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Der Deutsche Aktienindex nähert sich dem Anfang 2018 erreichten Allzeithoch an. Neben der lockeren Geldpolitik schieben solide Unternehmensberichte die Benchmark an. Während das Momentum für den DAX spricht, mahnt die Bewertung zur Vorsicht.

08/11/2019, by Wolfgang Hagl

In der jüngeren Vergangenheit ist der DAX etwas in Verruf geraten. Kritiker hegten Zweifel, ob der Index tatsächlich repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ist. Ausserdem bemängelten sie die starke Gewichtung weniger Konzerne. Für Unmut sorgte darüber hinaus die Aufnahme der besonders volatilen Wirecard-Aktie – der Zahlungsdienstleister hatte im Herbst 2018 die Commerzbank als DAX-Mitglied abgelöst. Gedeihen konnte die Kritik wohl nur, weil dem Deutschen Aktienindex die Luft ausgegangen war, nachdem er Anfang 2018 ein Allzeithoch erreicht hatte.

Mehrere Baustellen

Für Bremsspuren sorgte zum einen die Krise in der deutschen Automobilbranche. Der Abgasskandal, schwächelnde Absatzzahlen sowie die Frage nach der zukünftigen Antriebstechnologie machen dieser deutschen Schlüsselindustrie zu schaffen. Gleichzeitig hat sich Bayer mit der Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto einen Klotz ans Bein gehängt – der Deal führte das Indexschwergewicht tief ins Börsenabseits. Ein Übriges taten bei der DAX-Schwäche die Zykliker, allen voran Siemens.

Nicht zuletzt diesen besonders konjunktursensiblen Mitgliedern ist es zu verdanken, dass sich der Deutsche Aktienindex eindrucksvoll zurückgemeldet hat. Rund 8 Wochen vor dem Ultimo zeigt die 2019er-Bilanz für die insgesamt 30 Large Caps ein Plus von mehr als 25%. Damit hat der DAX sowohl gegenüber dem S&P 500 als auch im Vergleich zum SMI die Nase vorne. Im Oktober ist dem deutschen Leitbarometer der Ausbruch über den seit Anfang 2018 gültigen Abwärtstrend geglückt. Damit ist aus charttechnischer Sicht der Weg zum Allzeithoch bei knapp 13’597 Punkten frei.

Siemens sorgt für Highlight

Fundamental profitiert der deutsche Aktienmarkt von der lockeren Geldpolitik, dem verschobenen Brexit sowie der Entspannung im Handelsstreit. Für einen zusätzlichen Schub sorgten die Unternehmen in der laufenden Berichtssaison. Ein Highlight lieferte am gestrigen Donnerstag Siemens: Ähnlich wie ABB hat sich der Industriekonzern in einem schwierigen Umfeld wacker geschlagen. Sowohl beim Umsatz als auch dem Ergebnis übertrafen die Münchner im 4. Quartal der Geschäftsperiode 2018/19 (per 30. September) die Erwartungen. Ausserdem kündigte CEO Joe Kaeser eine Dividendenerhöhung an.

Stichwort Dividende: Die Ausschüttungen stellen weiterhin ein zentrales Argument für den DAX dar. Mit 3.0% übertrifft die Dividendenrendite des Index die Verzinsung der 10-jährigen Bundesanleihe um rund 330 Basispunkte. Zur Vorsicht mahnt dagegen das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Diese viel beachtete Kennzahl (auf Basis 2019) hat sich beim DAX seit Mitte Jahr von 12.4 auf 15.5 erhöht. Hier zeigt, neben den steigenden Kursen, die Abwärtsrevision der Gewinnschätzungen Spuren. Laut Commerzbank ist das erwartete Ergebnis je Aktie (2019) für den Index innert 6 Monaten um rund 8% geschrumpft. Hatten die Märkte vor einem halben Jahr noch ein prozentual zweistelliges Wachstum auf dem Zettel, erwarten sie nun für 2019 einen leichten Gewinnrückgang. Vor diesem Hintergrund und angesichts der gedämpften Aussichten für die chinesische Wirtschaft rechnen die Commerzbank-Experten damit, dass die DAX-Rallye in den kommenden Wochen an Schwung verliert.

Anlagekonklusion:

Auch wenn sich diese bearishen Argumente nur schwer von der Hand weisen lassen. Momentan sieht es stark danach aus, dass der Index zunächst eine neue Bestmarke sehen möchte. Mit dem Mini-Future Long MDACSV ist eine kurzfristige Wette auf den Erfolg der Gipfeljagd möglich. Das Vontobel-Produkt nimmt mit einem Hebel von aktuell 4.7 an Zugewinnen beim DAX teil. Wer dagegen die Skepsis der Commerzbank-Strategen teilt, kann mit der Short-Variante IDABBZ auf einen Rücksetzer beim Deutschen Aktienindex setzen. Bei dem von der ZKB gehandelten Derivat beläuft sich der Hebel auf 6.8.

07/11/2019
07/11/2019