Trading Desk
EUR/USD: Die Ferien sind vorbei!
-
Wolfgang Hagl
Redaktor
Das Notenbanktreffen in Jackson Hole könnte beim wichtigsten Währungspaar der Welt für einen frischen Impuls sorgen – der kurzfristige Trend spricht für den Dollar.
So wie es aussieht, sind die Ferien für Christine Lagarde gelaufen. Jedenfalls ist der Terminkalender der EZB-Präsidentin gut gefüllt. Heute Vormittag ist sie in Genf. Die Französin spricht am International Business Council des Weltwirtschaftsforums. Möglicherweise geht es von dort aus direkt über den grossen Teich. Ab morgen nimmt Lagarde am Fed-Symposium in Jackson Hole teil. Bis zum Samstag kommen in dem malerischen Ressort inmitten der Rocky Mountains Notenbanker, Ökonomen und Medienvertreter zusammen. Die EZB-Chefin diskutiert am finalen Tag bei einem Panel das Thema «The policy implications of labour market transition». Das Highlight dieses Anlasses ist aber der Vortrag von Jerome Powell – der Chef der US-Notenbank tritt am Freitag, 18:00 Uhr unserer Zeit, an das Rednerpult.
Powell unter Druck
Das Fed kündigt auf seiner Internetseite ein Referat zum Thema «Economic Outlook and Framework Review» an. Die Zuhörer im Konferenzhotel sowie alle, die via Livestream dabei sind werden penibel darauf achten, ob und inwiefern sich der oberste Währungshüter der USA zur geldpolitischen Ausrichtung äussert. Zuletzt haben sich die Erwartungen deutlich verschoben. Es gilt mittlerweile als ausgemachte Sache, dass die US-Notenbank nach der Sommerpause ihre abwartende Haltung ablegt. Laut dem CME FedWatch Tool indizieren die Geldmärkte eine Wahrscheinlichkeit von knapp 85% für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf die neue Spanne von 4.00% bis 4.25%. Nicolas Peter, Head of Banking & Investments bei der Vermögensverwalter-Plattform Aquila, stimmt dem Konsens zu. «Ich glaube, man wird die Zinssenkung machen, um die Gemüter ein wenig zu beruhigen», sagt der Investmentprofi im aktuellen payoff-Podcast «Börsengipfel». Er spielt damit auf den politischen Druck an, der seit Monaten auf Jerome Powell lastet. US-Präsident Donald Trump schreit laut nach einer Lockerung der Geldpolitik.
US-Teuerung bleibt hoch
«Ich gehe davon aus, man wird die Zinssenkung damit begründen, dass sich der Arbeitsmarkt abschwächt», erklärt Peter. In der Tat hat der Jobmotor in den Staaten die Drehzahl deutlich gedrosselt. Im Juli wurden ausserhalb der Landwirtschaft lediglich 73’000 Stellen aufgebaut. Ökonomen waren von 110’000 neuen Arbeitsplätzen ausgegangen. Derweil bleibt der Inflationsdruck bestehen. Zuletzt lag die Teuerung mit 2.7% deutlich über dem vom Fed angepeilten 2%-Niveau. Der Aquila-Manager verweist zudem auf die Produzentenpreise, welche im Juli sogar um 3.3% gestiegen sind. «Diese Daten zeigen nun erstmals, dass die Zölle Effekte auf das Preisniveau haben», meint Nicolas Peter. Insofern könnte die Zinssenkung in den USA aus fundamentaler Sicht durchaus noch nach hinten geschoben werden.
Ein spekulatives Szenario
In jedem Fall dürften die kommenden Tage das Ende einer kurzen Sommerpause beim wichtigsten Währungspaar der Welt einläuten. Seit Anfang August tritt der Euro in Relation zum US-Dollar auf der Stelle. Dabei ist das FX-Gespann mehrmals daran gescheitert, den Widerstand im Bereich von USD 1.17 zu überwinden. Auf diese Weise blieb der seit Anfang Juli bestehende Abwärtstrend voll intakt. Die Charttechnik spricht also für einen fallenden Euro-Kurs. Jerome Powell könnte dieses Szenario fundamental untermauern, sofern er seiner Linie der vergangenen Monate treu bleibt. Trotz aller Tiraden aus dem Weissen Haus wollte der Fed-Chef die Folgen der Handelspolitik für Inflation und Konjunktur abwarten. Angesichts des mehr denn je vorliegenden Preisdrucks ist es durchaus vorstellbar, dass Powell bei dieser Haltung bleibt und das Szenario einer September-Zinssenkung ins Wanken bringt. In diesem Fall könnte es an der Wall Street ungemütlich werden und der Dollar Fahrt aufnehmen.
Natürlich hat auch Christine Lagarde ein Wörtchen mitzureden. Die EZB kommt am 10. September zu ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause zusammen. Sollte die Präsidentin – in Genf oder Jackson Hole – ein skeptisches Bild der Konjunktur im Euroraum zeichnen, könnte sie damit das bearishe Euro-Szenario verstärken.
Anlagelösung
Für den Fall, dass EUR/USD den kurzfristigen Abwärtstrend tatsächlich fortsetzt, wäre der Short Mini-Future SMOB8U ein probates Tradingwerkzeug. Das UBS-Produkt münzt fallende Kurse beim Duo EUR/USD mit einem Hebel von aktuell 9.7 in Gewinn um. Zwar befindet sich der Stop Loss mit USD 1.2726 knapp ein Zehntel über der aktuellen Notierung des Basiswertes. Dieser Abstand darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass überproportionale Verluste drohen, sobald der Euro nach oben läuft.
