«Kein Anleger braucht weitere Arten von Strukturierten Produkten»
Heiko Weyand, Direktor Zertifikatemarketing bei HSBC Trinkaus über emisge Trader, Tick-Arbitrage und den deutlich steigenden Druck in Sachen Regulierung und Kostentransparenz.
von Martin Raab
Herr Weyand, wie wirken sich die aktuellen Börsenturbulenzen auf das Derivategeschäft von HSBC aus – wie ist die Stimmung bei Ihren Kunden?
Wir können feststellen, dass gerade Schweizer Anleger aktuell immer aktiver werden. Während aktuell wohl kaum neue Investoren den Aktien- und Derivatemarkt betreten, scheint es, als ob bestehende aktive Trader eher mehr agieren als im Sommer, also vor dem Kurssturz Anfang August.
Welche Basiswerte und Produkttypen sind bei Ihren in der Schweiz kotierten Produkten aktuell besonders umsatzstark?
Aktuell haben wir nur wenige Hebelprodukte auf den SMI kotiert. Anders als in Deutschland konzentrieren sich unser Angebot und damit die Umsätze der Anleger in unseren Wertpapieren also auf Aktien. ABB liegt hier traditionell vorne, aber auch die Finanzwerte sind seit Längerem als Basiswert für Knock-outs und Mini-Futures gefragt.
Inwiefern bekommen Sie das Thema Arbitrageure bei Ihren an der Scoach Schweiz kotierten Warrants und Mini-Futures zu spüren? (Tick-Arbitrage)
Grundsätzlich agieren wir am Derivatemarkt eher konservativ in der Preisstellung unserer Hebelprodukte, auch der Spread ist konstant, zählt aber nicht zu den niedrigsten am Markt. Für uns und unsere Kunden ist ein kontinuierlicher und fairer Handelsservice entscheidend. Insofern sind wir von Arbitrage kaum betroffen.
Welche Innovationen / neue Produkte planen Sie mit Blick auf das neue Jahr?
Es geht ja schon lange nicht mehr um Produktinnovationen. Kein Anleger braucht weitere Arten von Strukturierten Produkten oder Hebelprodukten. Vielmehr wird gerade in der Schweiz das Thema Transparenz massiv an Bedeutung gewinnen. Die dramatisch zunehmende Regulierung der Finanzmärkte wird hier ebenso wie in Deutschland, Frankreich oder Skandinavien den Derivatemarkt dauerhaft verändern.
Heiko Weyand (38), studierter Betriebswirt, zeichnet bei HSBC Trinkaus für die Öffentlichkeitsarbeit zu Strukturierten Produkten verantwortlich. Der gebürtige Saarländer verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Derivategeschäft und arbeitete in London und München. Er widmet sich seit Jahren der Transparenz im Zertifikatemarkt, die er unter anderem mit drei verschiedenen Büchern und dem Konzept der Echtzeit-Produktportraits bei HSBC Trinkaus umsetzte. Seine Vorlieben konzentrieren sich gleichermaßen auf jede Form von Ballsport und Schokolade.
Wie wirkt sich das konkret aus?
Das wird sich in den nächsten Jahren in einer besseren Produktaufklärung, einer klaren Offenlegung der dem Anleger entstehenden Kosten sowie gesetzlichen Regelungen zur Risikoaufklärung manifestieren. In diesem Sektor werden wir 2012 wie in den vergangenen Jahren Zeichen setzen: Die kleine Software, «Zertifikate-Widget», die Echtzeit-Produktportraits und unsere kostenfreien Derivate- und Tradingbücher sind hier nur ein Anfang.
Wären Credit-Linked-Produkte – also auf Bonitäten von Corporates oder Staaten – gerade in der aktuellen Situation nicht auch sehr Erfolg versprechend?
Das ist nicht unser Fachgebiet. Ich denke auch, dass sich solche komplex verhaltenden und damit wenig transparenten Produkte nicht für Privatanleger im Rahmen einer Börsenkotierung eignen. Zudem würden Regulierer und Gesetzgeber einen sehr intensiven Blick auf eine Branche werfen, die ohnehin in der Kritik steht. Der Schaden solcher Wertpapiere für die Branche wäre insofern größer als der Nutzen für den einzelnen Emittenten und die Anleger.
Wird man von HSBC auch Produkte mit der Währung Gold (XAU) sehen?
Ich mag den Gedanken, da er den Zeitgeist trifft. In Deutschland waren wir ja auch der erste Emittent, der Fremdwährungsprodukte an der deutschen Scoach emittierte. Aktuell beobachten wir die Möglichkeiten, die sich mit Gold als Währung gerade entwickeln und werden entsprechend reagieren. Early Mover werden wir aber nicht sein.
Welche Markt-Erwartungen haben Sie persönlich für die nächsten Monate mit Blick auf die Entwicklung der Finanzmärkte – Stichwort: EU-Schuldendebatte?
Das Thema wird die Finanzmärkte, die Anleger und auch uns Emittenten lange beschäftigen. Wenn die Volatilität hoch bleibt, kann das aber ein positives Argument für Strukturierte Produkte und Hebelpapiere sein. Mittel- und langfristig sehe ich die Herausforderungen für uns als Banken eher in Sachen Regulierung. Das wird auch die Schweiz – vielleicht mit Verzögerung – betreffen.
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