Erstklassigkeit mit Auszeichnung

Im elften Jahr bereits prämieren die Swiss Derivative Awards die besten Strukturierten Produkte. Dieses Jahr kamen zwei neue Preiskategorien hinzu, und insgesamt zehn Emittenten gewannen die begehrten Trophäen. Der Spezialpreis geht an einen ganz besonderen Jubilar.

08.04.2016, von Martin Raab

Eine Mischung aus Glamour, Routine und Adrenalin zeichnete den Abend des 7. April im AURA in Zürich aus. Im ehemaligen Börsensaal fand die Preisverleihung der vielbeachteten Swiss Derivative Awards statt. Leistungsschau statt Giesskannenprinzip ist auch dieses Jahr wieder das Motto. Entsprechend intensiv war die Juryarbeit für die diesjährigen Awards: Welche Produkte sind tatsächlich die besten, welche Emittenten leisten nachweislich den besten Service und wo bringt man erstklassiges Market Making zustande? Am Ende hat sich die Recherchemühe gelohnt und zehn Emittenten werden mit Gold belohnt.

 

Neue Kategorien
Die Jurierung der attraktivsten Neuemissionen des Jahres 2015 erfolgte nach gewohntem modus operandi. Das Fachgremium prämierte die Sieger aus fünf definierten Anlagesektoren. Im Einzelnen handelt es sich um die Bereiche Aktien, Rohstoffe, Index, Edelmetalle/Währungen/Zinsen und Alternative. Der Bereich «Bestes Indexprodukt» ist neu und die Kategorie «Edelmetalle/Währungen/Zinsen» wurde fusioniert. Neu ist ebenfalls der «Research-Award». Dort werden herausragende Arbeiten von Studierenden rund um das Thema Strukturierte Produkte mit Geldpreisen belohnt. Die Auswahl der Gewinner in dieser Kategorie erfolgte durch Prof. Dr. Marc Oliver Rieger (Universität Trier) sowie Prof. Dr. Martin Wallmeier (Universität Fribourg). Als vielbeachteter Evergreen wurde je ein Preis für Market Making-Hebelprodukte und -Anlageprodukte vergeben. Wie in früheren Jahren bedachte die Jury eine Institution oder eine derivatspezifische Entwicklung mit einem Spezialpreis. Last but not least verteilten die Experten eine Auszeichnung an Emittenten, die bezüglich Top-Service am besten abgeschnitten haben. Zur Auswahl standen dieses Jahr knapp 70 eingereichte Hebel- und Anlageprodukte von zwölf Emittenten. Die Jury, präsidiert von Professor Dr. Marc Oliver Rieger (siehe Interview), wählte aus drei nominierten Produkten jeweils einen Sieger aus.  

 

«Leistungsschau statt Giesskannenprinzip ist auch dieses Jahr wieder das Motto.»

 

Bestes Aktienprodukt
Das Gewinnerprodukt in der Kategorie Aktien, die «Buy on Dips Note« von UBS, ist ein ganz besonderes Schmankerl: Es investiert behutsam die Hälfte des Geldes und wartet geduldig auf eventuelle Kursschwächen, um Nachkäufe zu dann niedrigeren Kursniveaus, aber renditebringend zu nutzen. Der planmässige Positionsaufbau erfolgt selbstständig, ohne weiteres Zutun des Anlegers. Aus Behavorial Finance-Sicht ist dieser Ansatz sehr interessant, denn dieses Produkt hilft dem Anleger dann zu kaufen, wenn er es gefühlsmässig wohl nicht tun würde. On top wird die Cashquote des Produkts mit rekordhohen 3% p.a. verzinst. Das überzeugte die Jury für den ersten Platz. In den erlauchten Kreis der nominierten Produkte gehören der Autocallable Basket BRC auf Swiss Top 6 aus dem Hause Leonteq sowie das Tracker-Zertifikat auf Natural Food Basket der Zürcher Kantonbank.

                                                                                                            

Bestes Rohstoffprodukt
Bei Rohstoffen geht es traditionell volatil zu. Ein Umstand, den sich Anleger mit dem Lock-In Zertifikat WTILIU auf WTI Crude Oil zunutze machen können. Die Kombination Rohöl und Lock-In Zertifikat ist entsprechend charmant, denn sobald es dem Basiswert gelingt, an den zu Emissionsbeginn fixierten Beobachtungstagen den Sprung über die geforderte Kursschwelle zu schaffen, wird die Rückzahlung per Laufzeitende zu 100% eingeloggt —ohne Wenn und Aber. Der Behavorial Finance, «weil vielleicht steigt der Kurs noch weiter», kann damit umschifft werden. Dennoch kann die Sache aufgehen, wenn bei Lock-In Zertifikaten das Timing sowie eine korrekte Einschätzung der Markterwartung des Basiswerts stimmen. Nicht auf den ersten Platz, aber aufs Siegertreppchen schafften es als Nominierte KICYL, eine 6,5% Early Redemption Kick-in Goal auf WTI Crude Oil von UBS, sowie YMAAVV, eine COSI-besicherte Credit Linked Note auf Glencore, emittiert von der Bank Vontobel.

 

Bestes Indexprodukt
Innovative Indexideen, die in der Umsetzung auch Mehrwert für den Anleger bieten, sind in der neuen Kategorie «Bestes Indexprodukt» gesucht. Die Jury überzeugte letztlich HOMECH, das Open-end Tracker-Zertifikat auf den Solactive Home Automation Total Return Index. Unter Home Automation lässt sich das vernetzte Haus zusammenfassen: Heizung und Klimageräte, die mit Aussenfühler kommunizieren, Rollladen und andere Hardware, die per Smart Phone gesteuert werden können. Gemäss Marktresearch lag der weltweite Umsatz für diesen Markt im Jahr 2015 bereits über USD 60 Mrd. Bis ins Jahr 2019 rechnen Experten mit einem Anstieg auf USD 490 Mrd. Das sind atemberaubende Zuwächse. Sollten sie auch nur ansatzweise erreicht werden, dann steckt viel Musik in Unternehmen, deren Geschäftsaktivitäten in Verbindung mit Heimautomation stehen.

Zu den Nominierten in der Kategorie Bestes Indexprodukt gehören das Tracker-Zertifikat VZSCC auf den Smart Cars Performance Index der Bank Vontobel sowie ECCBP, das Callable Kapitalschutz-Zertifikat auf den Ethical Europe Climate Care Index, welches wiederum von der BNP Paribas emittiert wurde.

 

Bestes Edelmetall-/Währungs- und Zinsprodukt
Ein ganz besonderes Produkt erklomm das Siegerpodest in der Multi-Kategorie «Edelmetall-/Währungs- und Zinsprodukt»: der Tracker JFIJF auf den USD short- to med-term Fed Funds Rate Basket. Anlegern steht damit eine einfache und dennoch clevere Umsetzung einer Zins-Strategie pfannenfertig zur Verfügung. Mit dem prämierten, kostengünstigen Tracker-Zertifikat (jährliche Managementgebühren von 0,2%) lässt sich die in der Vergangenheit überaus erfolgreiche Zinsstrategie (realisierte Zinsen fallen tiefer aus als die im Forward einkalkulierten) bequem in Zertifikateform umsetzen. Ebenso in die engere Auswahl als Nominierte kamen EUTFBP, der Short Mini-Future auf EUR/TRY der BNP Paribas, sowie DOLLAR, das Tracker-Zertifikat auf den U.S. Dollar Index von Leonteq Securities.

 

Sieger bei alternativen Basiswerten
Die viel zitierte «Dieselgate» nahm sich Leonteq Securities zum Vorbild, um mit perfektem Timing VZVSST, ein Mini-Future, zu kotieren, der sich auf den Spread zwischen VW Vorzügen und VW Stämmen bezog. Dieser hatte sich nach dem 18. September stark ausgeweitet. Konkret verdient der Anleger Geld, wenn sich der Spread zwischen den im Leitindex DAX notierten VW-Vorzugsaktien gegenüber den Stämmen wieder verengt. Die Kursperformance von VZVSST kann sich bis dato sehen lassen: +21%, einige Wochen nach Emission konnten Anleger mit +39% ordentlich Kasse machen. Nominiert sind des Weiteren LPCI4U, der Mini-Future auf den UBS Liquidity Premium Commodity Index, sowie VKRBI, die Credit Linked Note auf Raiffeisen International der Bank Vontobel.

 

«Zur Auswahl standen dieses Jahr knapp 70 eingereichte Hebel- und Anlageprodukte von zwölf Emittenten.»

 

Die besten Market Maker
Faire Preise im Sekundärmarkt sind für Anleger ein wesentliches Element für ein «gutes» Investmentprodukt. Im Bereich der Hebelprodukte gewann erneut die Bank Vontobel den ersten Platz als bester Market Maker. Der Emittent zeichnete sich durch konstante Qualität im Pricing seiner Emissionen im Sekundärmarkt an der SIX Structured Products aus. Bei den Anlageprodukten erklomm wiederum Leonteq Securities das oberste Siegertreppchen.

 

Special Award für die Gründer des Branchenverbands
Vor nahezu exakt zehn Jahren wurde auf Initiative einer kleinen Gruppe von Bank- und Derivat-Experten ein bedeutender Schritt für die Professionalisierung der Strukturierte-Produkte-Industrie in der Schweiz vollzogen: die Gründung des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte (SVSP). Inzwischen gilt der SVSP als etablierte Branchenorganisation mit vielfältigen Aufgaben. Im Frühjahr 2006 startete die Organisation als ein ideologischer Verein mit weniger als einem Dutzend engagierten Persönlichkeiten. Der Special Award 2016 wird passend zum zehnjährigen Gründungsjubiläum des SVSP an das damalige Gründerteam (u.a. Roger Studer, Luigi Vignola und Eric Wasescha) verliehen.

 

«Top Service» für ein Trio
Die Kriterien Qualität der Termsheets, Qualität von Broschüren und Kundenmagazinen, Qualität der Derivat-Webseite, Qualität des Market Making, Anleger-Umfrage sowie Preisbildung standen Pate für die Beurteilung der Serviceleistungen der Emittenten. Die Jury konnte das begehrte Prädikat in diesem Jahr der Bank Vontobel, Leonteq Securities und der Banque Cantonale Vaudoise (BCV) verleihen.





«Research Award»: Die besten wissenschaftliche Arbeiten (Master, Doktor, Paper) rund um Derivate und Strukturierte Produkte.

1. Platz:

«Filtered historical Simulation for Portfolios: Model Selection and Calibration» von Andreas Höcherl, Karlsruher Institut für Technologie, Lehrstuhl Financial Engineering und Derivate. Nach dem Urteil der Jury handelt es sich um eine ausgezeichnete Studie, deren Anspruch und Qualität weit über dem normalen Niveau einer Masterarbeit liegen. Höcherl beherrscht sowohl die theoretischen Grundlagen der Risikoschätzung als auch die einschlägigen empirischen Schätz- und Testmethoden. Die Ergebnisse werden in jedem Schritt sorgfältig dokumentiert und aufgearbeitet. Die Schlussfolgerungen sind gut begründet und werden mit vielfältigen Robustheitschecks und Backtests abgesichert.

2. Plätze:

«Smart beta and portfolio insurance: A happy marriage?» von Marjan Wauters, Kath. Universität Leuven, Faculty of Economics and Business. Das Working Paper und die abgeleiteten Ergebnisse der Studie sind vielversprechend: Die Performance-Vorteile der Smart Beta-Indizes bleiben erhalten, obwohl das Risiko durch die CPPI-Absicherung deutlich sinkt. Somit könnte man die Studie als Blaupause für Strukturierte Smart Beta-Produkte mit CPPI-Absicherung lesen. Die Arbeit ist sorgfältig konzipiert und so angelegt, dass ein differenziertes Bild für verschiedene Marktphasen, Indexkonstruktionen und Umsetzungen der CPPI-Strategie entsteht.

«On the Relevance of Market Liquidity for Calibration and Option Pricing» von Janis Bauer, Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Finance und Banking. Trotz der etwas speziellen Fragestellung ist das Thema bedeutsam, weil die Optionspreisstruktur für viele Anwendungen benötigt wird. Nach Auffassung der Jury handelt sich um eine sehr gute, kompetent ausgeführte Arbeit, die einen sinnvollen Weg aufzeigt, Optionspreismodelle bei Illiquidität zu kalibrieren. Die Ergebnisse zeigen, dass die dynamische Korrektur des Kalman-Filters bei liquiden Optionen wie DAX- und S&P 500-Optionen keinen nennenswerten Effekt hat, bei weniger liquiden Optionen aber die Kalibrierung signifikant verbessert.

07.04.2016
06.04.2016