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SNB im Bann des Frankens
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Christian Ingerl
Redaktor
Die SNB steht vor einer komplexen Aufgabe: Sie muss am Donnerstag eine Balance finden zwischen Preisstabilität, Wechselkurs und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit. Doch wie immer sich die Notenbanker entscheiden werden, die Rolle des Frankens als «sicherer Hafen» ist gefestigt. Und solange die Welt unsicher bleibt, dürfte er gefragt bleiben.
Die Spannung steigt mit jedem Basispunkt. Wenn sich der geldpolitische Rat der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am Donnerstag zur nächsten Lagebeurteilung trifft, richtet sich der Blick der Märkte weniger auf das, was beschlossen wird – sondern auf das, was unausgesprochen mitschwingt. Denn im Hintergrund steht ein Währungspaar, das seit Monaten eine klare Richtung kennt: EUR/CHF. Der Schweizer Franken hat deutlich aufgewertet, die Parität ist nicht nur gefallen – sie ist Geschichte.
Was einst als psychologisch hart umkämpfte Marke galt, ist längst durchbrochen. Weder der Euro noch der US-Dollar konnten sich dauerhaft über der Eins-zu-eins-Schwelle halten. Analysten sprechen inzwischen von einem «strukturellen Regimewechsel» zugunsten des Frankens. Die SNB steht damit vor einer heiklen Frage: Bremsen – oder laufen lassen?
Zinspolitik im Fokus
Auf den ersten Blick scheint der Handlungsspielraum der SNB begrenzt. Die Inflation in der Schweiz ist – anders als in der Eurozone – vergleichsweise moderat geblieben. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise im Februar wie bereits im Januar um 0.1%. Damit entfällt ein zentraler Grund für aggressive Zinserhöhungen. Doch genau hier liegt das Dilemma: Ein starker Franken wirkt deflationär. Importpreise sinken, die Kaufkraft steigt, aber zugleich geraten Exportwirtschaft und Tourismus unter Druck.
Eine Zinssenkung könnte den Franken theoretisch schwächen. Doch dieser Schritt birgt Risiken: Denn losgelöst vom Leitsatz könnte Kapital weiterhin in grossem Stil in den sicheren Hafen Schweiz fliessen, da die globalen Unsicherheiten zunehmen. Gleichzeitig würde eine zu expansive Politik das Inflationsziel gefährden. Bleibt also die Option der verbalen Intervention oder sogar direkte Eingriffe am Devisenmarkt. Die SNB hat in der Vergangenheit wiederholt gezeigt, dass sie bereit ist, Franken zu verkaufen und Fremdwährungen zu kaufen. Allerdings ist die politische Akzeptanz solcher Massnahmen inzwischen geringer, nicht zuletzt wegen internationaler Kritik. Daher wundert auch das Ergebnis einer neuen Umfrage nicht: Fast alle der 29 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter den Satz bei ihrer Sitzung nicht nur am Donnerstag bei null Prozent belassen werden, sondern ihn auch das ganze Jahr über nicht antasten. Laut der Ökonomin Sophie Altermatt von der Bank Julius Bär sind Devisenmarktinterventionen das wichtigste Instrument, um den Höhenflug der Währung zu bremsen.
Fluchtwährung
Die nüchterne Einschätzung lautet: Der Kampf um die Parität ist vorbei. Galt noch vor wenigen Jahren ein EUR/CHF-Kurs unter 1.0 als Ausnahmezustand, ist er heute zur neuen Normalität geworden. Die Gründe dafür liegen tiefer als kurzfristige Zinserwartungen. Vielmehr spiegelt der starke Franken eine grundlegende Verschiebung im globalen Risikoverhalten wider. Investoren suchen Sicherheit und finden diese in der Schweiz. Geopolitische Spannungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Der Krieg in der Ukraine, anhaltende Konflikte im Nahen Osten und zunehmende Handelsbarrieren zwischen grossen Wirtschaftsräumen haben das Vertrauen in viele Währungen erschüttert. In diesem Umfeld hat sich der Franken als klassische Fluchtwährung etabliert. Hinzu kommt die institutionelle Stabilität der Schweiz. Eine solide Staatsfinanzierung, politische Kontinuität und ein leistungsfähiger Finanzsektor machen die Devise attraktiv. Doch auch strukturelle Faktoren tragen zur Stärke bei. Die Leistungsbilanz der Schweiz weist regelmässig Überschüsse auf. Gleichzeitig investieren Konzerne stark im Ausland, was zu Rückflüssen in die heimische Währung führt.
Wie könnte es nun weitergehen?
Kurzfristig hängt vieles von der SNB ab. Sollte sie signalisieren, dass sie eine weitere Aufwertung toleriert, könnte der Franken zusätzliche Stärke gewinnen. Eine klare Bereitschaft zu Interventionen hingegen dürfte das FX-Duo zumindest temporär bremsen. Charttechnisch betrachtet befindet sich EUR/CHF in einem stabilen Abwärtstrend. Wichtige Unterstützungszonen wurden bereits unterschritten, wobei Momentum‑Indikatoren kurzfristig überverkaufte Bedingungen signalisieren, was Raum für technische Erholungen eröffnet. Die nächsten Widerstände auf der Oberseite befinden sich bei CHF 0.92 bis 0.94, auf der Unterseite könnte der Bereich zwischen CHF 0.88 und 0.90 als Support dienen. Langfristig bleibt der Franken jedoch ein strukturell starker Kandidat. Solange geopolitische Unsicherheiten bestehen und die Schweiz ihre wirtschaftliche Stabilität bewahrt, dürfte die Nachfrage hoch bleiben.
Anlagelösungen
Die jüngste Rückeroberung der CHF 0.90er-Marke könnte dafür sorgen, dass der Euro kurzfristig auf Erholungskurs bleibt, vor allem, wenn die SNB direkt oder zwischen den Zeilen Devisenmarkteingriffe oder Negativzinsen ins Spiel bringt. In diesem Fall könnte sich eine Long-Spekulation auf EUR/CHF lohnen. Ein passendes Produkt wäre der Mini Future UVVABP von der BNP Paribas. Das Papier verfügt über einen Hebel von 13.3, der Knock-Out befindet sich 5.6% entfernt. Der Stop-Loss-Level bei CHF 0.8559 CHF befindet unter dem skizierten Unterstützungsniveau.
Im übergeordneten Bild stehen die Zeichen allerdings auf eine Abwertung des Euro respektive Aufwertung des Schweizer Frankens. Ein solcher Verlauf lässt sich bestens mit dem Short Mini Future MEUBIV der Bank Vontobel umsetzen. Der Stop-Loss bei CHF 0.9630 erlaubt dem Währungspaar weiteres Erholungspotenzial, ohne ausgestoppt zu werden. Der Hebl beträgt 13.1. Etwas weniger aggressiv ist der Short EUARSU der UBS. Der Knock-out befindet sich bei diesem Open-End-Produkt bei CHF 0.9933, dafür fällt der Hebel mit 9.3 etwas niedriger aus.
