Learning Curve
Finanzprodukte: Orientierung im Produktuniversum
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Silvan Thoma
Director Financial Services – Legal, Regulatory & Compliance
PwC Schweiz
Wer ein Finanzprodukt lanciert, muss zahlreiche regulatorische, rechtliche und steuerliche Fragen klären. Unsere vierteilige Serie gibt einen Überblick über die wichtigsten Aspekte. Der erste Teil zeigt, welche regulatorischen Überlegungen bereits bei der Strukturierung entscheidend sind.
Teil 1: Regulatorische Weichenstellungen bei der Strukturierung
Grundsatzfragen zu Beginn
Am Anfang jeder Produktlancierung steht die Strukturierung. Dabei geht es in erster Linie darum, die passende Jurisdiktion für den Emittenten zu finden, das geeignete Vehikel auszuwählen und die Produktidee regulatorisch wie steuerlich tragfähig zu planen. Je nach Zielsetzung kann etwa ein Derivat besser geeignet sein als ein ETF oder umgekehrt. Ein ETF hat beispielsweise den Vorteil, dass Privatanleger ihn einfach an der Börse handeln können. Regulatorisch ist das Aufsetzen eines ETF jedoch wesentlich anspruchsvoller und kostspieliger als das Strukturieren und der bilaterale Abschluss eines Derivats.
Die wichtigsten Kriterien für den Entscheid sind die Investmentstrategie, die geografischen Zielmärkte und die Investoren, an die sich das Produkt richtet. Davon hängen weitere Faktoren ab, etwa ob ein liquider Sekundärmarkthandel nötig ist, wie die Aktionärsstruktur des Emittenten ausgestaltet wird und ob der Emittent in diesem Zusammenhang rechtlich und regulatorisch von Gruppengesellschaften abgegrenzt werden muss.
Vor- und Nachteile abwägen
Jede Strukturierungsoption hat Vor- und Nachteile, die gegeneinander abzuwägen sind. So kann die aktive Verwaltung eines Finanzprodukts eine finanzmarktrechtliche Bewilligungspflicht auslösen, und die Wahl eines bestimmten Vehikels kann die zulässigen Investmentstrategien einschränken. Börsenregularien oder staatliche Finanzmarktregulierung sehen zudem meist vor, dass Basiswerte mit Hebelwirkung (Leverage) oder illiquide Basiswerte wie Private Equity in Produkten für Privatanleger nicht oder nur begrenzt eingesetzt werden dürfen. Auch deshalb muss bei der Strukturierung klar sein, an wen das Produkt vertrieben werden soll. Zielgruppe und Vertriebsland wiederum bestimmen massgeblich, wie umfangreich das Produkt dokumentiert sein muss und wer es vertreiben darf. All diese Punkte entscheiden darüber, ob sich eine Lancierung finanziell überhaupt lohnt, und sie sollten deshalb möglichst früh geklärt werden.
Partner auswählen, Kosten einplanen
Sobald die Grundzüge des Produkts definiert sind, gilt es, passende Partner für die Struktur zu finden. Welche das sind, hängt vom gewählten Vehikel ab. Infrage kommen etwa Verwahrstellen, Berechnungsstellen, Zahlstellen, Market Maker, Gläubigervertreter, Vermögensverwalter oder Indexanbieter. Je nach Zielmarkt und Zielgruppe empfiehlt es sich zudem, frühzeitig auf Vertriebspartner zuzugehen und deren Gebühren in die Planung einzubeziehen. Nur so lässt sich verlässlich abschätzen, ob die Rechnung am Ende aufgeht.
Im zweiten Teil der Serie lesen Sie, wie ETFs, ETPs, Derivate und Strukturierte Produkte steuerlich behandelt werden und warum das für den Markterfolg zählt.