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Kupfer: Vitalzeichen bei «Dr. Copper»

27.03.2024 4 Min.
  • Wolfgang Hagl
    Redaktor

Das wichtigste Industriemetall kommt nur schwer in die Gänge. Dabei deutet einiges darauf hin, dass Kupfer ein knappes Gut bleibt.

Das 1. Quartal 2024 war an den Kapitalmärkten von diversen Hoffnungen getrieben. Investoren setzten darauf, dass die Inflation nachlässt, die Notenbanken bald die Zinswende einläuten, die US-Wirtschaft eine sanfte Landung hinlegt, China in die Gänge kommt und zu guter Letzt der Megatrend Künstliche Intelligenz (KI) die Gewinne der beteiligten Unternehmen kräftig anschiebt. Dieses bunte Szenario hat den globalen Aktienmärkten einen starken Jahresauftakt beschwert. Momentan notiert der MSCI World Index gut 7% über dem 2023er-Ultimo. Dagegen kommt ein Rohstoff, der eng mit den aufgezählten Parametern verknüpft ist, nur schwer in die Gänge. Kupfer verteuerte sich im ersten Quartal um lediglich 3%.

Ein spezielles Metall

Das wichtigste Industriemetall gilt aufgrund seiner vielfältigen Einsatzfelder seit jeher als wichtiger Indikator für die Verfassung der Weltwirtschaft. In diesem Zusammenhang wird der Rohstoff auch als «Dr. Copper» bezeichnet. Unabdingbar ist Kupfer für Megatrends wie erneuerbare Energie, E-Mobilität oder Digitalisierung – Kabel, Transformatoren, Stecker, Schalter und sogar Halbleiter enthalten Kupfer. Warum kommt der Preis dennoch nur schwer in die Gänge? Einerseits hängt die Notierung besonderes stark von der Lage in China ab. Das Reich der Mitte ist bei der Kupferschmelze und -raffination führend. Gleichzeitig wird nirgends soviel von dem Metall verbraucht, wie in China. Bekanntlich kommt die Wirtschaft im grössten Schwellenland nur schwer in die Gänge.

Und doch verpassten Nachrichten aus China dem Kupferpreis zuletzt einen kleinen Schub. Mitte März haben sich führende Kupferschmelzen des Landes in Peking mit Vertretern der Regierung getroffen. Dabei wurde die jüngste Entwicklung am Markt für Kupferkonzentrate diskutiert. Aufgrund der allgemeinen Knappheit waren die Gebühren, welche die Schmelzen für die Verarbeitung erhalten, dramatisch eingebrochen. Zwar wurde bei dem Treffen keine koordinierte Produktionskürzung beschlossen. Allerdings einigten sich die Teilnehmer unter anderem darauf, die Wartung ihrer Kupferhütten vorzuziehen oder zu verlängern sowie die Kommissionierung und den Anlauf neuer Schmelzprojekte zu verschieben.

China greift zu

J.P. Morgan sieht in dieser Entwicklung das Szenario eines sich verknappenden Kupferangebots bestätigt. Die Analysten der US-Bank verweisen ausserdem darauf, dass tiefe Schmelzgebühren in der Vergangenheit zu einer scharfen Korrektur der chinesischen Produktion von Kupferkathoden gesorgt haben. Diese Entwicklung wiederum sei mitunter von stark steigenden Preisen für raffiniertes Kupfer begleitet worden. J.P. Morgan versäumt aber nicht, darauf hinzuweisen, dass hier auch die Nachfrage eine wichtige Rolle spielt. Diesbezüglich hat die International Copper Study Group (ICSG) gerade interessante Zahlen vorgelegt. Demnach ist der weltweite Verbrauch von Kupfer im Januar 2024 um 6% gestiegen. Für diese Zunahme ist China alleinverantwortlich – im Rest der Welt nahm die Nachfrage ab.

Insgesamt war im Januar ausreichend Kupfer vorhanden. Laut der ICSG übertraf das Angebot die Nachfrage um 84’000 Tonnen. Bis dato geht die Branchenorganisation davon aus, dass der Markt im gesamten Jahr 2024 überversorgt sein wird. Behält sie Recht, würde die Welt zum ersten Mal seit dem Krisenjahr 2009 einen Kupferüberschuss erleben. Nicht wenige Experten hegen Zweifel an der im Herbst vorgelegten ICSG-Prognose. Beispielsweise rechnet Goldman Sachs für 2024 mit einer eklatanten Unterversorgung von mehr als 400’000 Tonnen. Schon Anfang Jahr setzten die Analysten daher ihr 12-Monats-Kursziel auf USD 10’000 je Tonne. Auch J.P. Morgan ist schon seit längerem bullish für das Industriemetall. Einen Vorstoss in den fünfstelligen Kursbereich erwarten die Experten für das zweite Quartal 2025.

Anlagelösungen

Die genannten Kursziele gelten für die Kupfer-Notierung an der Londoner LME (siehe Chart). Dagegen nutzt BNP Paribas den nächstfälligen Future der US-Metallbörse Comex als Basiswert für ihre Hebelprodukte. Im Sommer 2020 hat die französische Emittentin auf Swiss DOTS einen Mini-Future Long (Valor 55962727) auf das Industriemetall eingeführt. Aktuell beträgt der Hebel 5.7. Mit USD 3.38 liegt der Stop Loss knapp 16% unter dem Rohstoffpreis. Trader können mit diesem Produkt darauf spekulieren, dass die ICSG ihre Prognose in Richtung eines knapperen Kupfermarktes überarbeitet. Ende April legt die Organisation ein Update für den viel beachteten Marktausblick vor.

Eine «Buy and Hold»-Alternative zur Trading-Positionierung bietet eine Neuemission der Bank Vontobel. Vor knapp zwei Wochen fiel der Startschuss für den SIX-Handel des Tracker-Zertifikats ZCOPCV. Dieses Produkt bildet den «Coppers Miners Basket» ab. In dem Korb sind 13 Kupferproduzenten enthalten. Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore zählt dazu genauso, wie die beiden Branchenriesen Freeport-McMoRan und Rio Tinto. Kupferhersteller aus China runden das Basket ab. Der Start ist geglückt: Gegenüber der Emission hat sich der Tracker um 8% verteuert.

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