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Amazon: Jede Menge Gesprächsbedarf

29.10.2025 4 Min.
  • Wolfgang Hagl
    Redaktor

Der Internetgigant hinkt der haussierenden Wall Street 2025 bis dato hinterher. Mit der morgigen Zahlenvorlage könnte Amazon die Initialzündung für eine Aufholjagd liefern.

«Crunchtime» an der Wall Street: Ab heute Abend geht es am US-Aktienmarkt in die Vollen. Zunächst legt das Fed seinen Zinsentscheid vor. Während hier die zweite Senkung des Jahres als ausgemachte Sache gilt, könnte die anstehende Fülle an Unternehmensberichten für den einen anderen Paukenschlag sorgen. Bis morgen legen fünf der zu Gruppe der «Magnificant 7» zählenden Gesellschaften ihre Zahlen vor. Obendrein fiebert die Wall Street dem Treffen von Präsident Donald Trump mit Chinas Machthaber Xi Jinping, samt einer möglichen Einigung im Handelsstreit, entgegen. Am morgigen Donnerstag kommen die beiden Spitzenpolitiker in Südkorea zusammen.

Was die «Earnings Season» anbelangt, dürfte Amazon besonders viel Aufmerksamkeit erhalten. Der Internetgigant gewährt am Donnerstag nach dem US-Börsenschluss Einblick in den jüngsten Geschäftsverlauf. Für Schlagzeilen sorgte das Unternehmen bereits gestern, als Amazon den Abbau von 14’000 Stellen in der Verwaltung ankündigte. Beim morgigen Call mit CEO Andy Jassy dürfte dieser Schritt und das daraus resultierende Einsparpotenzial ein Thema sein. Bohrende Fragen könnten auf den Top-Manager auch im Zusammenhang mit der jüngsten Panne bei Amazon Web Services (AWS) zukommen. Die Störung in der Cloud-Sparte legte weite Teil des Internets lahm. Mindestens 4’000 Unternehmen sollen betroffen gewesen sein, darunter Videoportale, Gaming-Apps, Messenger-Dienste und Zahlungsabwickler.

Pikierte Wall Street

Die Probleme treffen Amazon zu einer Zeit, während der AMS gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen zu geraten droht. Im 2. Quartal 2025 verbuchten Microsoft und Google in der Datenwolke ein stärkeres Wachstum, als der globale Platzhirsch. Konkurrenz- und Kostendruck, AWS investiert vor allem in KI-Rechenzentren, liessen zudem die Marge der Sparte schrumpfen. Die Wall Street reagierte pikiert, nach der Zahlenvorlage von Ende Juli brach die Amazon-Aktie innert zwei Tagen um knapp ein Zehntel ein.

Für das 3. Quartal erwarten Analysten im Schnitt bei AWS ein Umsatzwachstum von 18%. Damit hätte die Sparte ihre Gangart gegenüber dem Zeitraum April bis Juni 2025 um einen halben Prozentpunkt erhöht. Für den weiterhin vom Internethandel dominierten Gesamtkonzern indiziert der Konsens für das Berichtsquartal eine Steigerung der Erlöse um 12% auf USD 178 Mrd. Das operative Ergebnis soll um 13.2% auf knapp USD 20 Mrd. angeschwollen sein.

Klarer Rating-Konsens

J.P. Morgan traut es Amazon zu, die kollektiven Erwartungen zu übertreffen. Die US-Grossbank bezeichnet den Large Cap als «Top Idea» aus dem US-Internetsektor. Ihre Analysten gehen davon aus, dass Amazon auf dem Gebiet der KI Boden gut machen kann und dadurch das Wachstum von AWS noch mehr in die Gänge kommt. Ausserdem würde sich der Konsum in einem von steigenden Preisen und Zöllen dominierten Zeit besser als erwartet entwickeln. Konsequenterweise stuft J.P. Morgan Amazon mit «Overweight» ein und taxiert das Kursziel auf USD 265. Diese Prognose entspricht dem Durchschnitt des von 71 Researchhäusern ausgegebenen Zielwertes. Skeptische Stimmen gibt es praktisch nicht – mit einer Ausnahme heben sämtliche Analysten den Daumen.

Anlagelösung

Obwohl ein derart einseitiges Meinungsbild eigentlich zur Vorsicht mahnt, ist es im aktuellen Börsenumfeld wenig ratsam, sich gegen den Konsens zu stellen. Vielmehr könnte der morgige Zahlentermin die Initialzündung für eine Aufholjagd liefern. Im bisherigen Jahresverlauf hängt Amazon dem breiten Markt mit einem Kursplus von 4.5% weit hinterher. Trader können sich mit dem Mini-Future Long mit der ISIN CH1395043032 in das Lager der Bullen gesellen. Das von der Société Générale auf Swiss DOTS gehandelte Produkt greift steigende Kurse bei Amazon mit einem Hebel von knapp 6 ab.

Während hier herbe Verluste drohen, falls das Unternehmen enttäuscht, kommt der Barrier Reverse Convertible mit dem Symbol KZHDDU bis zu einem gewissen Grad mit fallenden Notierungen zurecht. Entscheidend ist, dass Amazon bis Anfang Dezember 2026 nicht auf oder die Barriere von USD 141.80 fällt. Geht dieses Kalkül auf, dann wirft das UBS-Produkt eine Seitwärtsrendite von 10.1% p.a. ab.

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