«Unser Ziel ist die Führerschaft bei Produktqualität und Service.»
Henrik Takkenberg, European Head of Public Distribution bei UBS, über Normalisierung des Risikoappetits, Markenstärke und Produkt-Trends für 2012.
von Martin Raab
Herr Takkenberg, wie lautet Ihr Fazit für das Jahr 2011?
Ich erwarte die Rückkehr zur Normalität. Das vergangene Halbjahr war gezeichnet von phasenweise äusserst hoher Volatilität, die das Resultat ausserordentlicher Faktoren war. Sofern es der Politik gelingt, die Situation in Europa zu stabilisieren, erwarte ich ein freundlicheres Anlageumfeld und die Normalisierung des Risikoappetits.
Für welche Eigenschaften steht die Marke UBS bei Strukturierten Produkten?
Unser Ziel ist die Führerschaft in Bezug auf Produktqualität und Service. Dazu gehört einerseits ein umfassendes, die Vermögensklassen übergreifendes Produktangebot. Andererseits sind wir bestrebt, dieses Angebot mit intelligenten Zusatzdienstleistungen anzureichern. Ein gutes Beispiel dafür sind die sogenannten «Company Heartbeats».
Was ist das?
Dies ist ein Zusatz in einem unserer täglichen Newsletter, der über anstehende Quartalszahlen berichtet und jeweils kurz vor der Veröffentlichung der Zahlen eine Kurzanalyse erstellt. In Zukunft dürfen die Anleger noch mehr auf UBS-Analyse basierende Angebote erwarten.
Wie stark schlägt sich die jüngste EU-Krise, insbesondere die Kapriolen mit Griechenland und Italien, auf Ihr Geschäft zurzeit nieder?
Nach der Sommerperiode haben wir einen sehr starken August und September mit hohen Umsätzen in praktisch allen Vermögensklassen erlebt. Dies hatte sich im Oktober mit ca. 30% tieferen Volumen wieder etwas gelegt. Wir rechnen diesen Effekt hauptsächlich den mittel- bis langfristig orientierten Anlegern zu, welche sich im Verlauf der Europa-Krise von den Märkten zurückgezogen haben. Entsprechend hat sich die Nachfrage nach Anlageprodukten etwas zurückgebildet. Die Aktivität der eher kurzfristig agierenden Anleger hingegen verharrte auf hohem Niveau, was vor allem die Volumina in den Hebelprodukten stützte. Da wir sämtliche Marktsegmente bedienen, war das Geschäft insgesamt gut. Nebst den Hebelprodukten haben sich als Top-Seller die FX-Produkte herauskristallisiert. Die hohe Nachfrage fusste vor allem auf der äusserst hohen Volatilität in den Währungen, gepaart mit den relativ hohen Cash-Beständen der Anleger.
Wird das Geschäft mit Strukturierten Produkten durch die diskutierten Eigenkapitalanforderungen (Basel III) letztlich nur noch eingeschränkt betrieben werden können?
In Bezug auf Strukturierte Produkte für den Retailmarkt erwarte ich keinen nennenswerten Effekt. Es ist offensichtlich, dass die Banken bzw. die Emittenten ihre Bilanzen stärken müssen, um den neuen regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden. Dies führt auch zu einer Reduktion oder auch der Aufgabe gewisser Risikoaktivitäten. Die UBS ist gut kapitalisiert und nimmt innerhalb der Industrie eine starke Position ein. Auch wenn es zu selektiven Anpassungen kommen wird, erwarte ich keine wesentlichen Änderungen in unserem Produktangebot. Unsere Kunden dürfen von uns aber auch weiterhin passende Anlagelösungen erwarten.
Die UBS ist mit Equity Investor ein Pionier im elektronischen B2C. Was sind Ihre Gedanken zum Thema der Meta-Plattformen, also das vollelektronische «Matching» zwischen Kunden und Produktanbietern?
Wir bauen das Equity Investor-Angebot mit hoher Priorität aus. Wir konzentrieren uns in erster Linie auf Erweiterungen, welche wir global einsetzen können. Die Marktentwicklungen verfolgen wir natürlich aufmerksam, unter anderem auch das Thema Meta-Plattformen in der Schweiz.
Wie wurde in diesem Zusammenhang Ihr jüngstes Angebot zur Aktivierung von Aktienbeständen («UBS Equita») von den Kunden bislang angenommen?
Trotz schwieriger Marktsituation wurde UBS Equita (covered calls) sehr gut von UBS Wealth Management-Kunden angenommen. UBS Equita ist ein exklusives Angebot auf Equity Investor an UBS Wealth Management-Kunden in der Schweiz. Die Marktturbulenzen im Sommer haben dazu geführt, dass bei zahlreichen Strukturierten Produkten die Rückzahlung in Aktien erfolgte. Dort setzt UBS Equita nahtlos an. Es erlaubt UBS WM-Kunden, auf diesen Aktien Call-Optionen zu schreiben und diese Positionen somit aktiv zu bewirtschaften. Seit der Lancierung im Mai wird diese neue Möglichkeit rege eingesetzt.
Welche Ziele haben Sie für die Schweiz und in Europa in 2012? Planen Sie neue Produkte, Initiativen oder Strategien, neue Index-Konzepte?
Die vergangenen Monate haben aufgezeigt, dass die hohen Korrelationen unter den Vermögensklassen problematisch sind. Es fehlt an guten Diversifikationsmöglichkeiten. Aus diesem Grund verfolgen wir derzeit das Thema der Trendfolgestrategien. Denn diese Strategien haben bewiesen, dass sie vor allem in negativen Märkten gute Dienste erweisen können. Dieses Thema werden wir auch weiterhin begleiten. Wir haben darüber hinaus mehrere Initiativen und Produkte in der Pipeline, welche wir zu gegebener Zeit präsentieren werden. Wie eingangs angedeutet, dürfen Sie neue, spannende Ansätze erwarten, welche verstärkt auf das prämierte UBS-Research aufbauen.
Henrik Takkenberg ist European Head of Public Distribution bei der UBS AG. Zuvor war er in Senior-Positionen unter anderem für DWS/Deutsche Asset Management, ABN AMRO und die Commerzbank tätig. Bei letzten hat er erfolgreich die Public Distribution für Strukturierte Produkte aufgebaut. Henrik Takkenberg gilt mit mehr als 14 Jahren Berufserfahrung als Veteran in der Investmentbranche. Er lebt in Frankfurt am Main.
Welche Asset-Klasse bzw. Strategie ist aus Ihrer Sicht gegenwärtig erfolgsversprechend und warum?
Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger bietet der Aktienmarkt auf diesen Niveaus Chancen. Bevor wir jedoch ein verstärktes Engagement empfehlen, wollen wir zuerst eine Stabilisierung der globalen Konjunkturindikatoren sehen und zudem auch eine klare Lösung für die Krise in Europa. Bis dahin bleiben wir zurückhaltend.
Wie sehen Sie zurzeit das Thema Bonds?
Hier gilt es aufzupassen: Staatsanleihen sind derzeit zu meiden, da sie zurzeit kaum für die Inflationserwartungen entschädigen. Unternehmensanleihen, speziell das Hochzins-Segment in den USA, halten wir für besonders attraktiv.
Und Rohstoffe?
Bei den Rohstoffpreisen sehen wir weiteres Abwärtspotenzial von bis zu 10% in den kommenden Monaten. Wir schätzen jedoch die weniger zyklischen Rohstoffanlagen wie Gold. Der grosse Vorteil an unserem Geschäft ist, dass wir für die verschiedenen Marktlagen die angemessenen Anlagelösungen bereitstellen können.
Wie legen Sie persönlich Geld an?
Ich bin persönlich investiert in Aktien mit hoher Dividendenrendite, Rohstoffwährungen wie die Norwegische Krone oder der Kanadische Dollar – und Cash. Ich halte ebenfalls einen Teil in Gold und High-Yield-Obligationen aus den Emerging Markets. Zu guter Letzt nutze ich die aktuell hohen Volatilitäten zum Schreiben von Optionen z.B. mittels BLOCs von UBS.
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