Opinion Leaders

Die Anlageklasse bietet ein immer grösser werdendes Potenzial mit einem Emissionsvolumen, das inzwischen auf annähernd 1 Billion US-Dollar gestiegen ist, denn die umfangreiche regionale Anlegerbasis nimmt neu angebotene Anleihen mit robuster Spread-Performance ab.

06/12/2019, by Sami Muaddi, Portfolio Manager, T. Rowe Price

Asiatische Anleihen haben ihre Berechtigung als Anlageklasse, die sowohl Aufwärtspotenzial als auch defensive Qualitäten bieten kann, 2019 erneut bestätigt. In einem Jahr, in dem es bei festverzinslichen Anlagen, Aktien und Rohstoffen fast durchweg zu erheblichen Verlusten kam, fielen asiatische Anleihen auf, weil sie einen lediglich marginalen Rückgang verzeichneten. Bisher haben sie 2019, weitgehend aufgrund von Kurszuwächsen, eine Performance von 9,1% erzielt.1 Mit einem Renditeprofil von etwa 3,9% bietet die Anlageklasse zudem Ertragschancen in einer Zeit, in der bei fast einem Viertel der globalen Anleihen eine negative Nominalrendite besteht.3
 

Die robuste Wertentwicklung der letzten Zeit entstand trotz markanter Negativschlagzeilen über das nachlassende Wirtschaftswachstum in China und dessen potenzielle Auswirkungen auf die Region. Derartige Bedenken mögen zum Teil auf die mangelnde Vertrautheit mit spezifischen Märkten in der Region wie China, Indien und Indonesien zurückzuführen sein. Die Medienberichterstattung über den umstrittenen Handelskrieg zwischen den USA und China hat die Frage, ob Finanzmärkte in Asien anfällig für Druck von aussen sind, ebenfalls verschärft. Alles dies hat eine unbegründete Wahrnehmung hervorgerufen, dass die Anlageklasse mit unverhältnismässigem Risiko verbunden ist.

Derzeit sind bei weniger als einem von 50 börsennotierten Unternehmen in Asien ohne Japan Anleihen in ausländischer Währung im Umlauf. 

Anleger sollten zukünftige Entwicklungen im Markt sicherlich aufmerksam verfolgen. Doch sie wären auch gut beraten, den potenziellen Beitrag asiatischer Anleihen als Portfoliokomponente objektiv zu betrachten. Bei einer genauen Prüfung der Anlageklasse zeigt sich, dass viele der Faktoren, die zu ihrer Performance beigetragen haben, nach wie vor intakt sind.

Weiteres Wachstum der Anlageklasse

Der asiatische Anleihenmarkt hat sich im vergangenen Jahrzehnt mehr als vervierfacht. Im zweiten Quartal waren hier 980 Milliarden US-Dollar an Schuldtiteln in Umlauf, denn asiatische Unternehmen finanzieren Wachstumspläne zunehmend über die Kapitalmärkte. Seit 2014 entfielen auf die Region mehr als 50% der pro Jahr ausgegebenen Schwellenländeranleihen.3

Der J.P. Morgan Asia Credit Index Diversified ist eine ausschliesslich auf USD lautende Benchmark, die zwecks Reduzierung des Konzentrationsrisikos auf einem Einzelmarkt ein ausgewogenes Engagement in ganz Asien ohne Japan abbildet. Der Index stellt einen Querschnitt aus entwickelten Märkten wie Hongkong und Singapur sowie aus Schwellen- und Frontier-Märkten dar. Insgesamt besitzt die Benchmark ein diversifiziertes Investment-Grade-Profil. Per 31. Juli 2019 gehörten 77% ihrer Anlagen in die Kategorie Investment Grade (IG) und wiesen ein durchschnittliches Kreditrating von BBB+ auf.

Strukturelle Nachfrage nach asiatischen Anleihen

Nach unserer Einschätzung dürfte im aktuellen Umfeld die lebhafte Nachfrage nach Neuemissionen aufgrund von relativ attraktiven Bewertungen in Kombination mit höheren Renditechancen anhalten. Die im Verhältnis zu anderen Regionen hohe Sparquote in Asien sorgt ausserdem zu einer kräftigen strukturellen Nachfrage aus der Region nach Anlagen, die Erträge generieren. Hierdurch sind asiatische Unternehmen weniger auf externes Kapital angewiesen. In Asien liegen Unternehmensanleihen zu 88% in den Händen lokaler Anleger, anders als in Schwellenländern, in denen ausländische Investoren einen grösseren Anteil darstellen.4

Seit 2010 ist die Anlageklasse asiatische Anleihen im Schnitt um 15% pro Jahr gewachsen. Im Gegensatz dazu entwickelten sich die Märkte für Hochzinsanleihen in den USA bzw. Staatsanleihen in Schwellenländern stabil bis rückläufig.5 In nächster Zeit rechnen wir mit weiterem Wachstum, da mehr asiatische Unternehmen Gebrauch vom Markt machen und die günstigen Liquiditätsbedingungen im aktuellen Niedrigzinsumfeld nutzen wollen. Derzeit sind bei weniger als einem von 50 börsennotierten Unternehmen in Asien ohne Japan Anleihen in ausländischer Währung im Umlauf.6

(Abb. 1) Robuste und stabile Erträge 
Über einen Zeitraum von 10 Jahren schneiden asiatische Anleihen positiv ab
Stand: 30. Juni 2019

Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge.
Internationale Anleihen: BBgBarc Global Aggregate Treasuries Index, US-Treasuries: BBgBarc U.S. Treasury Index; US-IG-Unternehmensanleihen: BBgBarc U.S. IG Corp. I.G. Index; US-Hochzinsanleihen: BBgBarc U.S. High Yield; EM-Staatsanleihen in Hartwährung: J.P. Morgan Emerging Market Global Diversified Bond Index; EM-Unternehmensanleihen: J.P. Morgan CEMBI Broad Diversified; EM-Staatsanleihen in Lokalwährung: J.P. Morgan GBI EM GD Index; Euro-IG-Unternehmensanleihen: Euro Aggregate; Euro Corp I.G. Corporates Index; Euro-Hochzinsanleihen: BBgBarc Pan-European High Yield; Japanische Staatsanleihen: BBgBarc Asian Pacific Japan; Deutsche Bundesanleihen: BBgBarc Global Treasury Germany; Asiatische Composite-Anleihen: J.P. Morgan Asia Credit Index Diversified; Asiatische IG-Anleihen: J.P. Morgan Asia Credit Index Diversified IG; Asiatische Hochzinsanleihen: J.P. Morgan Asia Credit Index Diversified HY; EM-Aktien: MSCI Emerging Markets. Dieses Diagramm dient ausschliesslich zur Veranschaulichung und stellt nicht die Performance bestimmter Wertpapiere, Produkte oder Dienste dar. Es ist nicht möglich, in einen Index zu investieren. Quelle: Bloomberg Barclays, J.P. Morgan, MSCI, T. Rowe Price.

 

(Abb. 2) Top-Down-Fundamentaldaten ziehen an
Weitere Verbesserung von Kreditratings in bedeutenden Volkswirtschaften Asiens
Stand: 30. Juni 2019

Nur zur Veranschaulichung.
Quellen: Analyse von Daten zur Ratingentwicklung durch T. Rowe Price unter Verwendung von Daten von Moody’s per 30. Juni 2019. Lokalwährung
Die eigene Ratingskala von T. Rowe Price reicht von 1 bis 10; 10 bedeutet ein Ausfall bei einem Wertpapier, und 1 entspricht einem mit AAA bewerteten Wertpapier gemäss Definition der grossen Ratingagenturen.
Dieses Material wird ausschliesslich zu informativen Zwecken zur Verfügung gestellt und sollte nicht zur Prognose zukünftiger Renditen irgendeines Anlageprodukts herangezogen werden. Dieses Material ist nicht als Anlageberatung oder als Empfehlung, eine bestimmte Anlagetätigkeit auszuführen, aufzufassen.

Die Emissionen chinesischer Dollar-Anleihen könnten sich abschwächen. Doch die Onshore-Liquidität hat sich 2018 verbessert, weil China in dem Bemühen, die schleppende Wirtschaft anzukurbeln, jüngste Massnahmen zum Schuldenabbau zurückgefahren hat. Mehrere chinesische Immobilienentwickler haben 2019 schon mehrfach Offshore-Märkte in Anspruch genommen. Doch die Laufzeiten verlängern sich, was zu einem konsistenteren Risikoprofil für die Anlageklasse führt.

Solide Top-Down-Fundamentaldaten

Das robuste Wirtschaftswachstum in Asien ohne Japan hat den Unternehmen kräftigen Rückenwind beschert, um neue Märkte im In- und Ausland zu nutzen.

In gerade einmal einem Jahrzehnt hat China Japan als zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt abgelöst und ist inzwischen mehr als doppelt so gross. Die gesamte Region stellt 27% der Weltwirtschaft dar - 2000 waren es gerade 10%. Robustes Wachstum hat zudem in den asiatischen Schwellen- und Entwicklungsländern zu steigendem Wohlstand geführt. Prognosen zufolge soll das Pro-Kopf-Einkommen im Jahr 2020 6.000 US-Dollar übersteigen. Zum Teil ist der Anstieg auf die enorm grosse Bevölkerung der Region - von jeweils 5 Menschen auf der Welt sind 2 Asiaten - und das junge demografische Profil in Ländern wie Indien, Indonesien, Bangladesch und den Philippinen zurückzuführen.7

Nach unserer Ansicht haben Politiker angemessene Schritte für eine weitere Expansion ergriffen. Sie sind bemüht, die Abhängigkeit von exportbasiertem Wachstum zu verringern sowie die Offenheit und Wettbewerbsfähigkeit ihrer jeweiligen Finanzmärkte zu verbessern. Die Verpflichtung in den meisten Volkswirtschaften nach der asiatischen Finanzkrise, die Devisenreserven aufzustocken und die Inflation zu verringern, ist ebenfalls ein gutes Zeichen. Die tendenziell positive Entwicklung beim Länderrating, die in bedeutenden regionalen Volkswirtschaften zu beobachten ist, spiegelt wirkliche Fortschritte wider.

Bei asiatischen Unternehmen haben sich die Fundamentaldaten in den letzten Jahren gebessert. Betrachtet man Schwellenländer im weiteren Sinne, so zeichnen sich asiatische Emittenten von Hochzinsanleihen ab 2002 durchgängig durch geringere Ausfallraten aus.8 Ganz allgemein bessert sich auch das Verschuldungsprofil asiatischer Unternehmen. Erkauft wurde dies nicht auf Kosten der Rentabilität, denn die Region rechnet für 2020 mit einem zweistelligen Wachstum der Unternehmensgewinne.9 Zusammengenommen geht von diesen Indikatoren für Anleihenanleger das positive Signal aus, dass asiatische Unternehmen wachsen und gleichzeitig ihre Fähigkeit zur Bedienung ausstehender Schulden verbessern können.

(Abb. 3) Unterstützung für das Portfolio
Asiatische IG-Anleihen verhalten sich in Ausverkaufsphasen ähnlich wie Anleihen aus Industrieländern
Stand: 30. Juni 2019

Asiatische IG-Anleihen: J.P. Morgan Asia Credit Index Diversified Investment Grade, Z-Spread
US-IG-Anleihen: Bloomberg Barclays U.S. Aggregate Corporate Investment Grade Index, OAS
Euro-IG-Anleihen: Bloomberg Barclays Euro-Aggregate Index, OAS
Quellen: J.P. Morgan Chase & Co. und Bloomberg Index Services Ltd.


Hochwertige Diversifikation

Die einzigartigen Merkmale asiatischer Unternehmensanleihen haben zu den Diversifikationsvorteilen asiatischer Anleihen beitragen. Dies gilt insbesondere für Anleger mit grossen Positionen in Kernanleihen. Nach unserer Einschätzung wird sich diese Charakteristik wahrscheinlich mehr und mehr zu einer Konstante entwickeln, wenn Grösse und Format der Anlageklasse weiter wachsen. Asiatische Anleihen weisen indessen zwar eine hohe Korrelation gegenüber Aktien aus Asien ohne Japan auf, doch ihr Renditeprofil ist stabiler. So können sich Anleger Zugang zu der wirtschaftlichen Entwicklung und den wachsenden Märkten der Region bei einem geringeren Risikoprofil verschaffen.

Wenn sich Anleger auf der Suche nach höheren Renditen hin zu asiatischen Anleihen orientieren, könnte eine Position in dieser Anlageklasse ausserdem defensive Eigenschaften bereitstellen. Die Widerstandsfähigkeit asiatischer IG-Anleihenmärkte – die besser abschnitten als die Märkte für US-IG-Anleihen – hat 2018 dazu beigetragen, dass asiatische Anleihen insgesamt die Benchmarks für EM-Unternehmens- und -Staatsanleihen übertrafen. In den vergangenen zehn Jahren haben wir dieses Muster, dass nämlich asiatische IG-Anleihen in Zeiten einer erheblichen globalen Spreadausweitung ähnliche defensive Eigenschaften wie IG-Anleihen aus den USA und Europa bewahren, wiederholt beobachtet. In einigen wenigen Fällen jedoch verzeichneten asiatische Spreads eine verhältnismässig grössere Ausweitung, beispielsweise während des „Taper Tantrum“ im Jahr 2013, als globale Anleger Geld aus der Region abzogen, weil sie weltweit mit restriktiveren geldpolitischen Bedingungen rechneten. Der Ausverkauf war aber nur von kurzer Dauer, da der Markt die verbesserten Top-Down-Fundamentaldaten der Region zur Kenntnis nahm.

Die positive Performance asiatischer Anleihen ist zudem kein Phänomen der letzten Jahre. Sie haben im Vergleich zu anderen grossen Anlegeklassen über einen längeren Zeitraum ein attraktives Risiko/Rendite-Profil unter Beweis gestellt. Bemerkenswert ist ferner, dass asiatische IG-Anleihen ein vergleichsweise geringeres Durationrisiko als IG-Anleihen aus den USA und Europa aufweisen. Das bietet bei Emissionen mit kürzeren Laufzeiten eine höhere Rendite.

Im aktuellen Niedrigzinsumfeld sind Anleger auf der Suche nach Rendite. Asiatische Anleihen könnten hierbei potenziell ein attraktives Verhältnis von Risiko und Ertrag sowie ein höheres Renditeprofil als andere Anlageklassen bieten. In jüngster Zeit hat sich die Spreadprämie bei asiatischen Anleihen angesichts zunehmder Bedenken, der Handelskrieg zwischen den USA und China könnte die Wachstumsaussichten der Region beeinträchtigen, volatil verhalten. In diesem Umfeld haben strategische Anleger die Chance, sich durch eine fundierte Titelauswahl Kursverwerfungen innerhalb des Marktes zunutze zu machen, denn wir erwarten, dass die Anlageklasse weiter in der Breite und Tiefe wachsen wird.

1 J.P. Morgan Credit Index Diversified, Stand der Daten: 31. Juli 2019.
2 J.P. Morgan Credit Index Diversified, Stand der Daten für die Yield-to-Worst: 31. Juli 2019; Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond Index, Stand der Daten: 12. Juli 2019.
3 J.P. Morgan, Bond Radar, Datenanalyse durch T. Rowe Price, Stand der Daten: 30. Juni 2019.
4 J.P. Morgan, Stand der Daten zu in Umlauf befindlichen Anleihen: 31. Oktober 2018.
5 J.P. Morgan Credit Index, Stand der Daten: 30. Juni 2019.
6 Research von J.P. Morgan
7 Daten der Weltbank und des IWF, Datenanalyse durch T. Rowe Price.
8 J.P. Morgan, Datenanalyse durch T. Rowe Price.
9 Credit Suisse, Momentaufnahme zu Bewertungen. Stand: 27. Mai 2019.

Was als nächstes wichtig ist

Nach unserer Einschätzung könnten das robuste Wirtschaftswachstum in der gesamten Region und förderliche Finanzbedingungen Rückenwind für Risikoanlagen und die Spreads asiatischer Anleihen bedeuten. Allerdings könnten grössere Unsicherheiten über den Handelskrieg zwischen den USA und China die Anlageklasse in naher Zukunft belasten.

Im Laufe der Zeit wird das Potenzial innerhalb der Anlageklasse weiter an Breite und Tiefe gewinnen. Das begünstigt strategische Anleger, die durch eine fundierte Titelauswahl Kursverwerfungen innerhalb des Marktes nutzen können.

06/12/2019
05/12/2019