Interviews

Roman Przibylla, Deputy Head Structured Solutions Banks Switzerland bei Vontobel, zum Megatrend Home-Office, dem Potenzial für die Anleger und zu weiteren Trends im Markt.

05/11/2020, by Serge Nussbaumer

Home-Office gilt aktuell als Mega- trend. Was glauben Sie, machte den Erfolg des Home-Office überhaupt erst möglich?
Vor Ausbruch der Corona Pandemie war Arbeiten von zuhause bemerkenswert wenig verbreitet. Zahlen belegen, dass 2019 nur gute 5% der Beschäftigten im Home-Office arbeiteten, 7% gelegentlich und 87% nie. Diese Werte waren auch im Vergleich zu den Vorjahren weitgehend stabil. Während des Lockdowns war die Arbeit von zuhause für viele Firmen und Arbeitnehmer plötzlich keine Alternative mehr, sondern eine Notwendigkeit. Natürlich ist diese Form des Arbeitens nicht in allen Branchen und Berufen möglich, aber der Anstieg war sprunghaft. Während des Lockdowns im März arbeitete Studien zufolge ungefähr jeder vierte Arbeitnehmer vollständig im Home-Office, während die Hälfte teilweise von zuhause arbeitete. Die Kernfrage für die Zeit nach Covid-19 ist, inwiefern der erzwungene Trend Richtung Home-Office sich verfestigen wird. In mancher Hinsicht hat Covid-19 sicherlich als Katalysator für das Home-Office gewirkt. Es hat sich gezeigt, dass Arbeitsprozesse sehr schnell digitalisiert werden können, beziehungsweise auch ohne Anwesenheit im Büro funktionieren. Unter dem Druck der Krise wurden ebenso fast in Echtzeit neue Kommunikationstools eingeführt – Videokonferenzen sind hier sicher das prominenteste Beispiel – und neue digitale Fähigkeiten entwickelt, im Team zu arbeiten. Nicht zuletzt aus diesen Gründen beabsichtigen auch viele Firmen, die Möglichkeiten des Home-Office in Zukunft aus- zubauen. Ich persönlich denke, der Trend zum Home-Office ist gekommen, um zu bleiben.

«Der höhere Bedarf an Artikeln für das Home-Office stärkt das Geschäft des Schweizer Technologieunternehmens massiv.»

Sehen Sie hier also auch Potenzial für Investoren – wenn ja, bei welchen Aktien?
Auf den ersten Blick sind es natürlich wie- der einmal die grossen US-Tech-Firmen, wie Alphabet, Microsoft, Cisco, Dropbox, Dell und Zoom Video Communications, die von diesem Trend profitieren könnten: alles Unternehmen aus den Bereichen Remote Communication, Cloud Technologies, Cybersecurity sowie Collaboration und Application Software. Aber es gibt europäische Firmen wie TeamViewer oder auch Unternehmen aus der Schweiz, die durch den Home-Office-Boom enorme Gewinne verzeichnen konnten. Da spielen Namen wie beispielweise Logitech eine wichtige Rolle. Der höhere Bedarf an Artikeln für das Home-Office stärkt das Geschäft des Schweizer Technologieunternehmens massiv. Im Bereich Videokollaboration verkaufte das Unternehmen beispielsweise 60% mehr als im Jahr zuvor, während es mit PC-Webcams 32% mehr umsetzte. Logitech-CEO Bracken Darrell hat das meiner Meinung nach sehr gut auf den Punkt gebracht, als er sagte, dass Video Conferencing, Telearbeit, Erstellung und Streaming von Inhalten und Gaming lang- fristige Trends sind, die das Geschäft von Logitech weiter vorantreiben werden. Aber nicht nur Logitech, sondern auch Schweizer Unternehmen wie ALSO Holding oder Telcom sollten Investoren im Zuge dieses Trends im Auge haben.

Spannend! Inwiefern sehen Sie neben Logitech auch die ALSO Holding konkret als einen Profiteur dieses Trends?
Wir gehen davon aus, dass der Ausbruch von Covid-19 und mögliche weitere Wellen des Virus die Unternehmen weiter dazu drängen werden, in ihre digitale Transformation zu investieren, um in der Zukunft belastbarer zu sein. Dies wird die Einführung von Cloud-Diensten vorantreiben, bei denen ALSO mit seinem SaaS-Angebot als Nutzniesser gilt. Darüber hinaus wird die Verlagerung zu einem höheren Anteil an Mitarbeitern, die auch zukünftig dauerhaft oder teilweise von zu Hause arbeiten werden, sowie die Tatsache, dass Unternehmen zunehmend ihre Mitarbeiter mit der notwendigen Ausrüstung ausstatten, das «PC-as-a-Service» Angebot von ALSO unterstützen.

«Unser Swiss Equity Re- search hat die wichtigsten ESG-Faktoren integriert.»

Sehen Sie auch eine zunehmende Nachfrage nach diesen Schweizer Titeln im Verlauf des Jahres?
Definitiv. Nicht nur die Tracker-Zertifikate zum Thema Home-Office haben sich einer starken Nachfrage erfreut, sondern auch bei den Anlagemöglichkeiten mit Renditeoptimierung oder mit Partizipation setzen unsere Kunden vermehrt auf die möglichen Profiteure dieses Trends – allen voran zum Beispiel auf Logitech. Mit Blick auf die Konditionen ist das aber auch nicht verwunderlich. Das Unternehmen ist sehr gut aufgestellt, profitiert momentan ungemein vom Home-Office-Trend, weist ESG-Kriterien auf und Investoren könnten mit einem Barrier Reverse Convertible zweistellige Coupons erzielen bei einer Laufzeit von einem Jahr und einer Barriere von 70%.

Neben dem Megatrend Home-Office, welche weiteren Trends sehen Sie im Markt?
Es gibt seit Jahren viele interessante Entwicklungen und Trends speziell im Technologiesektor, die wir unseren Kunden über Tracker-Zertifikate zugänglich gemacht haben. Neben Cyber-Security, 5G und Subscription Economy ist es mit Sicherheit auch das Thema Quantum Computing, was sich den Namen Megatrend verdient.
Der seit einiger Zeit aber am stärksten wachsende Trend ist Nachhaltigkeit und das Thema ESG. Nachhaltigkeitsthemen gewannen in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Das Thema findet nicht nur in der Gesellschaft Gehör, auch bei Anlagethemen stehen nachhaltige Investments zunehmend im Fokus. Investoren sollten dabei darauf achten, dass die Unternehmen gewissen ESG-Kriterien wie Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführung gerecht werden. Entgegen hartnäckiger Meinungen müssen sie dabei keinen Verzicht bei den Renditen hinnehmen. Viele Studien zeigen, dass sich mit ESG- Investing höhere Renditen oder geringere Volatilität erreichen lassen. Unternehmen mit besseren ESG-Standards scheinen niedrigere Kapitalkosten zu haben, einen höheren Shareholder Value zu liefern sowie die Märkte weniger oft zu überraschen – so auch bei Schweizer Unternehmen. Unser Swiss Equity Research hat dafür nun auch vollständig die wichtigsten ESG-Faktoren in den Bewertungsansatz für Schweizer Aktien integriert. Auch hier gehört Logitech neben Givaudan, Nestle und SGS zu den Top-10 Schweizer ESG-Aktien. Kunden haben somit die Möglichkeit beim Megatrend ESG entweder Themen-Investments wie «Aqua» oder «Impact for Good» einzusetzen oder aber eben auch mit klassischen Strukturierten Produkten das Thema Nachhaltigkeit mit attraktiven Coupons auf Schweizer Aktien zu verbinden.

Vielen Dank!

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Roman Przibylla ist Deputy Head Structured Solutions Banks Switzerland bei Vontobel. Er studierte BWL an der Universität zu Köln mit Schwerpunkt Finance und gründete während dieser Zeit die voola GmbH, ein Fintech, welches nach vier Jahren erfolgreich verkauft werden konnte. Die Technologie zur semantischen Suche von Finanzprodukten ist heute u.a. beim Online-Broker flatex sowie der Börse München gettex im Einsatz. Der studierte Diplom-Kaufmann war im Anschluss in unterschiedlichen Positionen im Bereich der Strukturierten Produkte für die HSBC in Düsseldorf sowie die Deutsche Bank und die Commerzbank in Frankfurt tätig und baute dort den digitalen Vertrieb für Zertifikate, Hebelprodukte und ETFs auf. Seit 2019 ist er nun im Dienste von Vontobel in Zürich. Dort ist er seit Mitte des Jahres mitverantwortlich für den Verkauf von Strukturierten Produkten und AMCs an Banken in der Schweiz und Liechtenstein.

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