Zurück
payoff Jean-Christophe Rochat ist Chief Investment Officer, Head of Asset Management und Mitglied des Exekutivausschusses der Banque Heritage Opinion Leaders

Das Ende der Aktienrally bei Schwellenländern?

16.03.2026 3 Min.
  • Jean-Christophe Rochat
    CIO
    Banque Heritage

Der geopolitische Hintergrund verändert die jüngsten Marktdynamiken. Doch die schnell wachsenden Volkswirtschaften profitieren weiterhin von starken strukturellen Vorteilen.

Der Konflikt im Nahen Osten hat die Aussichten für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte abrupt verändert. Auch Schwellenländer bleiben von diesem Wandel im makrofinanziellen Umfeld nicht verschont. Verschiedene Übertragungskanäle wirken hier: Importierte Inflation durch mögliche steigende Energiepreise, erhöhte Unsicherheit und höhere Risikoprämien, eine mögliche Verzögerung bei Zinssenkungen der US-Notenbank, schnelle Anpassungen der Kapitalflüsse, insbesondere bei Carry-Trade-Strategien, sowie eine zunehmende Streuung der Performance zwischen Ländern und Branchen. Sorgen gibt es also durchaus. Doch ist das Thema Schwellenländer-Investments deshalb infrage zu stellen?

Gestärkte makroökonomische Fundamentaldaten

Seit 2023 zeigen Schwellenländer eine grössere Widerstandskraft. Der schwächere US-Dollar hat die externe Verwundbarkeit, insbesondere in Bezug auf  Fremdwährungsschulden, reduziert und gleichzeitig ihre lokalen Währungen gestärkt. Gleichzeitig hat sich die Inflation normalisiert. Die Realzinsen haben sich auf einem Niveau stabilisiert, das oft höher ist als in den entwickelten Volkswirtschaften, was die relative Attraktivität ihrer Finanzmärkte erhöht.

Wie an den globalen Finanzmärkten insgesamt wird Selektivität immer wichtiger. Das fragmentierte geopolitische Umfeld beschleunigt zudem einen strukturellen Trend zu engeren wirtschaftlichen und finanziellen Verflechtungen unter Schwellenländern, oft als Aufstieg des „Globalen Südens“ bezeichnet. Trotz der jüngsten Outperformance werden Schwellenländeranlagen immer noch mit einem Bewertungsabschlag von 30 bis 40 Prozent gegenüber entwickelten Märkten gehandelt. Die Gewinnerwartungen bleiben solide, mit Konsensprognosen von etwa 18 Prozent für 2026. Auch die Investitionszuflüsse bleiben insgesamt robust, auch wenn es weiterhin Phasen mit Volatilität gibt.

Geringere Abhängigkeit vom Dollar und Öl

Historisch hing die Entwicklung der Schwellenländer oft mit einem schwachen US-Dollar zusammen. Doch nimmt diese Abhängigkeit allmählich ab. Die Devisenreserven decken heute weitgehend die kurzfristigen Schulden ab, während die Zuflüsse in Staatsanleihen hoch bleibt.
Risiken im Zusammenhang mit Öl sind differenziert zu betrachten. Ein anhaltender Anstieg der Energiepreise würde in einigen Importländern wie Indien die Inflation anheizen. Allerdings haben Asien und Lateinamerika in den letzten Jahren ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen durch den Ausbau von Technologiebranchen, Dienstleistungen und erneuerbaren Energien verringert.

Schrittweise Entkopplung von Dollarzone?

Die globalen Geldbilanzen verändern sich rasch. Die Trump-Administration prüft die Idee, den US-Dollar teilweise mit Krypto-Assets zu hinterlegen. Dazu versucht Washington auch, dollarbasierte Stablecoins zu nutzen, um die Nachfrage nach US-Staatsanleihen zu stützen. Gleichzeitig gewinnt der chinesische Yuan im internationalen Handel an Bedeutung, da Peking aktiv die Internationalisierung seiner Währung vorantreibt. Diese Entwicklungen könnten langfristig zu einer stärkeren Annäherung der Schwellenländer ausserhalb der Dollarzone führen.

Ein Investmentthema, das weiterhin Bestand hat

Vor diesem Hintergrund bieten Schwellenländer weiterhin starke strukturelle Argumente. Allerdings dürfte die aktuelle Phase das Ende einer breiten, einheitlichen Rally markieren. Wie an den globalen Finanzmärkten insgesamt wird Selektivität entscheidend. Geopolitische Spannungen, geldpolitische Entwicklungen und makroökonomische Unterschiede werden die Streuung der Performance wahrscheinlich verstärken. Mit anderen Worten: Das Investmentthema bleibt relevant, aber nun ist ein selektiverer und deutlich taktischerer Ansatz erforderlich.

Weitere News aus der Rubrik

Unsere Rubriken