Interviews

Iwan Deplazes, Mitglied der Direktion, Leiter Asset Management, zur Öffnung der Swisscanto Indexfonds für Privatanleger, Vor- und Nachteilen von Indexfonds zu ETFs, neuen Ideen, den Top-3 der Swisscanto gemessen am Volumen.

 

01/11/2016, by Dieter Haas

Was waren die Überlegungen hinter der Öffnung der Swisscanto Indexfonds für Privatanleger?

Als einer der grössten Schweizer Asset Manager bieten wir ein breites Spektrum an Anlageprodukten mit weltweiter Marktabdeckung über alle Anlageklassen an. Die Öffnung der Indexfonds ist die ideale Ergänzung zu unserem bereits bestehenden Angebot für Privatanleger. Damit werden wir den wachsenden Bedürfnissen im Markt nach indexierten Anlagen gerecht. Privatanleger können nun auch von den Vorteilen der Indexfonds profitieren, welche bis anhin meist nur institutionellen Anlegern vorbehalten waren. Das Angebot für Privatanleger umfasst 41 Swisscanto Indexfonds, deren gesamte Wertschöpfung in der Schweiz verortet ist. Mit der Zürcher Kantonalbank als einer der bestkapitalisierten Banken im Hintergrund sind wir zudem ein attraktiver Emittent.

Können Sie den Lesern die Vor- und Nachteile Ihrer Indexfonds im Vergleich zu den börsengehandelten ETFs erläutern?  

Indexfonds bieten eine attraktive Alternative zu Exchange Traded Funds (ETFs) - sie punkten vor allem bei Kosteneffizienz und Transparenz. Bei beiden Produkttypen partizipieren die Anleger an der Entwicklung des gewählten Referenzindex wie beispielsweise des Swiss Market Index (SMI). Gewichtige Vorteile von Indexfonds sind, dass im Gegensatz zu ETFs keine Schweizer Stempelsteuern und keine Kosten für Market Maker anfallen. Das macht die Produkte generell günstiger als ETFs. Grund dafür ist, dass die Anteile von Indexfonds einmal täglich zum Nettoinventarwert (NAV) und nicht wie ETFs an der Börse gehandelt werden. Stattdessen erfolgt eine transparente Abrechnung zum Nettoinventarwert (NAV) mit fixen Zeichnungs- und Rücknahmespreads. Wir bilden zudem alle Referenzindizes mittels physischer Replikation ab, es besteht daher bei keinem unserer Indexfonds ein Gegenparteirisiko.

Wie können Investoren die Indexfonds von Swisscanto kaufen bzw. verkaufen?

Die Fonds sind für Privatanleger zugelassen und können täglich gehandelt, d.h. gezeichnet und zurückgenommen werden. Interessierte Privatanleger können sich direkt bei uns oder über unsere Homepage informieren. Einzige Voraussetzung zum Erwerb der Indexfonds ist ein Wertschriftendepot. Es spielt dabei keine Rolle, bei welcher Bank dieses Depot liegt. Selbstentscheider finden die Fonds zudem ganz einfach über die bekannten Online-Broker.

Wo finden Anleger Informationen zu den Indexfonds?

Alle Informationen zu den Fonds finden sich auf unserer Homepage unter www.swisscanto.ch oder direkt bei uns. Auf unserer Homepage stellen wir umfangreiche Informationsmaterialien zu den Produkten zur Verfügung. Darüber hinaus finden sich dort regelmässig aktualisierte Videos unserer Fondsmanager, die eine Einschätzung zu den Märkten geben.

Bitte erläutern Sie den Lesern den in Ihren Factsheets aufgeführten Begriff der Ausgabe- und Rücknahmekommission?

Zum Schutz der bestehenden Investoren und zwecks Wahrung der Kostentransparenz werden die Ausgabe- und Rücknahmekommissionen im Sinne einer Geld-Brief-Kursspanne (Spread) erhoben. Spreads werden vollumfänglich dem jeweiligen Anlagefonds gutgeschrieben und dienen ausschliesslich zur Deckung der Transaktionskosten. Die Transaktionskosten werden somit direkt dem Verursacher belastet, während bestehende langfristig orientierte Anleger vor Performanceverlusten geschützt sind (sog. Verwässerungsschutz). Die Höhe der Spreads orientiert sich am jeweiligen Markt und deckt die anfallenden Kosten und Gebühren (z.B. Brokerkommissionen, Steuern etc.).

Wo sieht Swisscanto noch weisse Flecken?

Indexfonds eignen sich besonders für mittel- bis langfristig orientierte Anleger. Oft bilden die indexierten Anlagen dabei den Kern des Portfolios. Unsere modulare Indexfondspalette erlaubt es Privatanlegern, ihr gesamtes Portfolio einfach zusammenzustellen oder breit diversifiziert einzelne Märkte abzudecken. Wollen Anleger zusätzlich Spezialitäten aus schwierig zugänglichen Märkten beimischen, so kann ein aktiv gemanagter Fonds als Anlagealternative (im Rahmen eines Core-Satellite-Ansatzes) sinnvoll sein.

Plant Swisscanto einen Ausbau ihrer Palette in Richtung faktorbasierte ETFs?

Wir verfolgen und evaluieren stetig verschiedenste Möglichkeiten in diesem Bereich. Entscheidend für eine smarte Umsetzung von Smart Beta-Konzepten ist die geeignete Kombination der drei Komponenten Faktorauswahl, Faktorkombination und Portfoliokonstruktion. Die gängigen Smart Beta-ETFs zielen jedoch nicht darauf ab, die Faktorprämien möglichst gut, sondern möglichst einfach umzusetzen. Die meisten regelbasierten Konzepte sind zu statisch in der Faktorauswahl, es fehlt jegliche Flexibilität. Aus unserer Sicht bieten sich derweil die besten Renditechancen für die Investoren über aktiv gemanagte Smart Beta-Produkte. Denn die optimale Faktorkombination setzt ein vertieftes Research und detaillierte Analysen voraus, die ein Portfolio-Manager am effizientesten anbieten kann.

Welche drei Indexfonds weisen aktuell die höchsten Volumen auf?

Die grössten Volumen unserer Indexfondspallette weisen der «Swisscanto (CH) Index Bond Fund Total Market AAA-BBB Domestic CHF» (Anlagevolumen: CHF 2.2 Mrd.), der «Swisscanto (CH) Index Bond Fund Total Market AAA-BBB CHF» (Anlagevolumen: CHF 2.0 Mrd.) sowie der Swisscanto (CH) Index Equity Fund Switzerland Total (I) (Anlagevolumen: CHF 1.8 Mrd.) auf. Bei unseren Anlegern sind zur Diversifikation ihres Wertschriftenportfolios jedoch auch Anlagen in differenzierte Märkte wie im «Swisscanto (CH) Index Equity Fund Emerging Markets» mit einem aktuellen Anlagevolumen von über CHF 1 Mrd. und unser währungsorientiertes Angebot im Corporate Fixed Income-Bereich sehr gefragt. Die gesamte indexierte Fondspallette umfasst ein Volumen von ca. CHF 23 Mrd.

Wie sähe aus Ihrer Sicht ein Portfolio für einen ausgewogenen Anleger aus?

In der Regel umfasst ein Portfolio alle gängigen Anlageklassen. Die strategische Gewichtung der Anlageklassen ist dabei individuell nach dem Profil des jeweiligen Anlegers zu richten. Eine prozentuale Angabe bzw. eine allgemeingültige Antwort können wir daher nicht geben. Es lässt sich aber festhalten, dass sich ein ausgewogenes Portfolio zumeist rund zur Hälfte in Obligationen, über ein Drittel in Aktien und den Rest in Immobilien, Rohstoffe und Cash aufteilt.

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Vita:

Iwan Deplazes ist anfangs 2007 als Leiter des Institutionellen Asset Managements zur Zürcher Kantonalbank zurückgekehrt, wo er bereits von 1998 bis 2005 im Fixed Income Bereich, davon die letzten zwei Jahre als Teamleiter, tätig war. Im Juli 2007 übernahm er die Leitung des Asset Managements. Dazwischen war er während eines Jahres bei der Credit Suisse für die interne und externe Kommunikation mit institutionellen Investoren aus dem Bereich Fixed Income verantwortlich. Iwan Deplazes studierte an der Universität Zürich Wirtschaftswissenschaften und ergänzte seine Ausbildung mit dem Ausbildungslehrgang zum Europäischen Diplom für Finanzanalysten und Vermögensverwalter, CEFA. Zudem ist er Mitglied der Kommission für Institutionelle Vermögensverwaltung der Schweizerischen Bankiervereinigung und des Steering Committees der Asset Management Schweiz Initiative.

 

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