Trading Desk
Idorsia: Struktureller Neustart
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Christian Ingerl
Redaktor
Für die heimische Biotech-Schmiede beginnt ein neues Kapitel. Dank einer nachlassenden Schuldenproblematik, einer ausreichenden Finanzierung sowie positiven klinischen Daten entwickelt sich der einstige Sanierungsfall zu einer Turnaround-Story.
Der Arzneimittelhersteller Idorsia hat mit seinem Bluthochdruck-Medikament Aprocitentan einen weiteren Erfolg erzielt, und dieser kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Geschichte des Unternehmens grundlegend wandelt. Eine neue Analyse zeigt, dass bei nierenkranken Patienten der Wirkstoff nicht nur den Blutdruck senkt, sondern auch die Proteinurie, also die Eiweissausscheidung im Urin, ohne die Nierenfunktion zusätzlich zu belasten. Die Daten aus der Phase-3-Studie sind ein starkes Signal, welches das Comeback von Idorsia untermauert.
Aussichtsreiche Transformation
Bereits seit Wochen ist die Schweizer Biotech-Firma wieder verstärkt auf der Börsenbühne zu sehen. Nicht ohne Grund, Idorsia befindet sich in einer neuen Ausgangslage. Was den Mid Cap jahrelang belastet hat, eine massive Schuldenwand und permanente Refinanzierungsängste, ist in diesem Jahr weitgehend aus der Gleichung verschwunden. Das Management hat die Kapitalstruktur neu aufgesetzt und definiert damit auch die Aktienstory neu.
Kern der Transformation ist die Auslagerung der beiden grossen Wandelanleihen in eine neu geschaffene Zweckgesellschaft. In dieser Einheit gebündelt sind drei zentrale Spätphasen-Assets: Tryvio, selatogrel und cenerimod. Rückzahlungen daraus erfolgen ausschliesslich aus künftigen Zahlungen, Meilensteinen und Lizenzgebühren der drei Programme, ohne Rückgriff auf das operative Geschäft von Idorsia. Damit ist das Refinanzierungsproblem, welche die Aktie über Jahre dominiert hat, faktisch beseitigt. Das operative Geschäft ist von Altlasten befreit und das Unternehmen kann sich auf die Kommerzialisierung und Umsetzung konzentrieren. Positiv kommt hinzu, dass sobald die Zweckgesellschaft vollständig zurückgezahlt ist, fallen alle wirtschaftlichen Rechte an den ausgelagerten Assets wieder an Idorsia zurück – ein langfristiger Wert, der aktuell kaum Beachtung findet. Flankiert wurde die Restrukturierung durch eine neue Finanzierungslinie und eine Kapitalerhöhung im Herbst. Damit ist die Gesellschaft bis 2028 durchfinanziert und folglich über den erwarteten Break-even hinaus. Idorsia beendet das aktuelle Jahr also als fundamental anderes Unternehmen: schlanker und finanziell robuster.
Profitabilität im Blick
Auf der operativen Seite ist Quviviq das Rückgrat von Idorsia. Nach anfänglichem Zögern zeigt das Schlafmittel inzwischen eine nachhaltige Wachstumsdynamik, insbesondere in Europa. China kommt nun als Hebel dazu: Über die Partnerschaft mit Simcere erschliesst Idorsia einen riesigen Markt, ohne selbst dabei tief in die Tasche greifen zu müssen. In den USA bleibt das Geschäft zwar verhalten, ist aber zumindest stabil. Rückenwind könnte dann hinzukommen, wenn in Übersee die Wirkstoffklasse der DORA-Medikamente dereguliert werden sollte. Dieses Szenario dürfte in der Aktie bis dato nicht eingepreist sein. Mit der erwarteten kommerziellen Profitabilität ab 2026 bildet Quviviq das Fundament für schwarze Zahlen im Jahr 2027 auf Konzernbasis.
Im Fokus steht aber auch Tryvio. Als bislang einzig zugelasse Therapie speziell für resistente Hypertonie adressiert das Medikament einen grossen Markt. Eine Partnerschaft für Tryvio könnte nicht nur die Entschuldung der Zweckgesellschaft beschleunigen, sondern das Unternehmen in neue Sphären katapultieren. Das Umsatzpotenzial in den USA und Europa wird auf rund CHF 3 Mrd. geschätzt. Idorsia hat aber auch seine Kostenbasis angepasst. So liegen die Ausgaben in diesem Jahr fast drei Mal niedriger als noch 2022.
Anlagelösungen
Idorsia ist aktuell nicht mehr die Wette auf die nächste Refinanzierung, sondern eine klassische Biotech-Aktie mit klaren Katalysatoren: einem starken Produkt, Medikamentenerfolgen sowie einer Finanzierung, die Zeit verschafft. Nach Jahren des Gegenwinds könnte also nun Rückenwind wieder das Thema werden. Wer dieses Szenario spielen möchte, kann zur Einzelaktie greifen, die mit einer Volatilität von mehr als 60% in diesem Jahr genug spekulativen Charakter besitzt.
Für den Fall, dass sich der Titel eine Verschnaufpause gönnen sollte, wäre der Barrier Reverse Convertible RIDABV von der Bank Vontobel eine passende Lösung. Das Produkt stellt eine Seitwärtsrendite von 7.2% p.a. bei einem beruhigenden Puffer von 63% in Aussicht. Die Laufzeit bei dem BRC endet im Juli 2026.

