«Wir sind für alle Gesundheitsaktien positiv eingestellt»
Cyrill Zimmermann, CEO der Adamant Biomedical Investments AG, sieht trotz Patentabläufen mehrerer umsatzträchtiger Medikamente weiterhin eine rosige Zukunft für die Branche. Asiatische und südamerikanische Gesundheitsmärkte haben die höchsten Zuwachsraten.
von Dieter Haas
Herr Zimmermann, welche Erwartungen hegen Sie für das Börsenjahr 2012?
Ich erhoffe mir, dass im Börsenjahr 2012 wieder etwas Ruhe in die Finanzmärkte zurückkehrt und sich die hohen Tagesvolatilitäten zurückbilden. Nur dann werden sich die Marktteilnehmer wieder vermehrt an Fundamentaldaten der Unternehmen orientieren. Sofern sich die Unsicherheiten aus der Schulden- und Eurokrise etwas legen, erwarten wir eine Outperformance der mittelgrossen und kleinen kapitalisierten Aktien, da dann die Risikobereitschaft ansteigen dürfte und die Bewertung von Aktienanlagen generell attraktiv ist.
Zunehmende Risikobereitschaft ist das Stichwort: Sehen Sie eine Verschiebung des Anlegerinteresses, nachdem Pharma 2011 die Branche mit der besten Performance war? Oder anders ausgedrückt, welcher der Teilbereiche (Pharma, Generika, Biotechnologie und Medizinaltechnik) besitzt die grössten Wachstumspotenziale?
Grundsätzlich sind wir für alle Gesundheitsaktien positiv eingestellt, da die Überalterung der Bevölkerung allein ein jährliches Wachstum von 2-3% generiert und wir in der Zukunft weiterhin von medizinischen Innovationen ausgehen. Bezüglich Subsektoren ist Pharma auch aufgrund seines defensiven Charakters im vergangenen Jahr bereits gut gelaufen. Allerdings stehen verschiedene Patentabläufe an und wir bevorzugen im Medikamentenbereich den Generika- und Biotechsektor. Medizinaltechnik wird es aufgrund von Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Umsetzung der Gesundheitsreform in den USA anfangs Jahr noch etwas schwer haben. Die Wolken dürften sich im Verlaufe des Jahres etwas verziehen und wir erwarten insgesamt eine erfreuliche Entwicklung für Medtechaktien, da deren Bewertung sehr attraktiv ist und die Firmen hohe Cashflows generieren.
Dr. Cyrill Zimmermann ist Mitbegründer und CEO der Adamant Biomedical Investments AG. Seit Juli 2006 ist die Zürcher Kantonalbank Hauptaktionärin der Gesellschaft. Vor der Gründung war Cyrill Zimmermann als Anlageberater für institutionelle Kunden in einer Grossbank und danach im Portfoliomanagement tätig. Der studierte Betriebswirtschafter promovierte an der Universität Zürich zum Thema «Bankmarketing im Anlagegeschäft mit institutionellen Kunden». Bei Adamant ist Cyrill Zimmermann neben der Firmenleitung verantwortlich für Finanzen, Vertrieb und für das Research im Bereich Medizinaltechnologie.
Das tönt ermutigend. Wie hoch liegt denn das Wachstumspotenzial in den einzelnen Subsegmenten in konkreten Zahlen?
Hinsichtlich der Umsatzwachstumsraten auf Ebene der Subsektoren erwarten wir mittelfristig bei Biotech eine Steigerung von 10-15%, bei Generika von 10% und bei Medtech von über 5%. Demgegenüber wächst Pharma lediglich noch mit 2-3%.
Wie sieht das Bild aus geografischen Gesichtspunkten aus, wo liegen hier die künftigen Schwerpunkte?
Die asiatischen und südamerikanischen Gesundheitsmärkte versprechen ein hohes Nachholpotenzial und weisen bezüglich Umsatz doppelstellige Wachstumsraten auf. So wurden beispielsweise in China in den vergangenen drei Jahren über 2‘000 Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen erstellt und gegen 400 Millionen Chinesen einer Krankenkasse zugeführt.
Pessimisten verwiesen zuletzt auf die 2012 anstehenden rekordhohen Patentabläufe und prophezeien schwere Zeiten für die Branche. Wie beurteilen Sie das Ganze?
Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. In diesem Jahr werden USD 35 Mrd. Jahresumsatz generisch – ein Rekord! So wird gegenwärtig das umsatzstärkste Medikament Lipitor von Pfizer mit USD 11 Mrd. Jahresumsatz in den USA generisch und beschert dem Pharmagiganten einen Umsatzeinbruch. Allerdings sind auch andere Unternehmen wie Eli Lilly oder Novartis betroffen, während Firmen wie Roche oder Glaxo hinsichtlich Umsatzeinbussen durch Patentabläufe gegenwärtig weniger exponiert sind.
Wer sind denn die konkreten Profiteure?
Durch die Akzentuierung des Patentablauf-Zyklus bei Originalpräparaten ergeben sich für Generikahersteller attraktive Chancen. Dieser Trend wird durch die zunehmend staatliche Förderung kostengünstiger Generika in vielen Industrienationen noch verstärkt.
Auf Generika fokussierte Konzerne besitzen somit auch grosses Gewinnpotenzial. Welchem Unternehmen räumen Sie die besten Chancen ein und wie sieht es in den anderen Subsegmenten aus?
Im Bereich Generika bevorzugen wir die israelische Firma Teva, die von einem guten Produktemomentum profitiert und den grössten und breitest aufgestellten Generikaanbieter darstellt. Auf der Pharmaseite befindet sich Roche in einer guten Ausgangslage, und im Biotechbereich bevorzugen wir die auf Krebsindikationen fokussierte amerikanische Anbieterin Celgene. Im Bereich Medtech verfügen die Herzklappenfirma Edwards Lifescience sowie die auf Dialyse spezialisierte deutsche Firma Fresenius Medical Care über eine gute Ausgangslage. Wirft man noch einen Blick in Richtung Asien, überzeugen uns die indische Generikaunternehmung Lupin sowie der chinesische Medtechhersteller Mindray.
Anlegern, die weniger dem Stock Picking-Gedanken frönen, sondern eine breit diversifizierte Investitionsmöglichkeit im Bereich Gesundheitswesen suchen, bietet Adamant zusammen mit der Royal Bank of Scotland Tracker-Zertifikate auf den RBS Adamant Healthcare Momentum Index an. Sie gehören seit der Lancierung zu den besten branchenspezifischen Anlagen (siehe Grafik). Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Wir wählen halbjährlich die 40 besten Gesundheitswerte aufgrund der Bewertung von vier qualitativen und vier quantitativen Kriterien aus. Die Auswahl erfolgt aus einem Universum von weltweit über 500 Gesundheitsfirmen, deren Management wir regelmässig treffen. Unsere Analysten nehmen eine detaillierte Einschätzung vor und halbjährlich werden nach vier geografischen Räumen unterteilt die zehn besten Werte in den Index aufgenommen. Mithilfe dieses fundamentalen Researchansatzes konnten wir über die vergangenen fünf Jahre den weltweiten Aktienindex um 70% übertreffen.
Der Erfolg gibt Ihrem Ansatz ganz offensichtlich recht. Können Sie uns zum Schluss noch die Unternehmen im RBS Adamant Healthcare Momentum Index nennen, welche gegenwärtig bei den qualitativen sowie bei den quantitativen Kriterien die höchste Punktzahl aufweisen?
Bei den qualitativen Kriterien, zu denen wir die Einschätzung des Management Teams, die Produktepipeline, eine Bewertung der operativen Risiken sowie des Länderrisikos subsummieren, stechen die im Zahnbereich tätige Sirona Dental sowie die im Diabetesbereich mit Insulinen führende Firma Novo Nordisk hervor. Bei den quantitativen Kriterien, die neben Bewertungskriterien auch das mittelfristige Umsatzwachstum sowie die operative Marge betrachten, befinden sich die beiden amerikanischen Generika- bzw. Spezialitätenpharmawerte Endo Pharma und Teva in Spitzenpositionen.
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