Trading Desk
Vonovia: Frischer Wind
-
Christian Ingerl
Redaktor
Die Wachstumsaussichten für den deutschen Immobilien-Konzern haben sich deutlich aufgehellt. Oben drauf kommt eine aussichtsreiche charttechnische Situation – was den DAX-Titel doppelt interessant macht.
Die Aktie von Vonovia befindet sich aktuell an einer entscheidenden Stelle: Rund zwei Monate sorgte nun die 100-Tage-Linie auf der Unterseite für Halt, der 200-Tage-Durchschnitt begrenzte dagegen auf der Oberseite das Potenzial. Ergo, der DAX-Titel bewegte sich wochenlang in einem engen Korridor zwischen EUR 28 und 29. Soeben ist dem Bluechip aber der Ausbruch über den längerfristigen Durchschnitt gelungen. Zwar stehen der Aktie noch ein paar horizontale Widerstände bis zum Jahreshoch bei EUR 33.93 entgegen, gleichzeitig hat sich aber auch die Chance erhöht, dass dies der Startschuss in einen mittelfristigen Aufwärtstrend war.
Positive Roadshow
Von operativer Seite bekommt Vonovia dabei kräftige Unterstützung. So hat Deutschlands grösster Wohnimmobilienkonzern soeben eine virtuelle Roadshow erfolgreich abgeschlossen. Die Kernbotschaft war, dass das Unternehmen, nachdem der Schuldenabbau beendet ist, sich in den kommenden Jahren nun wieder auf die Wachstumschancen konzentrieren wird. Ein perfekter Zeitpunkt, schließlich ist der deutsche Wohninvestmentmarkt gerade dabei, sich zu erholen.
Angesichts des anhaltenden Mangels an Angeboten sowie der Tatsache, dass die Marktmieten im Durchschnitt bei dem Doppelten gegenüber den Ist-Mieten liegen, ist ein solides Mietwachstum über viele Jahre hinweg gut absehbar. Experten gehen dvon aus, dass die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate beim Mietwachstum bis 2028 bei über 4% liegen wird. Auch die Wohnimmobilienwerte haben laut Finanzchef Philip Grosse ihren Tiefpunkt erreicht. Der Manager zeigte sich sehr zuversichtlich, dass sich zumindest ein Teil des Mietwachstums im ersten Halbjahr in Wertsteigerungen niederschlagen wird. Ohne eine wesentliche Veränderung der Anleiherenditen wird sich der positive Trend mittelfristig fortsetzen, und die starken Mietwachstumsaussichten werden zu höheren Vermögenswerten und einer organischen Entschuldung der Bilanz führen.
Politischer Rückenwind
Auch in die Ergebnisseite dürfte allmählich Schwung kommen. So könnte das Ebitda-Wachstum nach Schätzungen von Kepler Cheuvreux das Mietwachstum deutlich übertreffen: Während das operative Ergebnis im Mietbereich bis 2028 voraussichtlich im mittleren einstelligen Bereich zulegen wird, dürfte die Erholung des Nicht-Mietgeschäfts und neue Wachstumsinitiativen bis 2028 ein Wachstum des konzernweiten Ebitda von rund 30% ermöglichen. Laut CFO Grosse kommt auch die neue Regierungspolitik Vonovia entgegen. So legt die neue Koalition unter anderem grossen Wert darauf, das Angebot durch niedrigere Baukosten und schnellere Genehmigungen zu stimulieren, um die Mieten für neue Wohnungen zu senken. Auch sollen die Staatsausgaben um rund EUR 100 Mrd. für den Klima- und Transformationsfonds steigen, wovon ein grosser Teil in den Wohnungsmarkt fliessen wird.
Chefwechsel
Frischen Wind in das Unternehmen könnte zudem der anstehende CEO-Wechsel bringen. Nach 12 Jahren im Amt gibt der noch amtierende Vorstandschef Rolf Buch Ende 2025 das Zepter an den ehemaligen SAP-Finanzchef Luka Mucic weiter. Laut den Experten von Kepler Cheuvreux verfügt der neue Mann an der Spitze zwar nicht über Immobilienerfahrung, dafür bringt er aber umfassendes B2C- und B2B-Wissen mit. Folglich dürfte es zu keinem wesentlichen Strategiewechsel kommen und da die verbleibenden Vorstandsmitglieder über umfangreiche Immobilienerfahrung verfügen, sollte der Übergang reibungslos verlaufen. «Ich werde meinem Nachfolger ein ordentlich bestelltes Haus besenrein übergeben», versicherte Buch auf der jüngsten Generalversammlung. Um dem Nachdruck zu verleihen hat der CEO die Mittelfristziele noch einmal bestätigt. Der bereinigte operative Gewinn soll bis 2028 um 30 Prozent im Vergleich zu 2024 zulegen.
Anlagelösungen
Anleger, die auf einen Ausbruch der Vonovia-Aktie setzen möchten, können sich mit dem Long Mini Future IVN4OZ der ZKB auf die Bullen-Seite stellen. Das Produkt bietet einen Multiplikator von 4.1 und profitiert damit an steigenden Kursen des Basiswertes überproportional. Der Knock-Out befindet sich bei EUR 23.7723 und damit 20.9% vom aktuellen Kursniveau entfernt.
Wer davon ausgeht, dass sich der deutsche DAX-Titel auf dem aktuellen Niveau weiterhin eine Verschnaufpause gönnt, kann den frisch emittierten Barrier Reverse Convertible RVNACV der Bank Vontobel mit einer Laufzeit von einem Jahr ins Auge fassen. Das Produkt stellt eine Renditechance von 8.25% p.a. in Aussicht. Die Barriere befindet sich bei EUR 21.20 – ein Puffer von 29.5%.
