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ABB schockte die Märkte am Donnerstag mit einem schwachen Quartalsbericht. Nun könnte die Diskussion um eine Aufspaltung des Konzerns neu aufflammen. Für Anleger bieten sich vor diesem Hintergrund mehrere Opportunitäten.

28/10/2016, by Martin Raab

Über Langeweile können sich die Aktionäre von ABB im Jubiläumsjahr des Industriekonzerns wahrlich nicht beklagen. Monatelang begleiteten die Diskussionen um die Zukunft der Netzwerksparte die Feierlichkeiten zum 125. Geburtstag. Kaum war diesbezüglich etwas Ruhe eingekehrt, schockte das Unternehmen die Märkte gestern mit einem schwachen Quartalsbericht. Das Urteil der Börsianer fiel eindeutig aus: ABB verbilligte sich am Donnerstag um 6.6%.

Auftragsflaute hält an

Im 3. Quartal schrumpfte der Auftragseingang gegenüber der Vorjahresperiode um 14% auf rund USD 7.5 Mrd. Beim Umsatz meldeten die Zürcher einen Rückgang von 3% auf USD 8.3 Mrd. Operativ verdiente ABB (auf Stufe EBITA) gut USD 1 Mrd. – 3% weniger als von Juli bis September 2015. «Im 3. Quartal kam alles zusammen», kommentierte CEO Ulrich Spiesshofer das Zahlenwerk. Neben dem schwachen Marktumfeld verwies er auf den Brexit sowie den Wahlkampf in den USA. Dem nicht genug: Angesichts der unsicheren Zukunft der Netzwerktechnik hielten sich die Kunden in diesem Segment in besonderem Masse mit Aufträgen zurück. Bekanntlich hält Spiesshofer – anders als von Grossaktionär Cevian Capital gefordert – an dem Geschäftszweig fest. Am Kapitalmarkttag begründet er diesen Entscheid Anfang Oktober unter anderem mit möglichen Synergien. «Wir sind der einzige Hersteller, der die komplette Technik für den Stromtransfer vom Solarpanel bis zur Steckdose anbietet», sagte der Konzernlenker. Zu diesem Zeitpunkt erhielt er von der Börse noch Applaus: Kurz nach dem Capital Markets Day kletterte die ABB-Aktie auf das höchste Niveau seit Anfang 2014.

Schweden machen Druck

Jetzt steht Spiesshofer erneut unter Druck. Nicht nur Analysten zeigten sich gestern enttäuscht vom jüngsten Geschäftsgang. Auch der Grossaktionär meldete sich zu Wort. «Die Aufgabe, einen Aktienkurs von CHF 35 zu erreichen, ist nach dem Bericht von heute schwieriger geworden», sagte Cevian-Co-Chef Christer Gardell. Ulrich Spiesshofer hatte diesen, von den Schweden im Falle einer Aufspaltung in den Raum gestellten Wert als «in akzeptabler Zeit» erreichbar bezeichnet. Wenig überraschend bringt der mit knapp 6% an ABB beteiligte Investor seine Forderung nun erneut aufs Tableau. «Ich denke, der Verwaltungsrat sollte seine falsche Entscheidung, die komplexe und veraltete Konglomeratsstruktur beizubehalten, nochmals überdenken», machte Gardell deutlich. Fest steht: Auch in den letzten Wochen des Jubiläumsjahres dürfte bei ABB kaum Ruhe einkehren.


Mögliche Szenarien

An der Börse gilt es für den SMI-Titel zunächst, die horizontale Unterstützung im Bereich von CHF 20 zu verteidigen. Sollte dieses Unterfangen gelingen, wäre der Barriere Reverse Convertible KABBCU interessant. Das von der UBS kürzlich emittierte Produkt stellt eine Seitwärtsrendite 11.36% (12.12% p.a.) in Aussicht. Voraussetzung: ABB fällt bis zum 6. Oktober 2017 nicht auf oder unter die Barriere bei CHF 17.50. Daraus errechnet sich aktuell ein Risikopuffer von 14.84%. Interessant ist der heimische Blue Chip auch für die Trader. Cevians prompte Reaktion auf die Quartalszahlen spricht dafür, dass die den Aktienkurse monatelang befeuernde Aufspaltungsfantasie neu aufflammt. Für die Wette auf einen Rebound bietet sich der Mini-Future Long BBTBBP von BNP Paribas an. Wer dagegen damit rechnet, dass ABB weiter Federn lassen muss und unter den skizzierten Support fällt, findet im Short-Pendant BCBBBP ein probates Tradinginstrument.

27/10/2016
27/10/2016