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ROGKB Warrant Roche GS 1.146.160
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INTERVIEW
06. Januar 2012 / 08:00

«Die SNB hat dem Markt klare Zeichen gegeben.»

Professor Dr. Erwin W. Heri, VR-Präsident der Bankengruppe Valartis, Wirtschaftsberater und Buchautor, über Eurosorgen, Inflationsgespenster und Anlageratschläge für 2012.

von Martin Raab

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Herr Heri, wie lautet Ihr persönliches Fazit für das turbulente Börsenjahr 2011?

Wenn man sich die allgemeine Weltuntergangsstimmung, insbesondere aber auch die permanente Schwarzmalerei in den Medien anschaut, dann haben sich die Aktienbörsen noch relativ gut gehalten. Es gibt natürlich nichts zu jubeln, aber wir haben schon schlimmere Jahre gesehen. Investoren scheinen zu realisieren, dass viele Firmen ausgesprochen günstig bewertet sind, und Dividendenrenditen von Top-Unternehmen, die mehrfach über der Rendite der Eidgenossen liegen, tragen wohl das ihrige dazu bei, dass vielerorts die Mittelallokation langsam wieder in Richtung der Dividendenpapiere umgeschichtet wird.

Schuldenberge aller Art sind ein dominierendes Thema. Ist die Krise bald ausgestanden oder droht Anlegern ein «verlorenes Jahrzehnt»?

So langsam, wie sich Schuldenkrisen aufbauen, so langsam werden sie auch abgebaut – wenn man sich dann einmal für die Sanierung entschieden hat. Ob sich daraus das nächste «verlorene Jahrzehnt» für die Anleger ergibt, kommt darauf an, wie man die Problemlösung angeht. Rigorose Sparpakete, gekoppelt mit Steuererhöhungen, führen zu einer übermässigen Belastung der Wirtschaft mit möglicherweise lang andauernder Lethargie, was den Unternehmenssektor und damit die Aktienmärkte belastet. Weginflationierung der Schulden würde die Zinssituation und damit die Obligationenpositionen belasten. Aber den einfachen Weg aus der Schuldensituation gibt es eben nicht.

Wie sehen Sie die Zukunft des Euro?

Ich bin noch immer der Meinung, dass das Euro-Modell per se nicht schlecht ist. Das Problem war bzw. ist, dass man sich nicht an die einmal aufgestellten Regeln gehalten hat. Die Maastricht-Kriterien waren klar, und wohl auch richtig. Das Problem ist, dass man sich im Vorfeld zu wenig überlegt hat, wie man vorgeht, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält. Aber jetzt sind wir, wo wir sind und der Weg zurück zu einer stabilen funktionierenden Währung kann nur über irgendeine Form von Fiskalunion mit Aufgabe gewisser Autonomien führen.

Professor Dr. Erwin W. Heri ist ein «Hybrid» in der internationalen Finanzmarktszenerie. Ausgebildet (Studium, Doktorat, Habilitation) in Bern, Basel, Ann Arbor und Stanford, war er zunächst als Dozent und später Professor für Nationalökonomie und Angewandte Statistik an der Uni Basel tätig, bevor er sich der Finanzwelt zuwandte. Seine Karriere begann beim SBV. Es folgten Positionen als CIO und Mitglied der Konzernleitung der Winterthur Versicherungsgruppe und schliesslich als CIO bei der Credit Suisse. Er behielt während dieser Zeit seinen Status als Professor der Uni Basel bei. Sein wesentliches Anliegen ist die «Übersetzung» der Finanzsprache und der Produkte für «den Mann auf der Strasse». Heute führt Professor Heri als Chairman die Valartis Bank und betreut eine Reihe grösserer Mandate im Anlage- und Finanzbereich. Der Buchautor ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. In seiner Freizeit ist er vor allem kulturell und sportlich interessiert.

Wird die SNB dem Franken auch weiterhin Stärke «per Rezept» verordnen können?

Ich finde, die SNB hat in der zweiten Hälfte dieses Jahres einen guten Job gemacht. Darüber, was vorher gelaufen ist, brauchen wir nicht mehr zu diskutieren. Die SNB hat dem Markt klar signalisiert, dass gewisse Übertreibungen nicht akzeptiert werden. Das hat der kurzfristigen Spekulation neue Rahmenbedingungen vorgegeben, die sie dazu veranlasst hat, ihre Positionen zu drehen. Dadurch haben die Hedge Funds und andere kurzfristig agierende Marktteilnehmer die «Interventionen» vorgenommen, die eigentlich die SNB hätte tätigen müssen. Ich bin der Meinung, dass dies ein geschicktes Einbeziehen anlagetechnischer Überlegungen der Spekulanten vonseiten der SNB gewesen ist. Es wäre jetzt bald an der Zeit, das Gleiche auf dem neuen CHF/EUR-Niveau zu tun. Ich zweifle nicht daran, dass die SNB wieder erfolgreich wäre.

Mehr und mehr Analysten erwarten aufgrund der laufenden Notenpressen und Tiefzinsniveau einen Anstieg der Inflation in der Schweiz, aber auch im restlichen Europa. Doch bislang steigt die Geldmenge im Portemonnaie des Bürgers nicht merklich. Also eine Geisterdebatte?

In der ganzen Wirtschaftsgeschichte hat eine übermässige Ausdehnung monetärer Aggregate immer zu ansteigenden Inflationsraten geführt. Eine praktisch simultane Reduktion der Umlaufsgeschwindigkeit bei Ausdehnung der Geldaggregate findet nur in Krisensituationen statt. «Crisis Mood» ist aber kein permanenter Zustand. Sobald sich die Situation stabilisiert, müssen die Zentralbanken die zusätzlichen Geldmittel abschöpfen. Das wird aber genau dann sein, wenn sich die Wirtschaft auch sonst schon in einer ausgesprochen schwierigen Lage befindet. Ich möchte dann sehen, wie die Zentralbanken das politisch durchstehen.

Die Zinsen der wichtigsten Währungen befinden sich nahe bei null. Sind festverzinsliche Anlagen den Beteiligungspapieren trotzdem vorzuziehen?

Weltweit befinden sich viele Zinsraten auf Niveaus, die wir noch nie gesehen haben – einige nahe bei null. Nominalzinsen können aber (mit einigen hier nicht relevanten Ausnahmen) nicht unter null gehen. Mit anderen Worten laufen wir im Obligationenbereich im Moment relativ hohe Risiken, da Obligationenpreise bekanntlich sinken, wenn die Zinsen steigen. Noch so mancher Anleger, der diese Zusammenhänge verdrängt, dürfte sich in den nächsten Jahren wundern, wie viel (Buch-)Verluste man auch mit einem Obligationen-Portefeuille erleben kann. Deswegen sind festverzinsliche Anlagen den Dividendenpapieren eben gerade nicht vorzuziehen.

Welche Grundsätze sollte ein Investor bei seiner Anlagestrategie stets befolgen, speziell 2012?

Im Jahre 1999 habe ich ein Buch mit dem Titel «Die Acht Gebote der Geldanlage» geschrieben. Diese Gebote waren schon damals nicht neu, haben aber trotzdem bis heute nichts an Aktualität verloren. Die Wichtigsten davon sind: Definition der Risikofähigkeit, daraus abgeleitet eine Anlagestrategie, Disziplin und keine unnötigen Wetten und eine gesunde Portion Misstrauen all denjenigen gegenüber, die «es wissen».

Wo sehen Sie im neuen Jahr die besten Möglichkeiten, um eine positive Rendite zu erwirtschaften?

Wetten Sie nicht auf eine einzelne Assetklasse. Und schon gar nicht über eine spezifische Periode. Warum auch? Aber wenn Sie unbedingt eine wollen, dann sind es Aktien. Damit investieren Sie in das Produktivkapital der Volkswirtschaft. Das hat langfristig noch immer am besten abgeschnitten.

Wie legen Sie persönlich Geld an und was war bislang Ihr erfolgreichstes Investment?

Ich investiere vor allem strategisch in Aktien. Im Übrigen bin ich in den Firmen investiert, bei denen ich auch tätig bin. Da ich mein Studium seinerzeit selber finanzieren musste, war mein bestes Investment wahrscheinlich die Investition in meine Ausbildung. Ansonsten habe ich den «Star-Performer» bis jetzt noch nicht gehabt – aber ich bin guten Mutes.

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