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Nachdem Kepler Cheuvreux den Sanitärtechnikspezialisten auf «Reduce» herabgestuft hat, nahm der Verkaufsdruck beim SMI-Mitglied zu. Jetzt droht die Geberit-Aktie durch ihren mittelfristigen Aufwärtstrend zu fallen.

24/11/2021, by Wolfgang Hagl

Anfang Monat hat Geberit einen soliden Zahlenkranz für das dritte Quartal respektive die ersten neun Monate 2021 präsentiert. Für neuen Schwung konnte der Zwischenbericht beim SMI-Mitglied allerdings nicht sorgen. Vielmehr scheiterte die Aktie von Europas führendem Sanitärtechnikspezialisten in den vergangenen Wochen daran, wieder über die Ende September gerissene 100-Tage-Linie zurückzukehren. Zuletzt nahm der Verkaufsdruck bei Geberit sogar zu, wodurch der heimische Blue Chip weiter unter den gleitenden Durchschnitt absackte. Dem nicht genug: Jetzt wankt der nach dem Corona-Ausverkauf im Frühjahr 2020 lancierte Aufwärtstrend.

Beim jüngsten Schwächeanfall dürfte Kepler Cheuvreux eine Rolle gespielt haben. «Turning bearish for 2022 – new Reduce rating», so überschreibt das Reserachhaus eine am Montag publizierte Studie zu Geberit. Nach Ansicht von Analyst Martin Flueckiger kommt von zwei Seiten Ungemach auf das Unternehmen zu. Neben einem schwachen organischen Umsatzwachstum rechnet er für das kommenden Jahr mit einer anhaltenden Kosteninflation. Was die Nachfrage nach Armaturen, WC-Spülkästen und Badezimmerkeramik anbelangt, geht Flueckiger davon aus, dass sich der in der Corona-Pandemie entstandene Sanierungsboom weiter abschwächt. Darüber hinaus könnten die steigenden Baukosten und ein nachlassendes Kaufinteresse der Konsumenten die Nachfrage schwächen.

Preiserhöhungen als Gegenmittel

Auf der Kostenseite spricht der jüngste Zwischenbericht für sich. Im dritten Quartal nahm der Warenaufwand von Geberit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15.6% zu. Da sich das Umsatzwachstum gleichzeitig auf 7.6 Prozent abgeschwächt hat, musste das Unternehmen bei der operativen Marge (Stufe Ebitda) einen Rückgang von 190 Basispunkten auf 31.3% hinnehmen. CEO Christian Buhl steuert mit Preiserhöhungen gegen. Bei der regulären Anpassung im April hat er die Tarife bereits um 1.5% nach oben geschraubt, im Juli kamen nochmals 2% hinzu. Für das laufende vierte Quartal plant Buhl eine abermalige Erhöhung um 1.5%.

Nach Ansicht von Martin Flueckiger wird das nicht reichen, um eine weitere Margen-Erosion zu verhindern. Der Analyst geht zwar davon aus, dass Geberit im laufenden Jahr das obere Ende der ausgegebenen Prognosespanne von 30% bis 31% erreicht. Für 2022 rechnet er aber mit einem Rückgang der Ebitda-Marge auf 30.2%. Vor diesem Hintergrund erachtet er die hohe Bewertungsprämie des Unternehmens für nicht mehr gerechtfertigt. Dieses Argument ist schwer von der Hand zu weisen. Für 2022 zeigt Geberit aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 34.2. Damit zählt die Aktie nicht nur zu den fünf SMI-Mitgliedern mit der höchsten Kennziffer. Sie übertrifft zudem einen von Kepler Chevureux erstellten Median für die internationale Peer Group um rund das Doppelte. Konsequenterweise hat das Researchhaus die Aktie von «Hold» auf «Reduce» herabgestuft und das Kursziel auf CHF 645 gesenkt.

Anlagekonklusion:

Gestern ging Geberit zum ersten Mal seit Mitte Oktober bei weniger als CHF 700 aus dem Handel. Jetzt braucht der Large Cap rasch eine Gegenbewegung, um den mittelfristigen Aufwärtstrend zu halten. Sollte die Aktie tatsächlich unter diese Linie abtauchen, würde im Bereich von CHF 680 eine Unterstützungszone warten. Nicht nur, dass Geberit hier bereits nach der ersten Abwärtsbewegung Anfang Oktober nach oben drehte. Zusätzlich wartet in diesem Kursareal die viel beachtete 200-Tage-Linie. Auf einen Test dieses Supports könnten Trader mit dem Short Mini-Future AGEBUU spekulieren. Das UBS-Papier münzt fallende Kurse bei Geberit mit einem Hebel von aktuell 7.1 in Gewinne um. Eine weniger spekulative Anlagealternative bietet Julius Bär mit dem neuen Barrier Reverse Convertible SAGPJB. Die Seitwärtsrendite von 7.1% ist bei diesem Produkt durch einen Risikopuffer von 17.5% teilgeschützt.

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