Trading Desk

Ziemlich genau drei Jahre nach der Erstnotiz steigt die Biotechaktie in den STOXX Europe 600 Index auf. Idorsia sollte die Mitgliedschaft in dieser wichtigen Benchmark noch mehr Aufmerksamkeit von Seiten der Investoren bringen.

18/06/2020, by Wolfgang Hagl

Der 16. Juni 2017 war für Jean-Paul Clozel ein spezieller Tag. Der studierte Kardiologe konnte nicht nur den Vollzug der USD 30 Mrd. schwere Übernahme des von ihm gegründeten und gross gemachten Biotechunternehmens Actelion durch den US-Konzern Johnson & Johnson verkünden. Ausserdem läutete Clozel an der SIX den Handel mit Idorsia ein. «Wir arbeiten mit voller Geschwindigkeit an unseren Projekten», sagte der CEO beim Börsendebüt der von Actelion abgespalteten Forschungs- und Entwicklungseinheit.

Ein Hoffnungsträger – für Patienten und Investoren

Drei Jahre später steht Idorsia vor einem ersten Durchbruch. Ende kommenden Jahres oder Anfang 2022 soll das Präparat Daridorexant an den Markt kommen. Im April hat Idorsia positive Ergebnisse aus der ersten Phase-3-Studie für den Hoffnungsträger publiziert. «Erstmals konnte für ein Schlafmedikament nicht nur eine Verbesserung beim Ein- und Durchschlafen nachgewiesen werden, sondern auch eine Verbesserung wie sich der Patient am Tag fühlt», freute sich der CEO und Grossaktionär. Daridorexant hat Blockbuster-Potenzial. Vontobel traut dem neuartigen Medikament Spitzenumsätze von CHF 1.2 Mrd. zu. Gleichzeitig taxiert die Privatbank die Erfolgswahrscheinlichkeit für das Produkt auf hohe 80%.

An der Börse ist die Vorfreude gross: Zum dritten Jahrestag der Kotierungsaufnahme bewegt sich die Idorsia-Aktie bei annähernd dem Dreifachen des ersten Kurses von exakt CHF 10. Neben Daridorexant spricht die gut gefüllte Entwicklungspipeline für den Biotechwert. Drei weitere Präparate befinden sich in Phase 3. Hinzu kommen acht Wirkstoffe aus früheren Forschungsstadien. Neben Schlafstörungen bearbeitet das Unternehmen die Therapiefelder Neurologie, Herz-Kreislauf und Immunologie sowie einige seltene Krankheiten. Die Forschung kostet viel Geld: Von April 2019 bis Ende März 2020 ist der Finanzmittelbestand um mehr als 40% auf CHF 632 Mio. geschrumpft. Allerdings konnte Idorsia die Kasse im Mai über ein Kapitalerhöhung mit CHF 330 Mio. (brutto) auffüllen.

Die anstehende Aufnahme in den STOXX Europe 600 Index könnte dem Unternehmen die Finanzierung noch einmal erleichtern. Am 22. Juni zieht Idorsia zusammen mit 20 weiteren Aktien neu in den kontinentalen Börsengradmesser ein. Neben der Bekanntheit dieser Benchmark ist ihr Status als Referenz für passive Anlageprodukte positiv. Beispielsweise «müssen» ETFs, welche den Index physisch replizieren, die Neulinge ins Fondsvermögen holen.

Anlagekonklusion:

Gleichwohl bleibt der operative Forstschritt von Idorsia für den weiteren Verlauf des Papiers hauptausschlaggebend. Bereits in naher Zukunft erwartet das Management weitere Schlüsselergebnisse aus der klinischen Entwicklungspipeline. Die Deutsche Bank rechnet offenbar mit positiven News. Kurz vor der Indexaufnahme hat sie die Coverage von Idorsia mit dem Rating «Buy» und einem Kursziel von CHF 38 aufgenommen. Auf dem Weg dorthin stellt sich der Aktie ein Anfang Jahr lancierter Abwärtstrend in den Weg. Mit dem Call-Warrant UBIDIU können Trader auf den Ausbruch nach oben setzen. Das kurz vor Weihnachten fällige UBS-Papier notiert (noch) aus dem Geld. Pünktlich zum Indexaufstieg lanciert Julius Bär den Barrier Reverse Convertible SAIRJB auf Idorsia. Bei einem Coupon von 14.25% p.a. geht der Basiswert mit einem Risikopuffer von 40% in die einjährige Laufzeit. Die Zeichnungsfrist endet am 23. Juni, sieben Tage später startet der Börsenhandel.

17/06/2020
17/06/2020