Trading Desk
Donald vs. Dollar: Rote Linien rücken näher
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Martin Raab
Investment-Stratege
Marionetten in Notenbanken kennen wir bisher nur aus Bananenrepubliken. Das soll künftig auch so bleiben — sonst wird es kritisch.
Es war einmal ein grosses Land, das «In God We Trust» auf seine Banknoten druckte und lange Zeit mit grossem Vertrauen der übrigen Welt in die seine eigene Währung gut lebte. Das änderte sich ein Stück, seit der Staatspräsident damit begann, die Unabhängigkeit der Notenbank im Tagesrhythmus in Frage zu stellen. Die Kompetenz als selbsternannter Wirtschafts-Guru und passionierter Fed-Basher gibt sich Präsident Trump selbst dazu.
Ohne Frage sind die Zinsen im US-Dollar alles andere als tief, doch die Entscheidungshoheit liegt beim gesamten Notenbankgremium. That’s it. Jerome Powell, seines Zeichens Präsident des US-Notenbankgremiums, gilt unterdessen schon jetzt als Superstar: Keiner hat jemals mit seiner rigiden Zinspolitik so lange gegen tägliche Angriffe durchgehalten. Und, keiner bekam beim jährlichen Notenbanker-Treffen in Portugal spontan Standing Ovations. Beklatscht wird parallel der US-Dollar immer noch als globale Reservewährung — das Gottvertrauen der Investoren ist bisher noch unerschütterlich.
Problematisch wird es nun aber für das Unabhängigkeits-Prinzip von Notenbanken in «First World Countries». Wenn Investoren weltweit den Eindruck gewinnen, dass die grösste Volkswirtschaft der Welt ihre vielbeachtete Geldpolitik künftig per Tageslaune, Tweet oder Golfturnier entscheidet, wird das Vertrauen in den Dollar zur Frage des Humors – und nicht der Stabilität. Daran hat weder eine Regierung noch die Anlegerschaft ernsthaftes Interesse. Und, möchte Präsident Trump wirklich dem Dollar seine Krone als globale Nummer Eins der Währungen entreissen? Nun ja, der Dollar ist wie ein alter, mürrischer Sheriff in einem Westernfilm: Er hinkt, er schiesst manchmal daneben – aber am Ende traut sich trotzdem keiner, ihn zu ersetzen. Doch wenn der Sheriff beginnt, auf sein eigenes Pferd zu schiessen (und es dabei «Jerome» nennt), dann wird selbst das milliardenschwere Saloon-Publikum zu nervös. Die «Red Line» wäre dann überschritten.