Opinion Leaders
KI-Aktienblase: Die Warnsignale nehmen zu
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Dr. Ivo Kovachev
Senior Portfoliomanager
J O Hambro
Finanzblasen werden durch überzeugende Narrative, reichlich vorhandene Liquidität und die Überzeugung angeheizt, dass „es dieses Mal anders ist“.
Die Geschichte zeigt jedoch, dass sich die Märkte letztendlich wieder an die Fundamentaldaten anpassen – und wenn dies geschieht, erfolgt die Korrektur oft schnell und gnadenlos. Die jüngste Korrektur bei KI-bezogenen Aktien ist eine Erinnerung an diese zeitlose Lektion für Anleger.
Eine starke Überzeugung von einem vorherrschenden Trend kann beeindruckende Renditen generieren, solange die Rahmenbedingungen günstig sind, doch die Bewältigung von Phasen mit Marktstress erfordert andere Fähigkeiten: das Verständnis von Abwärtsrisiken, das Management der Hebelwirkung und die Wahrung der Disziplin, wenn sich die Marktdynamik ändert. Dies wirft auch Fragen zum „kreisförmigen Investieren“ auf, bei dem sich durch überschneidende Beziehungen zwischen Prime Brokern, Handelsfirmen und Risikokapitalinvestoren Kapital und Vertrauen gegenseitig verstärken können. Ähnlich wie die Bedenken hinsichtlich der „zirkulären Finanzierung“ im Bereich der KI machen solche Dynamiken eine strenge, unabhängige Due Diligence umso wichtiger.
Angesichts dieser Marktverwerfungen sind die strengen Standards, die traditionell von professionellen Anlegern angewendet werden, besonders relevant. Seit Jahrzehnten erfordern professionelle Anlagen eine über Jahre nachgewiesene Performance, eine klar formulierte Anlagephilosophie, einen wiederholbaren Prozess und erfahrene Portfoliomanager. Erfahrung ist zwar keine Garantie für Erfolg, bietet aber etwas, das sich nur schwer schnell erwerben lässt: das Urteilsvermögen und die Perspektive, die sich aus Investitionen in unterschiedlichen Marktumfeldern ergeben. Wenn Märkte eher von Begeisterung als von sorgfältiger Prüfung getrieben werden, besteht die Gefahr, dass diese Fundamentaldaten übersehen werden und die Kapitalallokation selbst verzerrt wird. Hype mag Kapital anziehen, doch Erfahrung, Disziplin und ein robuster Anlageprozess sind entscheidend, wenn sich die Bedingungen ändern.
KI-Aktien auch nach Korrektur noch zu teuer
Für die meisten erfahrenen Anleger dürfte es nicht besonders schwer gewesen sein, zu erkennen, dass die Überbewertung bei KI-bezogenen Aktien sowohl real als auch aussergewöhnlich war. Auch wenn die Bewertung an sich nicht unbedingt ein Auslöser ist, stellt sie letztlich doch einen begrenzenden Faktor dar. Selbst nach dieser „Korrektur“, die in vielen Fällen mit erheblichen prozentualen Rückgängen einherging, erscheinen einige Aktien gemessen an den relevantesten Bewertungskennzahlen immer noch teuer. Die Daten liefern überzeugende Argumente dafür, dass der Ausverkauf nicht in erster Linie durch eine Verschlechterung der kurzfristigen Gewinnerwartungen getrieben war. Vielmehr spiegelte er eine Verringerung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse, eine Herabstufung der Bewertungen, die Auflösung von Positionen und in gewissem Masse auch eine Verlangsamung des Tempos bei den Gewinnanhebungen wider. Ganze Wertschöpfungs- und Lieferketten, insbesondere in Märkten wie Korea und Taiwan, wo zahlreiche kleinere, eher spekulative „Picks-and-Shovels“-Unternehmen zu Marktfavoriten geworden waren, wurden niedriger bewertet. Die Anleiherenditen stiegen, während die Aktienrisikoprämie auf ein historisches Tief gesunken war, sodass den Anlegern für das Eingehen von Aktienrisiken immer weniger Vergütung blieb. In diesem Umfeld war eine Neubewertung hoch bewerteter KI-bezogener Unternehmen eine logische Folge.
Auch mehrere allgemeine Marktsignale mahnten zur Vorsicht. Zunehmende Verschuldung, eine Rekordbeteiligung von Privatanlegern, gehebelte ETFs und anhaltende Begeisterung in den Medien schufen zusammen Bedingungen, die typischerweise mit spekulativen Exzessen verbunden sind. Keiner dieser Faktoren allein führt zum Platzen einer Blase. Zusammen schaffen sie jedoch ein Umfeld, in dem sich die Stimmung rasch umkehren kann und Verluste sich selbst verstärken. Exzesse häufen sich schrittweise an, bis ein Wendepunkt erreicht ist. Dasselbe Prinzip lässt sich an den Märkten beobachten, wo sich Exzesse allmählich aufbauen, bis ein Wendepunkt erreicht ist und sich das Verhalten ändert. Was als Korrektur oder Rotation beginnt, kann schnell zu einem sich selbst verstärkenden Kreislauf aus Verlusten, Margin Calls und Zwangsverkäufen werden. Zu erkennen, wann sich diese Spannungen einem Wendepunkt nähern, ist der Punkt, an dem sich Erfahrung als besonders wertvoll erweisen kann.
Warnsignale früh erkennen
Anleger vergessen manchmal, dass es beim Investieren um Zeitarbitrage geht. Blasen halten fast immer länger an als erwartet und ziehen dabei immer mehr Anhänger an. Doch wenn sich die Stimmung schliesslich wendet, verläuft die Kehrtwende in der Regel schnell und schmerzhaft. Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, im Nachhinein zu reagieren, sondern die Warnsignale früh genug zu erkennen, um sich vorzubereiten. Die jüngste Korrektur ist eine weitere Mahnung. Märkte ändern sich, das Anlegerverhalten jedoch selten. Unser Team, das seit mehr als drei Jahrzehnten in Schwellenmärkten investiert, hat aus erster Hand erlebt, wie Phasen der Euphorie in scharfe Umkehrungen münden können. Diese Erfahrungen untermauern eine zeitlose Erkenntnis: Bewertung, Disziplin und Risikomanagement bleiben genauso wichtig wie die aktuellsten Marktmeinungen.