Trading Desk

In den vergangenen Wochen zählte der Lebensmittelriese zu den stabilsten Large Caps in Europa. Da Nestlé dennoch korrigiert hat, könnte sich für langfristige Investoren eine Einstiegschance bieten.

27/03/2020, by Wolfgang Hagl

Vor sechs Wochen haben wir uns in dieser Rubrik zuletzt mit der Nestlé-Aktie beschäftigt. Anlass war die Publikation der 2019er-Resultate. Für Enttäuschung sorgte der weltgrösste Lebensmittelkonzern damals insbesondere mit dem Ausblick. CEO Mark Schneider verschob das Ziel eines mittleren einstelligen Wachstums auf 2021/22. Zwar setzte er die Anpassung nicht in einen direkten Zusammenhang mit dem Coronavirus. Allerdings betonte Schneider die immense Bedeutung des chinesischen Marktes – Nestlé generiert in der Region nach eigenen Angaben rund 8% seines Geschäfts.

Bekanntlich hat das Reich der Mitte in punkto Covid-19 mittlerweile das Schlimmste hinter sich. Doch dürfte es für Nestlé kaum noch einen Absatzmarkt geben, der nicht von der offiziell als Pandemie eingestuften Lungenkrankheit betroffen ist. Schneider hat die weltweit mehr als 290'000 Mitarbeiter also nicht umsonst auf die wichtige Rolle des Konzerns eingeschworen. «Bitte machen Sie sich auf den Sturm gefasst - denn er wird kommen», schrieb der CEO in einer internen Mitteilung, welche der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Gleichzeitig forderte er die Belegschaft auf, alle notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, um die Kunden mit den benötigten Lebensmitteln und Getränken zu versorgen. «Dies ist der Moment für zusätzliche Anstrengungen, um die zusätzliche Meile zu gehen», zitiert Reuters aus dem Schreiben.

Berenberg hebt den Daumen

In der Krise kommen die Qualitäten des Unternehmens auch an der Börse zum tragen. Zwar musste die Nestlé-Aktie im Corona-Crash Federn lassen. Mit einem Vier-Wochen-Minus von 7.4% zählt der Large Cap jedoch sowohl im SMI als auch im STOXX Europe 50 zu den stabilsten Papieren. In einer aktuellen Studie berichtet Berenberg, dass die Lebensmittelproduzenten im laufenden Jahr die Führung im Ranking der Sektoren übernommen haben. Neben den in den meisten Fällen starken Bilanzen und Cashflows verweist die Privatbank auf die finanziell abgedeckten Dividenden.

Nestlé erfüllt jedes dieser drei Attribute. Beispielsweise hat der Konzern den freien Cashflow im vergangenen Jahr um 10.9% auf knapp CHF 12 Mrd. gesteigert. Dadurch ist das Unternehmen in der Lage, die Serie an Dividendenerhöhungen um ein Jahr auf 25 zu verlängern. Sofern die «Geister-Generalversammlung» am 23. April grünes Licht gibt, wird Nestlé Ende Monat knapp CHF 7.8 Mrd. oder rund 2.8% des Börsenwertes an die Aktionäre überweisen. Zwar ist die Aktie trotz Korrektur kein Schnäppchen. Doch laut Berenberg reflektiert die Prämie des Nahrungsmittelsektors dessen defensiven Reiz. «Wir alle müssen essen», schreiben die Analysten. Berenberg macht zu Recht keinen Hehl daraus, dass die aktuelle Krise auch Risiken für den Sektor mitbringt. Neben der Verschiebung des Konsums ausser Haus in Richtung «Stay at home» zählt die Privatbank mögliche Unterbrechungen der Lieferketten auf. Ausserdem könnte eine Rezession Innovationen sowie mögliche Preiserhöhungen in das kommende Jahr verschieben. Nestlé zählt dennoch zu Top Picks der Norddeutschen.

Anlagekonklusion:

In der Tat könnte die Korrektur bei der häufig als Obligationen-Ersatz bezeichneten Nestlé-Aktie gerade für langfristig orientierte Anleger eine Einstiegschance bieten. Aus Tradinggesichtspunkten fällt auf, dass die Unterstützung bei CHF 90 auf Schlusskursbasis gehalten hat. Zudem hat der MACD gerade ein Kaufsignal geliefert. Eine kurzfristige Positionierung auf der Long-Seite ermöglicht der Mini-Future FNESMU. Das UBS-Produkt zeigt aktuell einen Hebel von 4.5. Aufgrund der deutlich erhöhten Volatilität bringt Nestlé als Basiswert für Barrier Reverse Convertibles aufgepeppte Konditionen mit. Bei der Julius Bär-Neuemission SAYFJB beträgt der Coupon 7.3% p.a. Dieser Chance steht ein Risikopuffer von 20% gegenüber.

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