Rohstoffe: Glänzende Wegbegleiter mit Mehrwert
Anleger, die Rohstoffe als Proviant im Depot haben, konnten seit 2006 von stattlichen Erträgen zehren. Auch mit Blick auf das neue Jahr dürfte diese Anlageklasse rentierlich sein – insbesondere Gold und Silber bieten beste Chancen.
von Dieter Haas
Seit 2006 erleben Rohstoffe ein Revival. Vorher fristeten sie im Anlagekontext ein Randdasein. Die einstigen Kummerbuben haben sich zu Stars gemausert. Allerdings trauen sich bislang erst wenige Privatanleger in dieses Terrain. Hohe Schwankungen, heterogene Kursentwicklungen und, abgesehen von wenigen Ausnahmen, die Unmöglichkeit, Direktanlagen zu tätigen, verhindern den grossen Durchbruch. Mit der Schaffung neuer Rohstoffindizes und darauf basierender Indexfonds oder Tracker-Zertifikate wurden inzwischen passable Instrumente geschaffen für ein breit diversifiziertes Engagement. Eines der qualitativ besten Konzepte ist die UBS CMCI-Indexfamilie. Dieses Anlagekonzept minimiert gewisse negative Kurseinflüsse, die auf Rohstoffe am Finanzmarkt wirken können. Anleger können hierüber in Sektoren wie Energie, Agrar oder Metalle gezielt investieren. Nebst Tracker-Zertifikaten werden auch Indexfonds angeboten, bei denen das Emittentenrisiko entfällt, wie der empfehlenswerte, an der Börse kotierte, CHF-gehedgte Exchange Traded Fonds (ETF) mit dem Tickersymbol CACHAS (Valor 12423121). Beide Finanzprodukte werden börsentäglich in der Schweiz gehandelt und bilden den zugrunde liegenden Rohstoffindex nahezu 1:1 ab. Der Anleger partizipiert somit direkt am Auf und auch am Ab der im Index abgebildeten Rohstoffpreise.
Die härtesten Währungen der Welt
Risikoreicher, aber im Erfolgsfall wesentlich lukrativer ist das Setzen auf einzelne Rohstoffe. Im Vordergrund stehen nach wie vor Edelmetalle, die ein physisches Engagement erlauben. Besonders Gold und Silber profitieren dank ihres Währungsersatzcharakters vom westlichen Schuldenschlamassel. Die beiden waren in den vergangenen zehn Jahren mit grossem Abstand der Welt härteste Währung (siehe Grafik). Deflatorische Zwischenphasen wie 2008, in denen auch die Edelmetalle unter Druck gerieten, erwiesen sich im Nachhinein als günstige Einstiegschancen. Aktuell befinden sich die Finanzmärkte erneut in einer mit der ersten Finanzkrise vergleichbaren Baisse. Die Rohstoffe, inklusive Gold und Silber, werden dabei ebenfalls mit in die Sippenhaft genommen. Für längerfristig orientierte Investoren eröffnen sich dadurch erneut günstige Einstiegsgelegenheiten. Unter den wichtigsten Papierwährungen vermochten sich im neuen Jahrtausend einzig der Australische und der Neuseeländische Dollar gegenüber dem Schweizer Franken zu behaupten. Alle übrigen litten teils mehr, teils weniger an Schwindsucht. Der Abwertungswettlauf wird martialisch oft auch als Währungskrieg betitelt.
Rohstofffavoriten in 2012 – Stimmen aus der Praxis
Tobias Tretter, Geschäftsführer von Commodity Capital, sieht für 2012 die Edelmetalle Silber und Gold erneut in der Poleposition. «Solange die Schuldenproblematik in der Welt nicht gelöst ist und seitens der Politik durch Geldmengenausweitungen lediglich versucht wird, die bestehenden Probleme in die Zukunft zu verschieben, so lange dürfte auch die Rallye bei den Edelmetallen anhalten.» Trotz der gestiegenen Goldpreise sind lediglich ca. 2% der globalen Vermögenswerte in physischem Gold investiert. Nach den vergangenen großen Krisen in den 30er- und 70er-Jahren repräsentierte Gold etwa 25 bis 30% der weltweiten Assets. Insofern besteht unverändert eine massive Unterinvestition in Gold, und es sind auch in 2012 weitere Kurssteigerungen zu erwarten. Wesentlich volatiler, aber für 2012 weit aussichtsreicher als Gold erscheint derzeit Silber – das «Gold des kleinen Mannes». Die Nachfrage nach Silber ist in den vergangenen Monaten deutlich angestiegen, und auch vonseiten der Münzhändler wird bestätigt, dass die Verkäufe von Silber- und Goldmünzen wertmässig in etwa gleich sind. Das bedeutet, dass bei einem derzeitigen Gold-Silber-Preisverhältnis von über 50:1 – man benötigt 50 Silbermünzen, um eine Goldmünze zu kaufen – 50-mal mehr Silbermünzen und -barren gekauft werden als physisches Gold. Als Zielmarke für den Silberpreis hält Tobias Tretter das Erreichen des historischen Verhältnisses von 15:1 auf Sicht der nächsten zwölf bis 24 Monate für möglich. Doch auch für Gold scheint die Reise nach oben zu gehen. «Da es derzeit keine neuen Goldminen gibt und die wachsende Mittelschicht in China und Indien eine heisse Liebe zu Gold entdeckt, bleibt auch in den nächsten Jahren der Preisanstieg sehr wahrscheinlich intakt», ist sich Dunham Craig, CEO von Geologix Explorations, sicher. Das in Frankfurt und Toronto börsenkotierte Rohstoff-Unternehmen fördert Gold in Mexico. «Die Einzigen, die in letzter Zeit Gold verkaufen, sind Zentralbanken. Der Rest kauft Gold», so Craig.
Empfehlenswerte Produkte
Für die Umsetzung hat der Investor die Wahl der Qual. Doch gibt es im Produktdschungel auch einige Trouvalien mit Mehrwert – die darüberhinaus auch noch an der Schweizer Börse gelistet sind. Seit der Lancierung des ersten physisch gedeckten Gold-ETFs in der Schweiz durch die Zürcher Kantonalbank im Jahre 2006 hat sich das Angebot stark erweitert. Inzwischen bieten etliche Banken solche Produkte an. Im Unterschied zum Direktkauf von Gold- oder Silberbarren entfallen bei Indexfonds die Lagerkosten. Wichtig zu wissen: Die Preisfeststellung von Gold und Silber erfolgt in US-Dollar an den Leitbörsen in London und New York. Angesichts der zweifelhaften Aussichten des USD zum CHF sollten daher bei Käufen währungsgesicherte Produkte vorgezogen werden. Sie versprechen langfristig das grössere Kursgewinnpotenzial. Die vorhandenen Gold-ETFs unterscheiden sich performancemässig nur marginal. Somit spielt die Wahl des Produktes eine untergeordnete Rolle. Infrage kommen die ETFs der Zürcher Kantonalbank ZGLDHC (Valor 13910160), der Bank Bär JBGOCA (Valor4478123) oder diejenigen der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse. Bei Silber gibt es mit dem ETF der Bank Bär JBSICA (Valor 10640589) bislang erst eine Alternative. Unter den Strukturierten Produkten findet sich mit den Clariden Leu-Tracker-Zertifikaten nur eine Lösung mit physischen Hintergrund. Das in CHF gehandelte, nicht währungsgesicherte Partizipationsprodukt GOLCH (Valor 11246486) ermöglicht im Unterschied zu den Gold-ETFs auch einen physischen Bezug kleiner Mengen. Insgesamt haben Gold und Silber das Potenzial sich auch im Jahr 2012 als glänzender Wegbeleiter zu präsentieren.
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