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payoff Trading Desk

Lonza: Im Wechselbad der Gefühle

26.01.2017 4 Min.
  • Martin Raab

Der Pharmazulieferer hat ordentliche Zahlen für 2016 vorgelegt. Beim Ausblick sowie einem wichtigen Detail der geplanten Megaübernahme bleibt Lonza aber vorerst wage.

Das Schlagwort «Verwässerung» führt bei Aktienanlegern für gewöhnlich zu einem Ziehen in der Magengegend. Von diesem Begriff ist die Rede, sobald ein Unternehmen zur Geldbeschaffung neue Anteilsscheine ausgibt – was in der Regel die Beteiligung bestehender Aktionäre schmälert. Insofern überrascht der am 15. Dezember bei Lonza zu beobachtende Kurseinbruch nicht. An diesem Tag gab der Pharmazulieferer die Übernahme von Capsugel für USD 5.5 Mrd. bekannt. Neben Eigenmitteln möchte das Management bei der Finanzierung des Deals auf eine bis zu CHF 3.3 Mrd. schwere Kapitalerhöhung zurückgreifen. Anleger reagierten prompt: Die Lonza-Aktie brach am Tag dieser News um bis zu 7.9% ein.

Kollektiver Sinneswandel

Nur zwei Handelssitzungen später hatte der Mid Cap die Scharte wieder ausgemerzt. Heute notiert die Aktie sogar knapp ein Zehntel über dem Niveau von Mitte Dezember. Die kollektive Beurteilung des Deals hat sich damit schlagartig geändert. Offenbar teilen Investoren jetzt die Einschätzung von Lonza-CEO Richard Ridinger. Er möchte mit Hilfe der Übernahme das Wachstum beschleunigen und zudem der Kundschaft aus der Pharma- und Nahrungsergänzungsmittelbranche ein breiteres Angebot offerieren. «Alles, was wir mit Capsugel bekommen, wollen wir auch wirklich haben», sagte der Top-Manager am 15. Dezember.

An gestrigen Mittwoch meldete sich Ridinger erneut zu Wort und präsentierte die Zahlen für 2016. Im vergangenen Jahr hat Lonza den Umsatz um 8.7% auf CHF 4.13 Mrd. verbessert. Beim Betriebsgewinn (Kern-Ebit) verbuchte der Konzern ein überproportionales Plus von 24% auf CHF 651 Mio. Damit übertraf er die durchschnittlichen Analystenerwartungen. Als Wachstumstreiber entpuppte sich die kleinere Sparte «Pharma & Biotech». Bei einer Umsatzsteigerung von 15.9% dehnte sich das Kern-Ebit hier um 40.8% aus. «Die wiedergewonnene Stärke von Lonza macht uns zuversichtlich, dass wir für den nächsten Zyklus des beschleunigten organischen und anorganischen Wachstums gut gerüstet sind», kommentierte Ridinger das aktuelle Zahlenwerk.

Knacknuss Kapitalerhöhung

Für 2017 stellt er ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich in Aussicht, während das Kern-Ebit zweistellig zulegen soll. Allerdings gilt diese Prognose für den Status-Quo. Je nachdem, wann die Capsugel-Übernahme in trockenen Tüchern ist, erhalten die Märkte mit der Zwischenbilanz für das erste Semester oder im Rahmen der Neunmonatszahlen eine aktualisierte Guidance. Angaben zur geplanten Kapitalerhöhung machte das Unternehmen nicht. Möglicherweise sorgte dieser Umstand bei dem einen oder anderen Investor für neues Unbehagen. Jedenfalls liess die Aufwärtsdynamik in der Lonza-Aktie nach einem starken Handelsauftakt nach. Zwischenzeitlich notierte sie am Mittwoch sogar am Minus. Zwar prallte der Dividendentitel damit einmal mehr am horizontalen Widerstand im Bereich von CHF 188/190 ab. Gleichwohl bleibt die Chance auf einen Ausbruch nach oben intakt, solange Lonza nicht deutlich unter CHF 180 fällt.

 

Unterschiedliche Anlagelösungen

Exakt auf diese Marke hat die ZKB beim Call-Warrant LONALZ den Strike fixiert. Aktuell nimmt das im Juni fällige Derivat mit einem Hebel von 8.3 an steigenden Kursen teil. Es bietet Tradern damit die Möglichkeit, auf einen Angriff des SMIM-Titels in Richtung CHF 200 zu spekulieren. Während die relativ hohe Volatilität des Basiswertes den Warrantpreis treibt, wirkt sich die Kursschwankungsbreite positiv auf Konditionen des Discount-Zertifikats BLONAU aus. Auch bei dem vergleichsweise defensiven Produkt kommt der 180er-Marke eine zentrale Bedeutung zu. Beendet Lonza die Laufzeit auf oder über diesem Kurs, wirft das UBS-Zertifikat Anfang Dezember die Maximalrendite von 7.5% p.a. ab. Andernfalls liefert die Emittentin den Basiswert. Abgesehen von den Nebenkosten drohen in diesem Fall rote Zahlen, sobald Lonza bis zum Verfall den Discount von 9.1% aufbraucht.

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