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Seit Anfang Jahr ist der Silberpreis in US-Dollar schon um fast 50 Prozent gestiegen. Doch das ist erst der Beginn einer Rückkehr zum «fairen» Wert des Edelmetalls.

31/08/2020, by Werner J. Ullmann, Analyst und CEO, BB WERTMETALL AG

Der Silberpreis hat in den letzten Wochen zu einem Höhenflug angesetzt – und mit seinem Tempo sogar Gold hinter sich zurückgelassen. Verschiedentlich ist deshalb schon die Frage aufgekommen, ob der Zenit schon erreicht ist. Wollen Anleger tatsächlich bei Silber, aber auch bei Gold, schon Gewinne einstreichen?

Mustergültiger Höhenflug des Silbers

Seit Jahresbeginn konnte die Unze Silber gemessen in US-Dollar beinahe einen Zuwachs von 50 Prozent erzielen. Gold, Platin und Palladium stiegen ebenfalls an, jedoch nicht so dynamisch wie Silber. Charttechnisch war der Ausbruch des «Goldes des kleinen Mannes» mustergültig. Der Silberpreis beendete seine rund fünf Jahre dauernde Phase der Bodenbildung, indem er am 21. Juli 2020 die obere Widerstandslinie im Bereich von etwa 19,5 US-Dollar je Unze Silber durchbrochen hat. Damit einher gingen extrem hohe Umsätze in Silber-Futures-Kontrakten, was als klassischer Bilderbuch-Ausbruch zu bezeichnen ist.

Die Rakete ist noch nicht am Ziel

Doch, was ist weiter zu erwarten? Zwischenzeitliche Tests des Ausbruchsniveaus sind zwar möglich. Doch grundsätzlich dürfte die Reise kurz- und mittelfristig auf die alten Höchststände vom August 2011 zugehen. Damals notierte Silber bei rund 50 US-Dollar je Unze. Der Goldpreis, der im Trend dem Silberpreis vorausgeht, hatte unlängst ebenfalls seine alten Höchststände von damals bei rund 1’932 US-Dollar je Unze überwunden. Mit anderen Worten: Es ist nicht zu spät, von der Silber-Rallye zu profitieren. In der Rakete nach oben hat es noch Sitzplätze.

In manchen Wochen tätigten Marktteilnehmer Käufe von über 40 Millionen Unzen Silber. Man kann davon ausgehen, dass solche immensen Mengen physisch bald gar nicht mehr vorhanden sind. Früher oder später ist mit einer massiven Silberknappheit zu rechnen. Derzeit kursieren Vermutungen, dass die gigantischen Silbermengen möglicherweise aus den Vorräten von JPMorgan Chase stammten – und vielleicht nur geliehen waren. Fakt ist aber: Die weltweite Silberproduktion ging seit Beginn der Corona-Krise deutlich zurück. So verzeichnete Peru, nach Mexiko das Hauptproduktionsland für Silber, in den ersten 5 Monaten dieses Jahres einen Produktionsrückgang um über einen Drittel.

Elektromobilität verlangt Silber

Dabei stellt Silber anders als Gold einen unentbehrlichen Rohstoff für verschiedene Hightech-Anwendungen dar. Silber weist die höchste elektrische und thermische Leitfähigkeit aller Metalle auf und wirkt immunisierend. Ein Beispiel: Ein Elektrofahrzeug benötigt drei Mal so viel Silber wie ein herkömmliches Auto. Allein der Trend zur Elektromobilität dürfte darum den Silberpreis unterstützen.

Ein bekannter Anhaltspunkt, um Silber zu bewerten, ist die Gold-Silber-Ratio. Sie gibt an, wie viele Silberunzen man braucht, um eine Goldunze zu erwerben. Die Kennzahl ist von Niveaus über 100 auf etwa 70 gesunken. Gemäss Vorkommen in der Erdkruste müsste die Kennzahl bei 17 liegen. Aktuell werden je eine Unze Gold etwa 8 Unzen Silber pro Jahr gefördert. Demnach müsste sich Preisverhältnis zwischen Gold und Silber sogar bei um 1:8 bewegen.

Interessant ist ein Blick in die Bibel: Sie nennt Silber meist vor Gold. Dabei beschreibt sie Silber als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel. Vom Prinzip her hat sich daran über Jahrtausende nichts verändert. In zahlreichen Sprachen vom Spanischen übers Chinesische bis zum Hebräischen verwendet man denselben Begriff für Silber wie für Geld.

Silbergranulat – besser als Barren und Derviate

Wie sollten Anleger in Silber investieren? Anlagen in Derivate sind riskant, da diese oft 100-mal mehr Edelmetalle verkaufen als real überhaupt vorhanden sind. Aktien von Minenunternehmen kommen in Frage, wenn man zusätzlich zu den Wertschwankungen noch die Management- und Länderrisiken hinnehmen will. Auch Edelmetall-Fonds sind eine Alternative, falls die Ware vollumfänglich physisch gelagert wird.

Der Königsweg ist aber eine Investition in unbearbeitetes Silbergranulat zu investieren. Dabei handelt es sich um reines Silber, bei dem man sich anders als bei Silberbarren einige Verarbeitungskosten erspart. Hinzu kommt, dass Silbergranulat in der Industrie gefragt ist, weswegen es kaum je konfisziert werden sollte.

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