreiten. Das patentgeschützte Kuchenstück wird hingegen um rund zehn Prozentpunkte auf etwas über 50% schrumpfen. Ein zentraler Aspekt sind dabei Patentabläufe mehrerer umsatzträchtiger Medikamente. Bis 2015 gehen deswegen Umsätze von rund USD 140 Mrd. verloren. Das zwingt die betroffenen Konzerne zu rigorosen Sparmassnahmen. Selbst gut aufgestellte, breit diversifizierte Unternehmen mit einer gefüllten Produktepipeline wie Novartis sorgen mit Arbeitsplatzreduktionen vor. Krebs ist und bleibt das wichtigste Therapiegebiet. Aktuell macht sein Anteil am Weltumsatz rund 7% aus.
Auf einen Blick:
Pharma
Überbegriff für die grossen, etablierten Pharmaunternehmen
Medizinaltechnik
Die Medtech-Branche umfasst die Bereiche «Medizinische Geräte», «Diagnostik» und «Laborausrüstungen».
Biotechnologie
Sammelbegriff für meist kleine, vergleichsweise junge Pharmafirmen, die einen starken Fokus auf «Forschung & Entwicklung» legen.
Generika
Unternehmen in diesem Sektor haben einen starken Fokus auf Herstellung und Vertrieb von Medikamenten, die ihren Patentschutz verloren haben.
Wo spielt 2012 die Musik?
Allen Unkenrufen zum Trotz geht es der Branche gut. Ein «annus horribilis», wie es einzelne Schwarzmaler aufgrund der Patentabläufe befürchten, wird es auf keinen Fall. Der Aktienstratege Robert C. Doll von der renommierten US-Investmentgruppe BlackRock zählt Pharma neben Energie zu den klaren Outperformern in 2012. Als Begründung nennt er das gut prognostizierbare Gewinnwachstum sowie die vernünftige Bewertung. Es gibt somit keinen Grund, Pharmatitel auf die Krankenstation zu schicken, auch wenn in einigen Monaten zyklischere Sektoren mehr Fantasie entwickeln könnten. Das wäre ein Vitaminstoss für Aktien des Teilbereichs Biotechnologie, dem wachstumsstärksten Segment innerhalb des Gesundheitswesens. Sie sind seit Anfang des Jahrhunderts die Zugpferde und brachten die höchsten Erträge. Ihre Kursentwicklung schwankt aber deutlich stärker als diejenige der Pharmaaktien oder von Beteiligungspapieren, die auf Generika fokussieren.
Die besten Anlagezertifikate
Es gibt einige sehr gute, auf den Gesundheitsbereich ausgerichtete Strukturierte Produkte. Erste Wahl sind die breit aufgestellten, in USD, EUR und CHF gehandelten Tracker-Zertifikate auf den RBS Adamant Healthcare Momentum Index. Ihr Basiswert schlägt sich hervorragend und erreichte seit Juni 2007 im Quervergleich die beste Performance (siehe Grafik und Interview mit Cyrill Zimmermann, CEO Adamant Biomedical Investments AG). Das verdanken sie nebst der sorgfältigen Analyse der ausgewählten Titel vor allem dem konsequenten Einbau von Unternehmen aus den Schwellenländern. Dadurch kann sich HEALC klar vom Tracker DJHEC auf den Dow Jones Health Care Titans 30 Index absetzen, der die 30 gemessen an der Börsenkapitalisierung grössten Grosspharmakonzerne umfasst. Der RBS Adamant Healthcare Momentum bildet die Wertentwicklung von 40 börsenkotierten Healthcare-Unternehmen ab. Es werden halbjährlich jeweils zehn Titel aus den Regionen Westeuropa, Nordamerika, Japan/Australien und den Emerging Markets auf der Basis von vier qualitativen und vier quantitativen Parametern selektiert. Der fundamental geprägte Ansatz berücksichtigt unter anderem die Qualität des Managements, die Produktepipeline sowie Finanzkennzahlen wie Umsatzwachstum und operative Marge.
Die Partizipationsprodukte GENCH (CHF) und GENUS (USD) legen ihren Schwerpunkt auf den Generika-Markt. Der zugrunde liegende Index umfasst zurzeit das vorgesehene Maximum von zwölf Titeln, die im Zeitpunkt des Rebalancing-Datums Anfang 2012 mit 8,33% gewichtet wurden. Darunter befindet sich mit Teva Pharmaceuticals auch der in diesem Subsegment favorisierte Titel der Adamant Biomedical Investment AG. In der Auswahl befinden sich ferner Pharmakonzerne wie Novartis, die ein starkes Standbein im Generikamarkt besitzen. Breit diversifiziert auf Biotechnologie setzen BTKOP und AMXOE. Beiden liegt als Basiswert der NYSE Arca Biotechnology Kursindex zugrunde (www.amex.com/othProd/prodInf
/OpPiIndComp.jsp?Product_Symbol=BTK). Der Performancevorsprung des herausragenden Tracker-Zertifikates AMXOE beruht auf der Währungsabsicherung (Quanto-CHF). Das brachte in der Vergangenheit einen beträchtlichen Zusatzgewinn. Die längerfristig erzielte Rendite übertrifft diejenige des 2011 mit dem Lipper Fund Award ausgezeichneten Spezialfonds Global Life Science Fund der Vermögensverwaltungsfirma RH & Partner (siehe Interview payoff express 06-2011) um Längen.
Vorsichtige Anleger dürften sich am Wandel-Zertifikat auf Roche GS erfreuen. Der Konzern erfreut sich bester Gesundheit und der Genussschein befindet sich seit Monaten im Aufwärtstrend. Dank des Kapitalschutzes ist das Rückschlagrisiko des Valors 12‘148‘007 begrenzt, zumal er erst wenig über pari notiert. Die jährliche Wandelprämie hat sich dank des Kursanstiegs des Basiswertes bereits erheblich reduziert. Bis zum Verfall in vier Jahren bestehen intakte Chancen für ein Erreichen der Allzeit-Höchstkurse (CHF 241.40) zu Beginn des Jahres 2007. Es besteht somit viel Luft nach oben! Stock-Pickern seien auch die diversen Empfehlungen im Interview mit dem CEO von Adamant ans Herz gelegt. Sie decken Unternehmungen aus allen Subsegmenten der Branche ab. So stehen die Chancen insgesamt gut, dass Pharma-Aktien auch im Jahr 2012 eine gesunde Performance hinlegen.
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