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Der weltgrösste Lebensmittelkonzern hat die Erwartungen beim organischen Wachstum 2019 knapp verfehlt. Da Nestlé auch bei der Prognose etwas tiefer stapelt, gerät das SMI-Schwergewicht im frühen Handel unter Druck.

13/02/2020, by Wolfgang Hagl

Auf diesen Tag hatten Analysten und Investoren gespannt gewartet: Am Mittwochmorgen veröffentlichte Europas grösster Börsenkonzern die Resultate des vergangenen Jahres. So viel vorab: Nestlé hat für 2019 solide Zahlen verbucht. Allerdings beschleunigt der weltgrösste Lebensmittelkonzern nicht so stark, wie von den Märkten erwartet. Dazu passt, dass CEO Mark Schneider das ehrgeiziges Wachstumsziel etwas in die Zukunft verschieben muss.

Mit einer 20-seitigen Präsentation gewährte Nestlé den Medien Einblick in den jüngsten Geschäftsgang und skizzierte gleichzeitig die weiteren Aussichten. CEO Mark Schneider betonte dabei die Fortschritte bei dem von ihm initiierten "creation model".

Bei sämtlichen wichtigen Kennzahlen zeigt der Pfeil nach oben. Ganz vorne steht eine organische Umsatzsteigerung von 3.5%. Damit ist der Lebensmittelriese im vergangenen Jahr so stark gewachsen, wie seit 2015 nicht mehr. Vor allem in den USA liefen die Geschäfte gut. Was die Produktkategorien betrifft, waren vor allem die Heimtiererzeugnisse der Marke Purina ein Treiber. «Kaffee verzeichnete eine gute Dynamik, unterstützt durch die hohe Nachfrage nach Starbucks-Produkten, die bislang in über 40 Ländern eingeführt wurden», ergänzt das Unternehmen. Bei der zugrunde liegenden operativen Marge verbuchte Nestlé eine Verbesserung um 60 Basispunkte auf 17.6%. «Nestlé hat ein Jahr früher als in ihrem mittelfristigen Plan vorgesehen eine Profitabilität im Zielbereich für das Jahr 2020 erreicht», schreibt der Konzern in seiner Medienmitteilung.

An der Börse konnte Nestlé mit dem vorgelegten Zahlenkranz nicht punkten. Im Gegenteil: Das SMI-Schwergewicht tauchte im frühen Handel um mehr als 2% ab. Zum einen hat das Unternehmen sowohl beim organischen Wachstum als auch der Marge die Erwartungen knapp verfehlt. Sauer dürfte den Investoren zudem die Prognose aufstossen. « Für 2020 erwarten wir eine kontinuierliche Verbesserung des organischen Umsatzwachstums», erklärte Schneider. Konkreter wird der CEO auf Seite 10 seiner Präsentation:

Der CEO stellt gleich in der ersten Zeile für 2021/2022 eine «anhaltende Beschleunigung» in Richtung eines nachhaltigen mittleren einstelligen Wachstums in Aussicht. Das Problem: Schneider wollte dieses Niveau eigentlich bereits im laufenden Jahr erreichen. Möglicherweise macht das Coronavirus den Top-Manager vorsichtiger. «Es ist heute noch zu früh, die finanziellen Auswirkungen dieser Epidemie zu beziffern», sagt Schneider. Gleichzeitig verweist er darauf, dass die Region «Greater China» mit einem Umsatzanteil von rund 8% der zweitwichtigste Markt des Konzerns ist. Frei von Sorgen war Nestlé im Reich der Mitte schon vor dem Ausbruch der Atemwegserkrankung nicht. In der Bilanz für 2019 musste der Konzern bei der auf Erndnussmilch und Reisbrei spezialisierten Tochter Yinlu Food hohe Abschreibungen vornehmen.

Für eine positive Überraschung sorgte Nestlé dagegen beim Dividendenvorschlag. Das Unternehmen stockt die Gewinnbeteiligung für 2019 um 25 Rappen auf 2.70 CHF je Aktie auf. Stimmt die Generalversammlung am 23. April zu, wächst die Serie der Dividendenerhöhungen auf 25 Jahre an. Obwohl der Konsens von 5 Rappen weniger ausgegangen war, dürfte so manchner Anleger auch hier nicht ganz zufrieden sein. Schliesslicht hatte Nestlé im vergangenen Herbst für den Zeitraum 2020 bis 2022 Sonderdividenden in Aussicht gestellt.

Anlagekonklusion:

Alles in allem sind die Zahlen trotz der moderaten Abweichungen vom Konsens ein weiterer Beleg für die immense Stärke des Unternehmens. Beispielsweise hat Nestlé den freien Cashflow um 10.9% auf knapp CHF 12 Mrd. gesteigert. Solche Qualitäten ändern allerdings nichts daran, dass der heutige Tag den Large Cap in eine prekäre charttechnische Lage bringt: Nestlé nähert sich von oben sowohl der 200-Tage-Linie als auch einem längerfristigen Aufwärtstrend an. Sollte die Aktie hier nach unten durchbrechen, würde sich die Unterstützung im Bereich von CHF 102 als nächstes Kurzsiel auftun. Mit dem Unlimited Turbo Put CB05ZK können Trader auf einen Test dieses Supports setzen. Die Commerzbank preist hier im Handel auf Swiss DOTS sowie an der BX Swiss aktuell einen Hebel von 5.1 ein. An der SIX Swiss Exchange zählte am Mittwochvormittag der Speeder Call Warrant KNEGJB zu den umsatzstärksten Hebelpapieren. Mit diesem Schein setzen Anleger auf einen Rebound von Nestlé.

 

 

 

12/02/2020
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