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Die Berliner Online-Boutique steht kurz vor dem DAX-Aufstieg. Pünktlich zur Indexentscheidung könnte die Zalando-Aktie einen neuen Anlauf in Richtung des dreistelligen Kursterrains starten.

01/09/2021, by Wolfgang Hagl

Am 1. Juli 1988 rief die Deutsche Börse den DAX ins Leben. Robert Genz und David Schneider waren zu dieser Zeit noch im Kindesalter – die 1983 respektive 1982 geborenen Jungs dürfte von dieser Innovation also kaum Notiz genommen haben. Gut drei Jahrzehnte später schickt sich das Duo an, in die Riege der DAX-Vorstände einzuziehen und dieser eine Art Verjüngungskur zu verpassen. Das von Genz und Schneider mitgegründete E-Commerce-Unternehmen Zalando steht kurz vor dem Aufstieg in die erste deutsche Börsenliga.

Möglich macht diesen Ritterschlag die anstehende Indexreform. Die Deutsche Börse möchte ihre Benchmark mit einem modernisierten Regelwerk mehr an die internationalen Gepflogenheiten anpassen. Im Mittelpunkt der Novelle steht die Erweiterung des Index um zehn auf 40 Mitglieder. Am Freitag nach Börsenschluss in den USA teilt die Börse mit, in welcher Aufstellung der DAX in eine neue Epoche startet. Ab dem 20. September wird er in der erweiterten Form berechnet. Während bisher auch die Handelsumsätze einer Aktie für die Auswahl eine Rolle spielten, ist ab sofort die Marktkapitalisierung allein das entscheidende Kriterium. Per Ende Juli war Zalando nach dem Flugzeugbauer Airbus das zweitgrösste, nicht zum DAX zählende Unternehmen.

Anhaltendes Wachstum

Mit der Indexaufnahme würde das nächste Kapital in der Erfolgsstory des erst vor 13 Jahren gegründeten Dienstleisters aufgeschlagen. In einer Berliner WG fingen die heutigen Co-CEOs, Genz und Schneider, im Herbst 2008 damit an, Schuhe über das Internet zu vertreiben. Aus dem kleinen Start-up hat sich ein europaweit führender E-Commerce-Konzern für Mode und Lifestyle entwickelt. Operativ hievte die Corona-Pandemie respektive der vom Virus verursachte Lockdown den Händler in neue Sphären: 2020 sorgten annähernd 40 Millionen Kunden auf den Zalando-Portalen für ein Gross Merchandise Volume (GMV) von insgesamt EUR 10.7 Mrd. — 30.4% mehr als im Jahr zuvor. 

Obwohl viele Läden und Boutiquen mittlerweile wieder geöffnet haben, zeigt die Wachstumskurve weiter nach oben. Die CEOs möchten das Tempo im 2021 halten oder sogar leicht erhöhen. Konkret peilen sie beim Bruttowarenwert ein Wachstum zwischen 31% und 36% an. Nach einem starken ersten Semester hat Zalando den GMV-Ausblick bestätigt. Die Vorhersage für das operative Ergebnis (Stufe Ebit) passten die Berliner gleichzeitig an das obere Ende der Planungsspanne von EUR 400 bis EUR 475 Mio. an. Landet Zalando tatsächlich beim oberen Wert, würde das Ebit gegenüber 2020 um knapp 30% wachsen. Im zweiten Quartal liessen steigende Ausgaben für das Marketing den Profit schrumpfen. Die Margen-Erosion sorgte dafür, dass die Zalando-Aktie Anfang August mit Kursabschlägen auf die Vorlage des Zwischenberichts reagierte.

Anlagekonklusion:

Zu diesem Zeitpunkt befand sich der DAX-Aspirant bereits für rund einen Monat in einem Abwärtstrend. Einmal mehr liess dabei der Verkaufsdruck im Bereich der 200-Tage-Linie nach. Vom gleitenden Durchschnitt aus könnte der Noch-Mid Cap einen neuen Anlauf in Richtung EUR 100 starten. Seit Januar ist Zalando mehrmals am nachhaltigen Vorstoss in den dreistelligen Kursbereich gescheitert. Mit dem Long Mini-Future SGLONM können Trader darauf setzen, dass dieses Unterfangen von Erfolg gekrönt sein wird. Das von der Société Générale an der BX Swiss und auf Swiss DOTS gehandelte Papier partizipiert mit einem Hebel von aktuell 5.9 an steigenden Kursen bei Zalando. Während der Mini-Future bei rückläufigen Notierungen überproportional verliert, verfügt der Barrier Reverse Convertible RZAAAV über einen Risikopuffer von etwas mehr als einem Viertel. Solange Zalando bis zum 17. Juni 2022 nicht auf oder unter die Barriere von EUR 69.34 fällt, ist hier eine Maximalrendite von 9.1% fix.

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