Trading Desk
Apple: Zeit für Gewinnmitnahmen?
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Wolfgang Hagl
Redaktor
Der iPhone-Hersteller hat die nach der jüngsten Zahlenvorlage eingesteckten Kursverluste aufgeholt. Allerdings ist die Apple-Aktie zunächst am Sprung über einen horizontalen Widerstand gescheitert.
Ende August hat Tim Cook den operativen Chefsessel bei Apple geräumt. Nach 15 Jahren als CEO wechselte er in den Verwaltungsrat. Eine lange Pause gönnte sich der 65-jährige nicht. Am 20. September hat er in der Konzernzentrale des iPhone-Herstellers den australischen Premierminister Anthony Albanese getroffen. Wenige Tage später zählte Cook zu den erlesenen Gästen eines Staatsbanketts im Weissen Haus. US-Präsident Donald Trump richtete den feierlichen Anlass für Chinas Machthaber Xi aus. Der Apple-Manager sass mit den beiden Staatschefs am Haupttisch. Dort nahmen auch die CEOs von AMD (Lisa Su), Tesla (Elon Musk) und Nvidia (Jensen Huang) Platz. Offenbar wollte die US-Administration die Themen Hightech, Halbleiter und KI in den Fokus der Beziehungen mit China stellen.
Ernüchternder Zwischenbericht
Auf jedem dieser Themenfelder ist Apple unterwegs. Dabei spielt das Reich der Mitte eine zentrale Rolle. In den ersten neun Monaten der Fiskalperiode 2026 (per Ende September) hat der Technologieriese knapp 18% seiner Umsätze im Verkaufsgebiet «Greater China» erwirtschaftet. Gleichzeitig war die Region ein Wachstumstreiber. Während Apple als Ganzes für die ersten drei Quartale ein Umsatzplus von 16.2% erzielt hat, nahmen die Erlöse in China um knapp 30% zu. Die Wall Street war dennoch nicht zufrieden, Analysten hatten mit einer noch schnelleren Gangart in Fernost gerechnet. Für Ernüchterung sorgte der iPhone-Hersteller auch noch mit dem Ausblick. Cook stellte für das Schlussquartal ein Umsatzwachstum von 9% bis 11% in Aussicht – der Konsens hatte zuvor eine Steigerung um 12% impliziert.
Mit dem heutigen Tag schliesst Apple das vierte Quartal und damit die Geschäftsperiode 2026 ab. Operativ standen die vergangenen Monate im Zeichen der nächsten Produkt-Generation. Anfang September präsentierte der neue CEO, John Ternus, unter anderem das erste faltbare Smartphone von Apple. Während der Konzern für das iPhone Duo erst ab dem 16. Oktober Vorbestellungen entgegennimmt, liefert er das iPhone 18 Pro bereits aus. An Hand einer Auswertung der Bestellzeiten bescheinigt J.P. Morgan dem Produkt bis dato eine «gesunde» Nachfrage.
Brisanter Themenmix
Erste Zahlen vom Unternehmen selbst gibt es Ende Oktober, wenn Apple die Resultate für Schlussquartal vorlegt. Dann dürften auch die KI-Strategie sowie auch und gerade das Thema Halbleiter im Fokus stehen. Im Sommer hatte das Management über Engpässe bei elektronischen Bauteilen geklagt – und nicht zuletzt deswegen beim Ausblick Vorsicht walten lassen. Der KI-Boom zerrt kräftig an den Produktionskapazitäten für Prozessoren und treibt die Preise. Apple versucht, die Kosten an die Kundschaft weiter zu geben und hat seinerseits die Preise für mehrere Produkte angehoben. Das iPhone blieb zunächst zwar aussen vor. Doch müssen die «Apple-Jünger» für die neuen Modelle tief in die Tasche greifen. Beim faltbaren «Duo» liegt der Einstiegspreis bei CHF 1’999, während Apple für die Ausführung mit 2 TB Speicher satte CHF 3’199 aufruft.
Anlagelösung
An der Wall Street erlebte der kalifornische Branchenriese einen wechselhaften Sommer. Am 29. Juli, dem Tag der Zahlenvorlage, markierte Apple noch ein Allzeithoch von USD 344.57. Nachdem der Konzern den Zwischenbericht nachbörslich präsentiert hatte, kippte die Stimmung. Innert zwei Tagen brach der Large Cap um bis zu 13% ein. Im Bereich von USD 300 bildet sich ein Boden, von dem aus Apple mittlerweile sämtliche Abschläge aufholen konnte. Im Bereich von USD 340 ist die kurzfristige Rallye ins Stocken geraten. Hier steht Apple nun von einem horizontalen Widerstand.
Nach den jüngsten Avancen ist es gut möglich, dass zunächst Gewinnmitnahmen anstehen. Dafür spricht auch die an der Wall Street gerade intensiv geführte Diskussion um die KI-Sicherheit. Mit dem Mini-Future Short mit der ISIN CH1578878675 können Trader darauf setzen, dass die Apple-Aktie an der skizzierten Hürde abprallt und zunächst nach unten tendiert. Das von BNP Paribas auf Swiss DOTS gehandelte Produkt zeigt momentan einen relativ moderaten Hebel von 3.7. Gleichwohl drohen überproportionale Verluste, falls die Bullen die Oberhand behalten und Apple nach oben ausbricht.
