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AB Inbev: Ein süffiges Investment

02.07.2025 4 Min.
  • Wolfgang Hagl
    Redaktor

Mit hochpreisigen Premiummarken trotzt der weltgrösste Brauereikonzern einem schwindenden Bierdurst. Den Investoren schenkt AB InBev zudem mit Aktienrückkaufen ein. An der Börse ist der Large Cap dennoch am Ausbruch nach oben gescheitert.

Bei «Corona Extra» scheiden sich die Geister. Die Einen lieben das mexikanische Lagerbier gerade im Sommer als Durstlöscher, die Anderen beschimpfen es als süsses Mais-Sprudelgetränk. Fest steht, dass Corona bereits 100 Jahre alt ist. 1925 hat die Brauerei Cervecería Modelo in Mexiko City den Betrieb aufgenommen und die Rezeptur aus Wasser, Gerstenmalz, Mais und Hopfen zum ersten Mal eingekocht. Seit 2013 ist die Grupo Model Teil von Anheuser-Busch InBev. Neben Budweiser, Michelob Ultra und Stella Artois zählt Corona zu den globalen Blockbustern des Brauereikonzerns. Laut einem Ranking von Kantar BrandZ ist Corona die wertvollste Biermarke der Welt. Das Wachstum ist enorm, seit 2018 ist der Ausstoss um annähernd 90 Prozent gestiegen. Natürlich greift der Branchenriese mit diesem Top-Produkt auch den Trend hin zu alkoholfreien Gerstensäften ab. 2024 hat sich der Umsatz mit «Corona zero» mehr als verdoppelt.

Über den Erwartungen

Generell stemmt sich AB InBev mit seinen hochpreisigen Premiummarken erfolgreich gegen einen schwindende Bierdurst. Während der Ausstoss im vergangenen Jahr leicht geschrumpft ist, nahm der Konzernumsatz um 2.7% auf rekordhohe USD 59.8 Mrd. zu. Das operative Ergebnis (Stufe normalisiertes Ebitda) konnte der Branchenriese sogar um 8.2% auf knapp USD 21 Mrd. steigern. Besonders profitabel sind die Geschäfte in der Heimat von Corona. 2024 hat AB InBev in der Region Mittelamerika, sie steuert 38% zum Konzernergebnis bei, eine Ebitda-Marge von 49.2% eingefahren. Für das Gesamtunternehmen betrug die Kennziffer 35.1%.

Auch der Start in das laufende Jahr ist geglückt. Obwohl die mehr als 170 Brauereien in Summe wieder weniger Bier ausgeliefert haben, lag der Betriebsgewinn im 1. Quartal 2025 um 7.9% über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Analysten hatten im Schnitt nur mit einer Steigerung von 3.1% gerechnet. «Die konsequente Umsetzung unserer Strategie durch unsere Teams und Partner ermöglichte einen soliden Jahresauftakt und bestärkt uns in unserer Zuversicht, unsere Prognose für 2025 zu erreichen», kommentierte CEO Michel Doukeris den Zwischenbericht. Er peilt für die Gesamtperiode unter anderem ein organisches Ebitda-Wachstum von 4% bis 8% an.

Überraschung möglich

Diesen Ausblick dürfte der Brasilianer bestätigen, wenn er am 31. Juli die Zahlen für das 2. Quartal 2025 präsentiert. Analysten rechnen für die abgelaufene Dreimonatsperiode im Schnitt mit einem organischen Umsatzwachstum von 3.6%. Beim operativen Ergebnis geht der Konsens von einer Steigerung um 5.9% aus. Dadurch würde die Ebitda-Marge um 70 Basispunkte auf 35.3% steigen. Richard Withagen, Analyst bei Kepler Cheuvreux, erachtet fortgesetzte Marktanteilsgewinne in den USA, eine solide Performance in Lateinamerika sowie den anhaltenden Gegenwind aus Asien, angesichts der Schwäche in China, als zentrale Punkte der anstehenden Berichterstattung. Ausserdem traut er AB InBev in Europa eine über dem Gesamtmarkt liegende Volumenentwicklung zu. Mit einem neuen Aktienrückkaufprogramm könnte der Konzern aus Belgien für eine positive Überraschung sorgen. Vor wenigen Tagen hat AB InBev den im vergangenen Herbst angekündigten, eigentlich auf 12 Monate ausgelegten Rückkauf im Volumen von USD 2 Mrd. abgeschlossen.

Anlagelösung

Kepler Cheuvreux hat die Kaufempfehlung für den EURO STOXX 50-Titel bestätigt und gleichzeitig das Kursziel um EUR 3 auf EUR 67 erhöht. Im selben Ausmass schraubte wenige Tage später Morgan Stanley die Zielmarke nach oben – die US-Bank taxiert den fairen Wert der Aktie neuerdings auf EUR 72. Aus technischer Sicht trennt AB InBev ein massiver Widerstand von beiden Kurszielen. Im Bereich von EUR 62 verläuft eine horizontale Hürde, an welcher der Konsumwert gerade abgeprallt ist. Jetzt geht es für AB InBev zunächst darum, den Anfang Jahr lancierten Aufwärtstrend zu halten. Als Unterstützung könnte sich hier die im Bereich von EUR 58 verlaufende 100-Tage-Linie entpuppen. Mit dem Mini-Future (ISIN BE0974293251) können sich Trader im Vorfeld der Zahlenpublikation auf der Long-Seite positionieren. Das von der UBS auf der OTC-Plattform Swiss DOTS gehandelt Produkt partizipiert mit einem Hebel von aktuell 6.9 an steigenden Kursen bei AB InBev. Achtung: Sollte der Basiswert nach unten drehen, droht ein Kater – egal, ob Produktinhaber zu den Freunden von Corona zählen oder das traditionsreiche Lager ablehnen.  

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