Zurück
payoff Trading Desk

Beyond Meat: NASDAQ-Debütant, heiss wie Frittierfett

10.07.2019 4 Min.
  • Wolfgang Hagl

Seit dem IPO im Mai erlebt der Hersteller von veganen Fleischersatzprodukten einen sagenhaften Höhenflug. Angesichts der enormen Bewertung von Beyond Meat sollten Anleger den Burger-Spezialisten mit Vorsicht geniessen. 

 

Eigentlich haben Coop und die NASDAQ nicht viel gemein. Doch momentan lässt sich in den Regalen des heimischen Detailhändlers ein Produkt in Augenschein nehmen, welches den Investoren an der US-Technologiebörse sprichwörtlich den Mund wässrig macht. Als erster Supermarkt der Schweiz nahm Coop Mitte April den Beyond Burger in das Sortiment auf. Dabei handelt es sich um rein pflanzliche Paddies. Anstatt Fleisch beissen die Konsumenten auf Erbsenproteine. «Dazu liefern Randen den fleischig roten Farbton und Kokosnussöl sowie Kartoffelstärke sorgen für den saftigen Biss und die gluschtige Konsistenz», erklärt Coop in einer Medienmitteilung.

Mit der Begeisterung für die Fleischalternative ist der Händler nicht allein. Anfang Mai debütierte der Erfinder der innovativen Rezeptur, Beyond Meat, an der NASDAQ. Das Unternehmen aus Kalifornien rief damals einen IPO-Preis von USD 25 je Aktie auf. Mitte Juni notierte der Neuling bei gut dem Achtfachen dieses Betrages. Zwar konnte Beyond Meat das Top von USD 201.78 nicht halten. Gleichwohl steht für Anleger, die bei der Emission zum Zug gekommen und dabei geblieben sind noch immer über ein Plus von sage und schreibe rund 450% zu Buche. Freuen können sich auch einige prominente Investoren. Beispielsweise haben Microsoft-Mitgründer Bill Gates oder Hollywood-Star Leonardo DiCaprio Kapital in das Start-up investiert. 

Offenbar ist das Duo von der Mission der Kalifornier überzeugt. Beyond Meat verspricht einen besseren Weg zur Ernährung der Welt. Durch die Produktion von Fleisch und Wurst auf Pflanzenbasis sollen drängende Fragen wie Gesundheit, Klimawandel, Rohstoffknappheit und Tierwohl gelöst werden. Das Geschäft brummt: Für das erste Quartal 2019 meldete der Börsenneuling ein Umsatzwachstum von 215% auf USD 40.2 Mio. Typisch für ein Wachstumsunternehmen schreibt Beyond Meat rote Zahlen: Von Januar bis März 2019 dehnte sich der Nettoverlust um USD 0.9 Mio. auf USD 6.6 Mio. aus. Immerhin möchtet CEO Ethan Brown beim operativen Ergebnis (Stufe angepasstes Ebitda) im Gesamtjahr den Break-even erreichen. Ausserdem prognostiziert er für 2019 einen Umsatz von mehr als USD 210 Mio. Behält der Top-Manager Recht, würde Beyond Meat um mehr als 140% wachsen.

Der NASDAQ-Neuling scheint in der Tat gut positioniert zu sein, um von den sich weltweit veränderten Ernährungsgewohnheiten zu profitieren. Allerdings hat Beyond Meat eine entsprechend üppige Bewertung angesetzt: Die Credit Suisse traut es dem Unternehmen zu, 2021 beim Umsatz die Marke von USD 500 Mio. zu überspringen. Mit USD 9.4 Mrd. bewegt sich der Börsenwert schon jetzt bei mehr als dem 18-fachen dieser optimistischen Schätzung. Insofern überrascht es nicht, dass nicht nur Credit Suisse den Highflyer mit «Neutral» einstuft. Aktuell erhält Beyond Meat von keinem Broker eine Kaufempfehlung. Vielmehr setzt die Wall Street im grossen Stil auf eine Korrektur. Laut Bloomberg beläuft sich das Short-Interest von Beyond Meat auf annähernd die Hälfte des Streubesitzes. 

Anlagekonklusion:

Mit Hebelpapieren der Bank Vontobel können sich heimische Trader zum Lager der Bären gesellen – oder darauf setzen, dass der Burger-Hype weitergeht. Beispielsweise handelt die Emittentin seit gestern den Put-Warrant WBYAPV auf Beyond Meat. Das kurz vor Weihnachten fällige Papier notiert knapp aus dem Geld. Mit Renditeoptimierungsprodukten hat Leonteq auf das spektakuläre IPO reagiert. Unter anderem führt die Zürcher Finanzboutique den Callable Barrier Reverse Convertible JUKLTQ im Angebot. Per Dezember 2020 stellt das Derivat eine Rendite von 17.80% p.a. in Aussicht. Voraussetzung: Beyond Meat fällt bis dahin nicht auf oder unter die Barriere von USD 67.94.

Weitere News aus der Rubrik

Unsere Rubriken