Learning Curve

Die liquiden, kostengünstigen, transparenten passiven, börsengehandelten Indexfonds sind eine Erfolgsgeschichte. Die Wachstumsdynamik an SIX Swiss Exchange hat auch im Jahr 2019 angehalten.

12/02/2020, by Dieter Haas
Schweizer ETF-Markt

Seit SIX Swiss Exchange im Jahr 2000 als eine der ersten Börsen in Europa ein ETF-Segment eröffnet hat, ist ihre Zahl rasant gestiegen. Ende 2019 konnten Anleger in 1'551 ETFs investieren. Die rasante Entwicklung sowohl der Anzahl gehandelter ETFs als auch der Umsätze hat sich im abgelaufenen Jahr nahtlos fortgesetzt. Das breit gefächerte Angebot von derzeit 24 Emittenten aus dem In- und Ausland deckt ein weites Spektrum ab. Die Mehrheit der Neuzugänge entfiel 2019 auf ETFs mit Bezug zu nachhaltigen Basiswerten. Exchange Traded Fonds gewinnen somit auch in unserem Land immer mehr Anhänger. Sie weisen gegenüber aktiv verwalteten Fonds zahlreiche Vorteile auf. So sind sie wesentlich günstiger. Ihre jährlichen Gebühren liegen teilweise bis 2% oder mehr unter denjenigen der klassischen Anlagefonds. ETFs werden wie Aktien oder Obligationen an der Börse gehandelt. Sie sind daher leichter handelbar. Das grosse Plus ist aber der klare Fokus auf einen spezifischen Basiswert. Während der Anleger bei aktiven Anlagefonds nie genau weiss, wie er positioniert ist, ob er allenfalls Markttiming betreibt oder nicht, ist die Sachlage bei ETFs klar, da diese sich an einem klar definierten Index orientieren und versuchen, diesen möglichst perfekt abzubilden. Wie klassische Anlagefonds unterstehen auch ETFs dem Bundesgesetz über kollektive Kapitalanlagen. Investoren müssen somit keine Abstriche eingehen in punkto Sicherheit.

«Ende 2019 konnten Anleger an SIX Swiss Exchange in 1'551 ETFs investieren.»

 

Unterteilung nach Kategorien
Seit Anfang 2016 werden die Umsätze der auf SIX Swiss Exchange gehandelten ETFs nach Kategorien aufgeschlüsselt. Mit Abstand der stärkste Zuspruch entfällt auf aktienbezogene ETFs, gefolgt von anleihebezogenen ETFs und ETFs mit Basiswerten auf Rohstoffe. Umsatz- als auch anzahlmässig sind aktienbezogene ETFs die Renner. Ende 2019 entfielen 87.7% auf diese Anlageklasse. Der Hauptharst entfiel auf Aktien entwickelter Märkte, gefolgt von Aktien auf Schwellenländer und Rohstoffe. Auf Quartalsbasis betrachtet (siehe Grafik 4) fällt auf, dass das erste Quartal in der Regel mit überdurchschnittlichen und das dritte mit unterdurchschnittlichen Umsätzen aufwartet. Keine Regel bekanntlich ohne Ausnahme. Im dritten Quartal 2019 profitierte der Schweizer ETF-Markt vom Ende der Börsenäquivalenz und erzielte den höchsten je in einem Quartal erzielten Umsatz. Im Vergleich zum Vorjahresquartal betrug das Plus rund 125%. Auffällig ist ferner der stetig abnehmende Umsatz der Anleihen-ETFs seit 2017.

UBS ist unangefochtener Marktleader
Der ETF-Markt an SIX Swiss Exchange wird durch die drei Anbieter UBS, BlackRock (iShares) und Lyxor dominiert. Ihre aufsummierten Anteile stiegen vom 1. Quartal 2017 bis zum 4. Quartal 2019 von 77.7% auf 88.7%. Mit aktuell 56.3% entfiel zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes im ETF-Segment auf die UBS. Die UBS und iShares/Black Rock lieferten sich lange Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Führung im ETF-Markt Schweiz. Seit dem 4. Quartal 2018 hat sich das Kräftemessen sukzessive zugunsten der Schweizer Grossbank verschoben. Während iShares/BlackRock seither kontinuierlich Marktanteilsverluste verzeichnete, vermochte Lyxor den ihren schrittweise zu steigern und schob sich im 4. Quartal 2019 auf Platz zwei. Der französische Vermögensverwalter profitierte zuletzt von der im Oktober stattgefundenen Integration der ComStage-Produkte. In den kommenden Monaten dürften Teile der bestehenden Doppelspurigkeit in der Palette von ComStage und Lyxor sukzessive ausgemerzt werden.

Tops und Flops
Eine Rangliste nach der Gesamtperformance in CHF, gemessen von Ende 2018 bis Mitte Januar 2020, zeigt ein bunt gemischtes Bild. Die beste Performance unter den an SIX Swiss Exchange gelisteten ETFs wiesen diverse ETFs auf das Edelmetall Palladium auf, wie beispielsweise ZPAL der ZKB. Daneben belegten gehebelte ETFs auf die Aktienindizes Euro Stoxx 50 (LYLVE) und DAX (XLDX) vordere Plätze, was in Anbetracht der haussierenden Aktienmärkte keine Überraschung darstellt. Hoch im Kurs standen ferner ETF mit Bezug zur IT- Branche wie der ETFs XLKS von Invesco auf S&P US Select Sector. Die wachstumsstarken Technologie Blue Chips, vorzugsweise mit US-amerikanischer Provenienz, waren im abgelaufenen Börsenjahr die Lieblinge der Anleger. Für viele überraschend dürfte die Spitzenrangierung von ETFs auf den russischen Aktienmarkt kommen. Knapp die Nase vorn hatte dabei CBRUS von Lyxor/ Comstage auf Dow Jones Russia GDR vor HRUB von HSBC auf den MSCI Russia. Die russische Börse ist nach der erstaunlichen Avance in den vergangenen Monaten im internationalen Vergleich nach wie vor moderat bewertet. Zudem zeigte sich auch der Rubel von seiner starken Seite. Er war im Vergleich zum CHF seit Ende 2018 die härteste Währung! Am Ende der Rangliste tummelten sich vornehmlich invers gehebelte ETFs auf den Short-DAX (LYDSD), den SMI (LYSSL) und den Euro Stoxx 50 (beispielsweise CBSX5S) sowie den Bund Future mit jeweils zweistellig negativen Gesamterträgen in CHF. Leicht negative Renditen wiesen des Weiteren zahlreiche ETFs auf Geldmarktanlagen oder kurzläufige EUR-Obligationen auf. Ein Exot unter den Flops war SPOL, ein ETF von iShares auf MSCI Polen. Im Gegensatz zu den meisten Aktienmärkten war in Polen seit Ende 2018 nichts zu holen.

 

 

Perspektiven
Eine Börsenweisheit besagt: «Wie der Januar, so das Jahr.» Nimmt man die ersten drei Wochen des laufenden Jahres als Massstab für die künftige Entwicklung, dann zeigt sich bis auf wenige Ausnahmen, wie beispielsweise dem ETF HTRY auf MSCI Turkey oder HMCT auf China A Inclusion, dasselbe Bild wie seit Ende 2018. Die alten Favoriten, allen voran die Palladium ETFs, starteten erneut fulminant ins neue Jahr. Nach einer bald elfjährigen Hausse an den Aktienmärkten dürften es die bisherigen Gewinner allerdings schwer haben, sich bis Ende 2020 erneut an der Spitze zu halten. Gute Chancen auf eine vordere Rangierung in der Jahreswertung 2020 besitzen ETFs auf Schwellenländer und solche auf dividendenstarke Blue Chips (Aristokraten). Im Segment der Rohstoffe haben die Edelmetalle Platin (beispielsweise PTUSA), Gold (beispielsweise ZGLD) und Silber (beispielsweise JBSICA) im Vergleich zu Palladium Nachholpotenzial. Für konservative Anleger bleibt der ETF SRECHA der UBS auf Schweizer Immobilienfonds (siehe Product News) ein Dauerbrenner.

12/02/2020
11/02/2020