«Grosses Interesse im Energie- und Edelmetallbereich»
Nick Mihic, Leiter des Derivate-Bereich für die Schweiz bei J.P. Morgan, über den JPMorgan Commodity Curve Index, Konkurrenzprodukte und die Favoriten im laufenden Jahr.
von Dieter Haas
Herr Mihic, können Sie kurz die JPMCCI-Methodologie erläutern?
Der JPMorgan Commodity Curve Index (JPMCCI) ist ein Open Interest-basierter Commodity-Index, welcher breit diversifiziert entlang der gesamten Futureskurve in 36 verschiedenen Rohstoffen engagiert ist. Der monatlich rollierende Index verfolgt einen kurvenneutralen Ansatz und bezweckt, ein repräsentatives und effizientes Exposure zu Commodities herzustellen.
Was unterscheidet ihn von Konkurrenzindizes wie dem RICI Enhanced oder den UBS Bloomberg CMCI?
Der JPMCCI weist von allen drei Indizes die höchste Diversifikation auf und kann somit als umfassende, durch Rollierung optimierte Benchmark angesehen werden. Zusätzlich stützt sich der JPMCCI für die kurvenneutrale Allokationsentscheidung weder auf ein diskretionäres Komitee noch auf Produktionszahlen ab, sondern verwendet dafür Open Interest, welches ein vollkommen transparenter sowie marktgetriebener Indikator ist.
Nick Mihic leitet bei J.P. Morgan den Derivate-Bereich für die Schweiz. Zuvor arbeitete er bei Lehman Brothers sowie Goldman Sachs. Nick Mihic studierte an der Universität Zürich Banking & Finance und beendete seine Ausbildung mit einem Masterabschluss. Er hält einen MBA der London Business School sowie der Columbia University.
In den letzten Monaten hat sich die Korrelation der Rohstoffe zu anderen Anlageklassen wie Aktien verstärkt. Geht der erwünschte Diversifikationseffekt von Rohstoffen im Portfoliokontext zunehmend verloren?
Nun, die Korrelation von risikobehafteten Anlageklassen zueinander hat sich generell erhöht. Dies hängt mit der Tendenz der Marktteilnehmer zusammen, Kapital zunehmend taktisch entweder in Cash sowie Staatsanleihen höchster Güte oder aber in risikobehaftete Anlageklassen zu investieren (Risk On / Risk Off). Rohstoffe haben historisch gesehen eine fundamental begründete hohe Korrelation zu Inflation sowie geopolitischen Risiken. Das ist im Portfoliokontext nach wie vor von hohem Nutzen – speziell für Anleger, die verstärkte Inflation erwarten.
Empirische Studien zeigen, dass Rohstoffe mit geringen Lagerbeständen durchschnittlich eine höhere Rendite aufweisen als Rohstoffe mit hohen Lagerbeständen. Plant J.P. Morgan neue Indizes in diese Richtung?
Wir unterscheiden zwischen passiven Beta-Konzepten, welche diversifiziertes Exposure zu Rohstoffmärkten vermitteln, und Enhanced Beta- beziehungsweise Alpha-Ansätzen. Im Enhanced Beta-Bereich gibt es zahlreiche populäre Ansätze, welche unter anderem Relative-Value sowie fundamental getrieben sein können oder solche, die versuchen, Mehrwert über die Kurvenpositionierung zu generieren. Wir haben mit Contag einen Ansatz entwickelt, der zum Ziel hat, durch Rollierung optimiert zusätzliche Renditen zu erwirtschaften. Im Alpha-Bereich sehen wir Trends dahin, mehrere Alpha-Engines zu kombinieren und so eine zusätzliche Robustheit bezüglich der Renditegenerierung zu erreichen.
Welche Rohstoffsektoren sind Ihre Favoriten im laufenden Jahr?
Wir beobachten nach wie vor grosses Interesse im Energie- und im Edelmetallbereich. Der Energiesektor bietet aufgrund möglicher geopolitischer Spannungen und den damit verbundenen Angebotsengpässen ein positives Überraschungspotenzial. Falls die Volatilitäten hoch bleiben werden, erwarten wir eine stärkere Tendenz hin zu taktischen Allokationsentscheidungen.
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