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payoff Michael Sznajer, Portfoliomanager Global Renewables im Ecofin Investmentteam bei Redwheel Opinion Leaders

Wer Strom ignoriert, handelt auf eigene Gefahr

19.08.2025 6 Min.
  • Michael Sznajer
    Portfoliomanager Global Renewables
    Ecofin Investmentteam bei Redw

Die zunehmende Elektrifizierung der Welt ist ein fundamentaler Wandel, der Kapitalflüsse, Bewertungen und Allokations-Entscheidungen betrifft. Wer heute investiert, entscheidet mit, wer die Energie-Giganten von morgen sein werden.

In den letzten Jahren hat sich die Energielandschaft dramatisch verändert, wobei Elektrizität einen immer grösseren Anteil am weltweiten Energieverbrauch ausmacht. Dieser Wandel wird etwa durch die rasche Verbreitung von Elektrofahrzeugen, Wärmepumpen, Induktionsherden und einer wachsenden Anzahl von elektrischen Industrielösungen vorangetrieben, die herkömmliche Lösungen für fossile Brennstoffe ersetzen. In jüngster Zeit haben grosse Rechenzentren, die erhebliche Mengen an Strom benötigen, für Schlagzeilen gesorgt. Wir erwarten, dass sich all dies in den nächsten Jahren sehr deutlich auf den Markt auswirken wird – zunächst in den USA und dann in Europa.

Für Investoren sind die Auswirkungen tiefgreifend: Die steigende Stromnachfrage verändert den Energiesektor grundlegend und erhöht die Aussicht auf eine neue Art von Energie-Giganten. Traditionelle Allokationen, die sich auf fossile Brennstoffe konzentrieren, laufen Gefahr, diesen strukturellen Trend zu verpassen. Wir sind der Ansicht, dass Anleger ihr Energie-Exposure überdenken müssen, um an der nächsten Wachstumsphase teilzuhaben.

Vom Verbrauch zur Kapitalisierung: Strom ist auf dem Vormarsch

Sowohl in den USA als auch in Europa ist der gesamte Energieverbrauch in den vergangenen zwei Jahrzehnten zurückgegangen – ein Beleg für die Fortschritte bei der Energieeffizienz. Auffällig ist jedoch, dass die Stromnachfrage gestiegen ist und regelmässig den Gesamtenergieverbrauch übertroffen hat.Paradoxerweise ist angesichts der Energieressourcen und des jeweiligen politischen Umfelds ein deutlicher Kontrast zwischen den Regionen festzustellen. Seit 2004 verzeichneten die USA eine starke Elektrifizierung, während in Europa der Stromverbrauch weitgehend konstant blieb – was auf eine deutliche Verringerung der Energieintensität der europäischen Wirtschaft zurückzuführen ist.

Abb. 1: Energie- und Stromverbrauch
Quelle: EIA, IEA. *Der europäische Energieverbrauch für 2024 ist eine Schätzung*. Europa = OECD-Europa (IEA). „Btu“ steht für British Thermal Units, „Tr“ für Billionen. Jeder Balken zeigt den Verbrauch für ein bestimmtes Jahr.

Trotz dieser Unterschiede liegt Europa bei der Elektrifizierung vorn: 22,2 Prozent des Energiebedarfs werden durch Strom gedeckt, verglichen mit 15,6 Prozent in den USA. Allerdings dürften die USA diesen Rückstand bald aufholen, etwa durch den raschen Ausbau energieintensiver Rechenzentren, die Rückverlagerung von Industrie und den wachsenden Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen – allerdings von einem niedrigen Ausgangsniveau.Diese Entwicklungen spiegeln sich auch an den Finanzmärkten wider. Im gleichen Zeitraum von 20 Jahren stieg die Marktkapitalisierung traditioneller Energiewerte – insbesondere Öl und Gas – sowohl in den USA als auch in Europa deutlich langsamer als die ihrer Wettbewerber im Elektrizitätssektor.

Abb. 2: Marktkapitalisierungen nach Regionen und Teilsektoren
Quelle: Bloomberg, Dezember 2024. (Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf künftige Erträge.)

Aufstieg der Stromkonzerne

Relevant ist, neben der Marktkapitalisierung, auch die Reichweite: Historisch gesehen waren europäische Energieunternehmen europaweit oder darüber hinaus tätig, sie konnten sich daher leichter zu grossen Unternehmen entwickeln. Aufgrund von wirtschaftlichem Nationalismus oder der Regulierung neigten Elektrizitätsunternehmen in den USA dazu, auf Ebene der Bundesstaaten, mehrerer Bundesstaaten oder der unabhängigen Systembetreiber (Independent System Operator ISO) zu arbeiten, in Europa dagegen auf Länderebene. Die Migration zu Stromquellen wie Wind und Solar sowie die Notwendigkeit eines widerstandsfähigeren Netzes werden die Entstehung national und kontinental aktiver Betreiber deutlich beschleunigen.

Wir glauben, dass die zunehmenden Elektrifizierungstrends – wie das hohe Wachstum bei Elektro- und Hybridfahrzeugen in Europa sowie zahlreiche Ankündigungen neuer, stromintensiver Rechenzentren der Hyperscaler in den USA – wichtige Treiber für eine langfristig starke Investmentperformance waren und bleiben werden. So konnte der fundamentale Investment-Case für Elektrizität auch regulatorische Unsicherheiten in einem Umfeld vergleichsweise stabiler Zinsen überwinden.

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