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Die Spezialchemie-Firma ordnet nicht nur ihr Geschäft neu, auch scheint Clariant eine begehrte Braut zu sein. Zeit, um den Mid Cap näher zu betrachten.

09/04/2020, by Christian Ingerl

Die Coronakrise beherrscht weiterhin die Schlagzeilen. Noch steigen die Fallzahlen, der Höhepunkt scheint nicht erreicht. Einen wichtigen Beitrag zum mittlerweile stark belasteten Gesundheitssystem leistet Clariant. Das Unternehmen hat gestern in einem Werk in Deutschland mit der monatlichen Produktion von 2 Mio. Litern Desinfektionsmittel begonnen.

Als Profiteuer von Covid-19 taugt Clariant trotzdem nicht. Die Aktie stürzte in den vergangenen Wochen mehr als 30% in die Tiefe. Erst auf einer langjährigen Unterstützung im Bereich von CHF 16 fand der Valor Halt. Damit wurden aktuell rund CHF 2.3 Mrd. an Marktkapitalisierung vernichtet. Dies wiederum könnte Konkurrenten auf den Plan rufen. So soll angeblich Lanxess-CEO Matthias Zachert ein Übernahmeangebot für Clariant erwägen. Zugegeben, rein vom Produktportfolio würden die beiden gut zusammenpassen und könnten wahrscheinlich auch einige Synergien heben. Allerdings führt bei einem eventuellen Verkauf kein Weg an Sabic vorbei.

Grossaktionär greift zu

Bei Sabic handelt es sich um einen saudi-arabischen Chemiekonzern, der seine Beteiligung am heimischen Spezialchemiekonzern zuletzt deutlich aufgestockt hat. Seit Anfang März hält der Konzern nun 31.5% an Clariant, bis dahin waren es knapp ein Viertel der Anteile. Folglich ist Sabic der wichtigen Schwelle von einem Drittel, bei der die Saudis ein Übernahmeangebot für Clariant abgeben müssen, sehr nah gekommen.

Damit steht fest: So schnell kehrt keine Ruhe ins Hause Clariant ein. Fusionsbemühungen begleiten das Unternehmen nämlich schon länger. Mitte vergangenen Jahres scheiterte ein geplantes Gemeinschaftsunternehmen mit Sabic, nachdem der damalige Clariant-Chef Ernesto Occhiello einen Tag zuvor zurücktrat. Das Zepter schwingt seitdem VR-Präsident Hariolf Kottmann übergangsweise. Diesem wiederum misslang 2017 der Zusammenschluss von Clariant mit dem US-Konzern Huntsman.

Viel in Bewegung

Für Spannung ist also weiterhin gesorgt. Das gilt auch für das operative Geschäft. Denn der Spezialchemiehersteller musste im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch einstecken. Nun hat sich das Unternehmen mit Sitz in Muttenz zum Ziel gesetzt, sich von weniger wachstums- oder margenstarken Bereichen zu trennen. Bereits im Dezember 2019 wurde das Geschäft mit Additiven und Farben für Kunststoffe für rund USD 1.6 Mrd. an PolyOne veräussert. Marktgerüchten zufolge versucht Clariant derzeit auch das Pigmente-Segment zu verkaufen. Darüber hinaus geht die Suche nach einem Konzernchef weiter.

Anlagelösungen

Wer an eine schnelle Wende oder gar eine Übernahme glaubt, kann eine Long-Strategie mit dem Call-Warrant CLNUJU der UBS umsetzen. Der Hebel beträgt 4.0. Eine attraktive Rendite stellt auch der Barrier Reverse Convertible SAASJB von Julius Bär in Aussicht. Das relativ neue Papier mit einer Laufzeit von knapp einem Jahr wirft einen Ertrag von 4.2% p.a. sicher ab, sollte die Clariant-Aktie die Barriere bei CHF 7.83 nicht touchieren. Der Risikopuffer beträgt damit stolze 55.2%.

 

08/04/2020
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