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payoff Learning Curve

BRC: Rendite mit Sicherheitsabstand

13.10.2026 4 Min.
  • Christian Ingerl
    Redaktor

Der Barrier Reverse Convertible (BRC) ist im Schweizer Markt für Strukturierte Produkte seit jeher ein «Blockbuster». Um die Stärken dieses Produkts zu dokumentieren, wurde vom Branchenverband SSPA vor einem Jahr der Benchmark Index aufgelegt – wir ziehen eine erste Bilanz.

An SIX Swiss Exchange sind mehr als 11’000 BRCs kotiert. Tag für Tag legen die Emittenten nach und öffnen die Zeichnung für neue Produkte. Die Beliebtheit dieser Struktur geht auf ihr Auszahlungsprofil zurück. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine Obligation: Der Investor stellt dem Emittenten das Nominal zur Verfügung und erhält im Gegenzug das Versprechen einer regelmässigen Ausschüttung. Anders als bei einer klassischen Anleihe ist die Tilgung jedoch nicht nur an die Bonität des Schuldners gekoppelt. Vielmehr erhält jeder BRC einen oder mehrere Basiswerte. Zur Endfälligkeit bekommt der Anleger seinen Kapitaleinsatz unter folgender Voraussetzung vollständig zurück: Keines der zugrunde liegenden Assets fällt auf oder unter die Barriere. Im Gegenzug für dieses Risiko zahlt der BRC einen Coupon, der für gewöhnlich deutlich über den am Rentenmarkt erzielbaren Erträgen liegt.

Strikte Regeln, breite Basis

Im September 2025 hat die Swiss Structured Products Association (SSPA) einen Gradmesser für das Segment der BRCs lanciert. Mit dem SSPA Benchmark Index wollte der Branchenverband nach eigenen Angaben dauerhaft unter Beweis stellen, dass diese beliebte Struktur funktioniert. Auf diese Weise soll der Index die Akzeptanz im Markt und das Produktverständnis stärken. Für die in USD, CHF und EUR berechnete Benchmark gelten strikte Regeln. Es sind jeweils zwölf standardisierte BRCs enthalten, die auf den bekannten Börsengradmessern S&P 500, EURO STOXX 50 und Nikkei 225 basieren. «Diese decken zusammen rund 75% des MSCI World Index ab und sorgen für breite internationale Diversifikation», erklärt die SSPA. Jedes enthaltene Produkt hat eine Laufzeit von zwölf Monaten, einen Strike von 100% sowie eine Barriere von 70% der Startkurse. In der Struktur steckt eine europäische Option. Das heisst, die Schutzschwelle ist erst am Laufzeitende aktiviert. Die Kursentwicklung bis dahin spielt keine Rolle. 

Die Laufzeiten sind gestaffelt. Dadurch fällt jeden Monat ein BRC aus dem Index. Das vereinnahmte Kapital fliesst inklusive Coupon in ein neues Produkt. Um bestmögliche Konditionen zu erhalten, greift das Konzept auf zwei spezialisierte Marktplätze zurück. Über die Portale Deritrade und Evooq geben die Emittenten ihre Offerten ab – das attraktivste Angebot kommt zum Zug. Für die fortlaufende Berechnung ist die Solactive AG verantwortlich. Der Dienstleister aus Frankfurt egalisiert Monat für Monat die Gewichtung der enthaltenen BRCs und zieht fortlaufend die Verwaltungsgebühr von 1% von der Performance ab. 

Überzeugende Historie

Soweit die Regeln. In der Praxis unterstreicht der SSPA Benchmark Index die Zwitterstellung der Renditeoptimierungsprodukte. BRCs können bei weitem nicht mit den seit Jahren nach oben strebenden Aktienmärkten Schritt halten. Sie schneiden aber deutlich besser ab als Obligationen. Um diesen Status zu belegen, hat der Branchenverband die Universität Zürich mit einer umfassenden Analyse beauftragt. Im Rahmen der Studie zogen die Wissenschaftler einen Vergleich der SSPA Benchmark mit Aktien und Anleihen für die Zeit ab 2008 bis in den Sommer 2024. Mit 3% lag die jährliche Kursschwankungsbreite der BRC-Benchmark nur knapp über derjenigen der Schweizer Eidgenossenschaft. Die Volatilität des MSCI World Index betrug für den Betrachtungszeitraum auf jährlicher Basis rund 17%. Geht es nach der risikoadjustierten Rendite, der so genannten Sharpe Ratio, stellte der SSPA Benchmark Index sowohl Aktien als auch Obligationen klar in den Schatten.

Seit dem «Go live» hat sich das an der Universität im Backtesting ermittelte Bild bestätigt. Zwar wurde der Benchmark Index von den zwischenzeitlichen Börsenrücksetzern – zuletzt beim Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar – ausgebremst. Doch abgesehen davon zeichnet der Gradmesser eine stabile Aufwärtsbewegung. Mit einem Wertzuwachs von annähernd einem Fünftel seit Ende Juli 2024 hebt sich die Variante in USD ab. Hier macht sich das unterschiedliche Zinsniveau in den drei Währungsräumen bemerkbar. Auf USD basierende BRCs werfen für gewöhnlich weitaus höhere Coupons ab als vergleichbare Produkte in EUR und vor allem in CHF. 

Die SSPA ist mit dem Start des Gradmessers zufrieden. «Im ersten Jahr haben Nutzung und
Sichtbarkeit kontinuierlich zugenommen, sowohl auf der Buy Side als auch auf der Sell Side», erklärte das Vorstandsmitglied Sylveline Besson vor Kurzem im Gespräch mit der «Finanz und Wirtschaft». Ihrer Ansicht nach wurde die Lancierung in der Branche positiv aufgenommen. Erstmals stehe damit ein transparenter und regelbasierter Referenzwert für eine typische Renditeoptimierungsstruktur zur
Verfügung. In dem Interview skizziert Besson Anwendungsbeispiele für die Benchmarks. «Im
Wealth Management ermöglichen sie den Vergleich der Performance von Strukturierten Produkten in Portfolios, die im Rahmen von Beratungs- oder diskretionären Mandaten verwaltet werden», erklärt die SSPA-Vertreterin unter anderem.

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