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Europa – vielfältige Chancen am Aktienmarkt

21.08.2026 4 Min.
  • Exchange Traded Solutions Switzerland
    BNP Paribas

Der europäische Aktienmarkt bietet attraktive Chancen. Diese erkennen Anleger, wenn sie ihren Blick weiten und sich neben den dominierenden Volkswirtschaften auch die kleineren anschauen.

«Europa ist reich an Vermögen und arm an Investitionen» – mit diesem Fazit veröffentlichte vor wenigen Wochen das Beratungsunternehmen McKinsey Global Institute (MGI) eine Studie. Während in den USA und China grosse Geldbeträge in die Entwicklung zukunftsträchtiger Technologien investiert werden, auch unter Inkaufnahme neuer Schulden, hält man sich in Europa zurück. Das führt dazu, dass Europa zwar unter bilanziellen Gesichtspunkten besser dasteht, die USA und China aber in Sachen Technologie die Nase vorn haben.

Neue Initiativen in den Schlüsseltechnologien

Doch das eine sollte das andere nicht ausschliessen. Gerade weil Europa bilanziell besser dasteht, sollte es mehr investieren, so das Fazit der Studienautoren. Gesagt, getan. In den zurückliegenden Monaten wurden durch die Verantwortlichen der Europäischen Union zahlreiche Initiativen verabschiedet, um neue Investitionen zu initiieren. Die Initiativen stehen vor allem unter dem Eindruck der weltpolitischen Lage. Sowohl China wie auch vermehrt die USA setzen auf Konfrontation statt auf Kooperation. Das nötigt Europa, unabhängiger von beiden Ländern zu werden. Deswegen wurden vor allem in den Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Mikroelektronik, Quantentechnologie und Biotechnologie neue Förderprogramme aufgelegt. Auch wenn es dabei mehr darum geht, den Rückstand zu den USA und China aufzuholen, statt eigene Akzente zu setzen, wurden die Probleme immerhin erkannt und sollen nun nach und nach beseitigt werden.

Europa hat viele Facetten

Das lässt hoffen, dass Europa seinen bilanziellen Vorteil in eine technologische Aufholjagd ummünzen kann. Passiert das, dürfte das die europäische Wirtschaft ankurbeln. Ohnehin lohnt es sich, letztere genauer unter die Lupe zu nehmen. Europa ist nämlich nicht einfach nur Europa. Nur allzu oft wird das Wachstum in Europa mit dem Geschehen in den dominierenden Volkswirtschaft Deutschland, Frankreich und Italien gleichgesetzt. Doch das greift zu kurz.

Das hat viel mit der Konstruktion «Europas» zu tun. Viele Staaten, viele Kulturen, viele Ökonomien, die sich nicht selten in völlig unterschiedlichen Stadien der wirtschaftlichen und konjunkturellen Entwicklung befinden. Zu den Ländern mit der stärksten Dynamik gehören in diesem Jahr etwa Malta und Polen, mit einem BIP-Wachstum jeweils deutlich über drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch Spanien und Litauen fallen mit jeweils über zwei Prozent Wachstum auf. Damit können diese Nationen nicht nur auf europäischer Ebene überzeugen, auch im globalen Vergleich punkten sie. Für die USA etwa sehen Experten in diesem Jahr „nur“ noch ein Wachstum von um die zwei Prozent, also möglicherweise weniger als Spanien und Litauen zu bieten haben.

Und auch nicht zur EU gehörende Länder wie die Schweiz sind durchaus interessant. So ist die Schweizer Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 mit 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal überraschend stark gewachsen. Das lässt für das Gesamtjahr hoffen.

Europäische Aktien als Alternative

Trotz eingetrübter Wachstumsaussichten in den Schwergewichten Deutschland, Frankreich und Italien könnte sich also durchaus ein Blick auf den europäischen Aktienmarkt lohnen. Exemplarisch lässt sich das etwa am Euro Stoxx 50 zeigen, einem breit aufgestellten Index für EU-Länder. Seit etwa drei Monaten kann der Index seinen Konkurrenten aus den USA, den Dow Jones Industrial Average, kurz Dow Jones, outperformen. Der Euro Stoxx 50 verzeichnet ein Plus von beinahe elf Prozent, der Dow Jones einen Zuwachs von knapp neun Prozent (Stand: 19.08.2026). Das zeigt, europäische Aktien werden von Anlegern derzeit bevorzugt behandelt.

Zudem ist der Euro Stoxx 50 ist im Vergleich zum Dow Jones deutlich attraktiver bewertet; er kommt derzeit auf ein laufendes KGV für die kommenden zwölf Monate von 18, der Dow Jones weist hingegen ein KGV von über 22 auf – je nach Gewinnschätzung auch höher. Die Höherbewertung ist natürlich nicht völlig unbegründet, immerhin sind die USA in vielen Technologiebereichen führend, doch die Schere zwischen «oben» und «unten» könnte sich zumindest ein Stück weit zugunsten des europäischen Aktienmarktes schliessen. 

Hierfür sprechen auch die wachsenden politischen Unsicherheiten – im November stehen in den USA die Midterm-Wahlen an, die zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse zu Ungunsten von Donald Trump führen könnten.

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