Trading Desk

Der Lockdown hat das Geschäft des global agierenden Online-Lieferservice enorm angeschoben. Neben einer mehr denn je kritischen Coronalage spricht der Expansionsdrang von Delivery Hero für neue Höchststände beim DAX-Neuling.

29/10/2020, by Wolfgang Hagl

Im kommenden Mai jährt sich die Gründung von Delivery Hero das 10. Mal. Zu den damaligen Initiatoren des Online-Essenslieferanten zählte der heutige CEO, Niklas Östberg. Mit seinen Partnern hat der Schwede aus dem Start-up einen internationalen E-Commerce-Konzern aufgebaut. Nur etwas mehr als drei Jahre nach dem IPO zog das Unternehmen im vergangenen August in den DAX ein. Zum Aufstieg in die erste deutsche Börsenliga hatte der Aktie ein enormer Höhenflug verholfen. Im Sommer notierte Delivery Hero erstmals dreistellig. Damit hatte sich der Wachstumstitel gegenüber dem IPO-Preis annähernd vervierfacht.  

Stete Umsatzverdoppelung

Operativ hievte der Corona-Lockdown die Berliner in neue Sphären. Im ersten Semester schnellte die Zahl der Bestellungen um 93% auf 512 Mio. nach oben. Im dritten Quartal hat sich das Wachstum noch einmal beschleunigt. Mit 362 Mio. gingen doppelt so viele Bestellungen auf den Plattformen des Unternehmens ein, wie im Vorjahreszeitraum. Den Umsatz konnte Delivery Hero bereits das siebte Quartal nacheinander in etwa verdoppeln. Bei der Prognose für 2020 wurde Östberg etwas konkreter. Er rechnet nun mit Erlösen zwischen EUR 2.7 und 2.8 Mrd. Zuvor lag das untere Ende der Spanne bei EUR 2.6 Mrd.

«Wir fokussieren uns weiterhin auf den Ausbau unseres Geschäfts durch strategische Investitionen», skizziert der Chef die Marschrichtung. Als Beispiele nennt er den jüngsten Markteintritt in Japan und die Übernahmen der in der Mena-Region (Naher Osten/Nordafrika) aktiven InstaShop sowie der Lateinamerika-Aktivitäten von Glovo. Parallel dazu forciert Delivery Hero das neue Segment Qick Commerce. Aus einem Netzwerk mit so genannten Dmarts liefert der Konzern neben Lebensmitteln auch pharmazeutische Produkte, Blumen oder Elektronikartikel besonders schnell aus. Schon jetzt betreiben die Berliner mehr als 250 solcher Lagerhäuser in 19 Ländern. Bis Ende Jahr sollen rund 150 Dmarts dazukommen.

Breakeven nur in Teilbereichen

Der Expansionsdrang kostet viel Geld. Im ersten Semester dehnte sich der bereinigte operative Verlust (Stufe Ebitda) um knapp 87% auf EUR 319.8 Mio. aus. Hieraus errechnet sich eine Marge von -28.4%. Im Gesamtjahr soll die Kennzahl nicht ganz so negativ ausfallen. Östberg peilt eine Spanne von -14% bis -18% an. Während er auf dem alten Kontinent auf Jahresbasis den Breakeven erreichen möchte, soll die Marge in der bereits profitablen Mena-Region steigen. Dagegen lässt Östberg offen, wann der Konzern als Ganzes profitabel sein wird. «Wir sind später als Amazon und Google gestartet und können deswegen nicht nur organisch wachsen», sagte er anlässlich des DAX-Aufstiegs zu seiner Strategie. Die Gebühren, welche die angeschlossen Küchen und Restaurants zahlen müssen, möchten die Berliner nicht erhöhen. Wobei die Möglichkeiten nach oben hier aufgrund des intensiven Wettbewerbs mit Konkurrenten wie Just Eat Takeaway.com oder Uber ohnehin begrenzt sein dürften.

Anlagekonklusion:

Auf dem Weg zur Profitabilität – Analysten trauen Delivery Hero 2022 ein positives Ebitda zu – schiebt die «Stay-at-Home»-Bewegung den Konzern kräftig an. Angesichts der vielerorts bereits beschlossenen oder geplanten neuen Einschränkungen dürfte sich daran vorerst nichts ändern. Für zusätzliche Fantasie sorgt der Vorstoss in den ultraschnellen und breiter aufgestellten Lieferservice – das Unternehmen ist auf einem guten Weg, sich beim Q-Commerce den «First Mover»-Status zu sichern. Neben den skizzierten Chancen bringt Delivery Hero die für eine Wachstumsaktie typischen Risiken mit. Dazu zählt zum einen der Geldverbrauch, im ersten Halbjahr hat sich der operative Mittelabfluss auf EUR 232 Mio. annähernd verdoppelt. Hinzu kommt die Gefahr, dass Delivery Hero sich bei der weltweiten Expansion verzettelt und dadurch das Potenzial dieses Marktes nicht abgreifen kann. Charttechnisch stellt sich der Aktie bei EUR 104 ein Widerstand in den Weg. Trader könnten mit dem von der Société Générale auf Swiss DOTS sowie an der BX Swiss gehandelten Long Mini-Future CBC065 darauf setzen, dass Delivery Hero diese Hürde im nächsten Anlauf packt. Couponjäger werden bei Leonteq fündig: Der Ende September emittierte Callable Barrier Reverse Convertible NZWLTQ kombiniert eine Renditechance von 12.8% mit einem Risikopuffer von mehr als 50%.

28/10/2020
28/10/2020