«Ein wesentlicher Vorteil der ETTs gegenüber den ETFs wurde noch nicht ganz verstanden.»
Patrick Stettler, Executive Director und Leiter Public Distribution Schweiz bei UBS, über die Vorteile von Exchange-Traded-Tracker (ETT) und die bisherige Anlegerresonanz.
von Philipp Vontobel
Herr Stettler, worin liegt der Unterschied zwischen ETTs und ETFs?
Bei ETTs – die sogeannten «Exchange-Traded-Tracker» – handelt es sich rechtlich um sog. Inhaberschuldverschreibungen, welche von der UBS emittiert werden. Wie bei konventionellen Obligationen muss auch in diesem Zusammenhang das Ausfallrisiko des Emittenten berücksichtigt werden. Ein ETF hingegen verbrieft einen anteiligen Besitz an einem Sondervermögen. Dieses wird getrennt vom Vermögen der emittierenden Investmentgesellschaft geführt. ETF-Anleger betonen implizit den Faktor Sicherheit. Wer in einen ETT investiert, legt mehr Wert auf Effizienz in Form von hoher Spurtreue (d.h. kleiner Tracking-Error) und tiefen Gebühren.
Wie kam es eigentlich zur Produktidee?
Studien belegen, dass eine Vielzahl von aktiv gemanagten Fonds ihren Vergleichsindex (Benchmark) nicht zu schlagen vermögen. Diese Erkenntnis hat allgemein zu einer Bevorzugung von passiv zu aktiv verwalteten Anlagen geführt. Mit der Lancierung von sehr effizienten Instrumenten wie den ETTs trägt UBS diesem Trend Rechnung. Die ersten ETTs wurden im Januar 2010 lanciert
Die kostenfreie Struktur (Mgt. Fee 0%) ist gemäss Termsheet des Produkts ETSMI nur noch bis 15.01.2012 garantiert. Folgt danach definitiv eine generelle Gebühreneinführung bei UBS-ETTs?
Nein, es gibt keine generelle Gebühreneinführung. Die UBS hat gemäss den Termsheets die jährliche Möglichkeit, unter Vorbehalt einer Ankündigungsfrist von 13 Monaten die Gebühren zu erhöhen. Sollte dies einst notwendig sein, würde ein Anleger somit rechtzeitig darüber in Kenntnis gesetzt.
Patrick Stettler hat Informatik studiert, bevor er 1994 seine berufliche Karriere beim Schwei- zerischen Bankverein im Derivathandel begann und später einen Teil des Market Making in Zürich leitete. 2001 wechselte er zur ehemaligen Bank Leu als Leiter Derivathandel, zu dessen Aufgabenbereich sowohl Eigenhandel als auch Strukturierte Produkte gehörten. Nach einem MBA-Studium baute er von 2004 bis 2006 für einen Vermögensverwalter eine Plattform für Alternative Investments auf. Ab 2007 betreute Patrick Stettler bei der UBS in Zürich Institutionelle Kunden und Intermediäre im Bereich Derivate. Seit 2011 leitet er den öffentlichen Vertrieb von Strukturierten Produkten in der Schweiz
Das heisst, Anleger können den Nulltarif weiterhin geniessen?
Ja, die Gebühren belassen wir bis auf Weiteres bei 0%. Ich erwarte zudem nicht, dass sich dies in absehbarer Zukunft ändern wird.
Wie beurteilen Sie die Einsatzmöglichkeiten von ETTs in einem Portfoliokontext unter Berücksichtigung des UBS-Emittentenrisikos?
Passive Instrumente haben sich im Portfoliomanagement breit etabliert. Sie eignen sich sowohl für die strategische als auch die taktische Vermögensallokation. Bei ETTs gilt es, das eingangs erwähnte Emittentenrisiko zu berücksichtigen. Denn ein ganzheitliches Risikomanagement gebietet die massvolle Allokation nicht nur in Bezug auf die Vermögensklassen, sondern auch in Bezug auf Emittentenrisiken. Letztendlich ist dies eine Frage des Risikoappetits, die der Anleger für sich selbst entscheidet
Risikoappetit ist ein gutes Stichwort. Wie ist die bisherige Anlegerresonanz? Wurde bislang viel Umsatz mit diesen neuen Produkten generiert?
Im Vergleich zu anderen Partizipationsprodukten sind die erzielten Börsenumsätze verhältnismässig moderat. Dies ist angesichts der Produkteigenschaften erstaunlich. Ich glaube, dass ein wesentlicher Vorteil der ETTs gegenüber den ETFs noch nicht ganz verstanden wurde: Und zwar, dass die zugrunde liegenden Dividenden für Schweizer Privatanleger nicht einkommenssteuerpflichtig sind. ETFs können damit nicht punkten. Die Verwaltungsgebühr von 0% ist quasi noch der i-Punkt obendrauf.
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