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Hormus treibt den Ölpreis – doch 2027 droht ein Angebotsüberschuss

05.08.2026 4 Min.
  • Investmentausblick Eurizon

Das Wachstum in den USA bleibt solide und stabil, in der Eurozone hingegen schwächer, aber dennoch positiv.

Im Juni verlangsamte sich die Inflation, doch die erneute Schliessung der Strasse von Hormus könnte diesen Rückgang bremsen. Die Geldmärkte preisen sowohl für die EZB als auch für die Fed eine Zinserhöhung bis zum Jahresende und eine weitere in 2027 ein.

Aufgrund der Schwankungen des Ölpreises sind Staatsanleihen volatil, bieten jedoch dank höherer Kuponzinsen als die mittelfristig erwartete Inflation attraktive Renditen. Aufgrund der wieder aufgekommenden geopolitischen Spannungen bleiben die Spreads relativ stabil und bieten im Vergleich zu Staatsanleihen eine interessante zusätzliche Renditequelle.

Die geopolitischen Spannungen sind kurzfristig weiterhin der wichtigste Faktor für den Ölpreis, doch der Konflikt im Persischen Golf hat das Marktgleichgewicht mittelfristig verändert und paradoxerweise die Voraussetzungen für einen künftigen strukturellen Angebotsanstieg ab 2027 geschaffen. Dies trägt dazu bei, die Preise unter Kontrolle zu halten.

Erdöl: Zwischen Hormus und dem Überschuss im Jahr 2027

Die OPEC+ geht zweifellos geschwächt aus dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran hervor. Die Vereinigten Arabischen Emirate traten am 1. Mai aus dem Kartell aus und befreiten sich damit vom Quotensystem. Daraufhin erklärte auch der Irak, seine Produktion erhöhen zu wollen, und drohte mit einem Austritt aus der OPEC, sollte seiner Forderung nichtentsprochen werden.

Die Blockade der Exporte aus dem Persischen Golf wirkt als starker Anreiz zur Produktionssteigerung für alle Länder, die nicht durch die Strasse von Hormus fahren müssen (OPEC+ und Nicht-OPEC-Länder). Die Produktionsdaten für Juni haben diesen Trend bestätigt, auch wenn der Schiffsverkehr durch die Meerenge nur teilweise möglich war: Viele OPEC+-Länder haben ihre Produktion über die ihnen zugewiesenen Quoten hinaus gesteigert.

Unter diesen Umständen wird es Saudi-Arabien nicht gelingen, die Rolle einer „Öl-Zentralbank“ auszuüben, zumindest nicht, bis sich der Markt wieder normalisiert hat. Die Saudis verfügen über hohe Spare Capacity (ungenutzte, aber sofort verfügbare Produktionskapazitäten) und sehr niedrige Produktionskosten, weshalb sie einen Preiskrieg (wie im Jahr 2020) auslösen könnten, um den Markt zu ihren Gunsten neu zu gestalten. Da jedoch die physische Möglichkeit zum Export fehlt, ist dieses Szenario derzeit nicht realisierbar.

Auf kurze Sicht dürfte der Ölpreis weiterhin Schwankungen unterliegen, zumal die kommerziellen Lagerbestände der OECD-Länder auf einem niedrigen Niveau bleiben und die Fähigkeit des Marktes einschränken, eventuelle weitere Angebotsengpässe aufzufangen.

Ein wichtiger Faktor, der den Preis drückt, kommt aber aus China, dessen Nachfrage in den letzten Jahren flexibler geworden ist und somit als Gegengewicht zu den Marktexzessen wirkt. Bei einem Preis über 80 US-Dollar reduziert China seine Käufe nämlich drastisch, sodass dies den Rohölpreis beeinflusst und dessen Anstieg dämpft. Zwischen März und Juni sind die monatlichen Ölimporte Chinas drastisch um 51 % gesunken.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren geht der Markt weiterhin davon aus, dass ein Normalisierungsszenario in den nächsten 6 bis 9 Monaten wahrscheinlicher ist, wobei das derzeit blockierte Angebot wieder zurückkehren und sich zum Wachstum aus den OPEC+- und Nicht-OPEC-Ländern hinzugesellenwird.

Schätzungen zufolge wird es im Frühjahr 2027 zu einem Angebotsüberschuss von rund 4 mbg (Millionen Barrel pro Tag) kommen. Ohne eine deutliche Deeskalation ist ein solcher „Gegen-Schock“ auf der Angebotsseite derzeit jedoch noch in weiter Ferne.

Szenarien

  • <50 USD – Das US-Schieferöl gerät in Schwierigkeiten, die USA üben Druck auf Saudi-Arabien aus, die Produktion zu drosseln. Es besteht die konkrete Gefahr eines Preiskampfs als Reaktion Saudi-Arabiens, um Marktanteile zurückzugewinnen.
  • Zwischen 50 USD und 65 USD – China kauft aggressiv ein, um seine Vorräte aufzustocken (eine Strategie, die das Land seit der Wiedereröffnung nach der Corona-Krise verfolgt).
  • Zwischen 65 USD und 80 USD – Dieser Bereich stellt die Gleichgewichtsspanne dar, in der sich die wichtigsten Abwärts- und Aufwärtskräfte gegenseitig neutralisieren. In dieser Spanne bewegte sich der Ölpreis während des gesamten Jahres 2025 und eines Grossteils des Jahres 2024.
  • Zwischen 80 USD und 100 USD -Alle Förderländer verzeichnen auch hinsichtlich des steuerlichen Breakeven deutliche Gewinne, doch China stellt seine Öleinkäufe ein und übt damit einen Abwärtsdruck aus (wie der drastische Rückgang der Importe zeigt).
  • >100 USD – Der Benzinpreis in den USA liegt bei über 4 USD pro Gallone, was zu einem Verlust an politischer Zustimmung führt. Eine solche Entwicklung ist für jede amtierende US-Regierung unerwünscht, weshalb diese in der Regel auf globaler Ebene eingreift, um die Produktion zu steigern. Ab diesem Niveau besteht ein konkretes Risiko für das globale Wachstum.

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