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Der jüngste Ausverkauf an der US-Technologiebörse weckt Erinnerungen an das Platzen der Dotcom-Blase. Doch trotz einer ambitionierten Bewertung ist die aktuelle Situation nur schwer mit dem Zustand der Nasdaq von nach der Jahrtausendwende zu vergleichen.

10/09/2020, by Wolfgang Hagl

«Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt», mit diesem bekannten Goethe-Zitat lässt sich die aktuelle Gefühlslage vieler Technologieinvestoren gut beschrieben. Noch am 2. September hat der Nasdaq 100 Index ein Allzeithoch von 12'439.48 Punkten erreicht. Gegenüber diesem Top brach die Benchmark bis zum Dienstag um mehr als ein Zehntel ein. Laut Marketwatch.com verzeichneten die 100 grössten Aktien der US-Technologiebörse damit den grössten Drei-Tages-Verlust seit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Nach dem turbulenten Monatsauftakt treibt die Investoren eine zentrale Frage um: Ist die auf den Corona-Ausverkauf folgende Rallye im Technologiesektor vorbei?

Experte mit klarer Meinung

Die Antwort von Mark Haefele heisst «Nein!». Via LinkedIn hat der Chief Investment Officer im Global Wealth Management der UBS eine Einschätzung abgegeben. «Unserer Ansicht nach bedeutet die jüngste Bewegung nicht den Start eines mit dem März vergleichbaren Kursrückgangs», schreibt der Experte. Haefele macht zwar keinen Hehl daraus, dass die US-Technologieaktien teuer sind – seit Anfang Jahr ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den IT-Sektor um mehr als ein Fünftel auf zuletzt 27 gestiegen. Doch lägen die Bewertungen noch immer deutlich unter dem zum Höhepunkt der Dotcom-Blase in den späten 1990er-Jahren gesehenen Niveau. Damals war das Forward-KGV für den Nasdaq Composite Index auf mehr als 70 gestiegen. «Wir erachten den IT-Sektor angesichts der gegenwärtigen Erwartungen für die zukünftigen Cashflows und Diskontierungssätze relativ zu anderen Branchen als angemessen bewertet», erklärt Haefele.

Der Experte verweist zudem darauf, dass es im globalen Technologiesektor in den vergangenen fünf Jahren immer wieder zu Rücksetzern gekommen ist. Auf Abstürze wie den jüngsten folgten dabei starke Rebounds von 20% und mehr. Dafür, dass die Märkte gerade eine derartige mittelfristige Korrektur und nicht das Ende der Rallye erleben, sprechen laut Haefele auch die beginnende Konjunkturerholung sowie eine anhaltende Unterstützung durch die Notenbanken. In der Tat dürften die Währungshüter den Fuss vorerst kaum vom Gaspedal nehmen. Während das Fed kommende Woche tagt, läutet die Europäische Zentralbank schon heute das Ende der geldpolitischen Sommerpause ein. Die Märkte warten gespannt darauf, ob und gegebenenfalls wie sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde zur jüngsten Euro-Aufwertung äussern wird. Seit dem Dreijahrestief von Mitte März legte die Einheitswährung gegenüber dem Dollar um gut ein Zehntel zu.

Die allgemeine Schwäche des Greenbacks kommt einem kleinen Konjunkturprogramm für die US-Technologiegiganten gleich. Laut Factset erwirtschaften die im S&P 500 enthaltenen IT-Unternehmen mehr als die Hälfte ihrer Umsätze ausserhalb der Staaten. Im Schnitt beträgt diese Quote für den Leitindex lediglich 40 Prozent. Ungeachtet dessen hat die Corona-Pandemie die Digitalisierung forciert und damit die Geschäfte der Technologieunternehmen angeschoben. Insofern überrascht es nicht, dass die IT zu den gerade einmal vier Sektoren zählt, denen der Konsens im Gesamtjahr 2020 moderat steigende Gewinne zutraut. Obwohl der Covid 19-Effekt abflauen dürfte, erwarten die Analysten im 2021 bei Apple & Co. ein prozentual zweistelliges Wachstum.

Anlagekonklusion:

Stichwort Apple: Mark Haefele verweist zu Recht darauf, dass die Rallye der vergangenen Monate vor allem von den «Big Techs» befeuert wurde. Allein Apple, Amazon.com und Microsoft sind im Nasdaq 100 zusammen mit mehr als einem Drittel gewichtet. Durch die Korrektur sieht der CIO seinen Ratschlag bestätigt, ein Technologieportfolio über diese Mega Caps hinaus zu diversifizieren. Neben disruptiven Bereichen wie dem neuen Mobilfunkstandard 5G legt die UBS ihren Klienten so genannte Laggards, also Aktien die zuletzt hinterher hinkten, ans Herz. Dazu zählen laut Haefele die Anbieter von digitaler Werbung sowie elektronische Zahlungsabwickler. Mit dem ETF CSNDX können Anleger breit gestreut darauf setzen, dass der Zukunftssektor die Erfolgsspur hält. iShares bildet mit diesem mehr als USD 6 Mrd. schweren Indexfonds den Nasdaq 100 physisch ab. Seit gestern ist an der SIX der Barrier Reverse Convertible FAZWJB kotiert. Julius Bär bringt bei dem strukturierten Produkt auf Basis des Technologiebarometers eine Renditechance von 9.2% mit einem Risikopuffer von 45.7% zusammen.

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