Tracker-Zertifikat: Erfolgreich in der Heimat
Für die Zusammensetzung von Baskets gibt es viele Möglichkeiten. Die regionale Zusammenfassung kann ein Problem sein – oder aber funktionieren. Eine der erfolgreichsten Konstellationen fokussiert sich auf die Ostschweiz.
von Matthias Niklowitz
Dass der «Home Bias» – also die Anlage mit heimatlichem Fokus – meistens Rendite (und Vermögen) kostet, erzählen Vermögensverwalter und Anlegermagazine seit vielen Jahren: Viel besser als ein geografisch eng begrenztes Aktienportfolio ist demnach eine global zusammengesetzte Kombination defensiver und zyklischer Werte, verteilt auf vielversprechende Branchen und auf die Branchenbesten. Soweit die bekannten Ratschläge.
Hauptquartier Ostschweiz
In der Praxis tun sich viele Anleger etwas schwer damit. Sie kaufen laut einschlägigen Anlegerbefragungen lieber die Werte, die sie «kennen», weil die Headquarters praktisch um die Ecke sind, ein Schulfreund im mittleren Management arbeitet und/oder die GV jedes Mal ein kulinarischer Höhepunkt ist. Diversifizierung und Risikoverteilung bleiben so auf der Strecke. Der Aktienbasket VZOSC sieht auf den ersten Blick genau nach so einem Produkt aus – und der Emittent scheint sich mit dem Tracker-Zertifikat nicht ganz 100%ig dabei wohlzufühlen. Auf die Frage nach den Hintergründen für diese Produktidee heisst es lediglich, dass «das Produkt auf Wunsch eines Ostschweizer Kunden emittiert wurde» vonseiten des Vontobel-Derivatteams. Dabei hätte die Emittentin und natürlich auch die investierten Anleger eigentlich allen Grund zur Freude mit diesem Erfolgs-Basket.
Outperformance vs. SPI
Bei diesem Produkt ging die Rechnung definitiv zugunsten der Anleger aus: Wer seit Emission im Juni 2007 dabei war, hat den SMI knapp geschlagen und liegt mit dem SPI gleichauf. Zwischen 2009 und Sommer 2011 wurde der Gesamtmarkt deutlich geschlagen – und wer sich im letzten Juni von dem Basket trennte, hat gutes Geld verdient. Grund ist die Ostschweizer Zusammensetzung. Mit Burckhardt und Geberit sind zwei bekannte Weltmarktführer im Basket. Fischer, Autoneum, Gurit, WMH oder Forbo sind Zykliker, die jenseits der Landesgrenzen viel Geld einspielen, obwohl sie (auch) unter dem schwachen Euro leiden. Geografisch eng in der Ostschweiz zentriert ist lediglich das Geschäftsfeld der auch im Basket vertretenen St. Galler Kantonalbank. Deren Aktienkurs verbilligte sich auf Jahressicht allerdings recht stark.
Zyklischer Basket
Kurzum: Die Auswahl repräsentiert eigentlich mehr einen zyklischen europäischen Basket mit Schwerpunkt Schweiz plus ein gewisses Euro-Risiko. Anleger, die praktisch bei «Halbzeit» der Laufzeit noch zugreifen bzw. aufstocken möchten, sollten diese beiden Punkte beachten – denn es fehlen hier die defensiven Indexschwergewichte, welche den SMI stabilisieren. Aber dafür bräuchte es einen «Basler Basket» oder einen Romandie-Aktienkorb mit Nestlé und Co.
ALL ABOUT DERIVATIVE INVESTMENTS




