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Heineken: Ein Pint auf die «Three Lions»

15.07.2026 3 Min.
  • Wolfgang Hagl
    Redaktor

Die Aktie des Brauereikonzerns klopft am Abwärtstrend an. Neben dem anstehenden Chefwechsel spricht die Chance auf positive Semesterzahlen für den Ausbruch nach oben.

Wer tritt am Final der Fussball-WM gegen Spanien an? Diese Frage wird heute Abend mit dem Match zwischen England und Argentinien geklärt. Schon lange bevor um 20:00 Uhr britischer Zeit der Anpfiff für diesen Klassiker ertönt, dürften sich die Pubs auf der Insel füllen. Insofern steht Heineken vor einem weiteren Abend mit florierenden Geschäften. Zum niederländischen Brauereikonzern zählt Star Pub, ein Netzwerk von rund 2‘400 Lokalen. Schon während der Vorrunde war der Durst der Fans in diesen Pubs enorm: Während der drei Spiele der englischen Mannschaft übertraf der Ausstoss das Niveau des vergleichbaren Vorjahreszeitraums um 60%. Viele Supporter der «Three Lions» greifen zum Lager. Der Ausschank dieser Biersorte nahm während der Vorrundenpartien um mehr als drei Viertel zu.

Im Hintertreffen

Passend dazu setzt Heineken an der Börse zum Konter an. Auf Sicht von drei Monaten steht für die Nummer 2 des Sektors ein Kursplus von mehr als einem Zehntel zu Buche. Jetzt klopft Heineken an einem vor gut drei Jahren lancierten Abwärtstrend an. Der Konzern, zu dem neben der namensgebenden Kernmarke auch globale Sorten wie Amstel oder Tiger zählen, ist gegenüber der Nummer 1 im weltweiten Biermarkt deutlich ins Hintertreffen geraten – die Aktie des belgischen Rivalen AB InBev notiert auf dem höchsten Niveau seit Anfang 2020.

Die Performance-Diskrepanz kommt nicht von Ungefähr: AB InBev erwirtschaftet in einem stagnierenden Markt eine operative Marge (Stufe angepasstes Ebitda) von 35%. Bei Heineken blieb 2025 weniger als jeder Fünfte erlöste Euro im operativen Ergebnis hängen. Der an der WM mit dem Sponsor Budweiser vertretene Branchenkrösus umgarnt die Investoren zudem mit gross angelegten Aktienrückkäufen. Gerade ist AB InBev dabei, eigene Anteilsscheine in einem Volumen von USD 6 Mrd. einzusammeln. Zwar läuft auch bei Heineken ein solches Programm. Doch fällt der Rückkauf mit umgerechnet rund USD 1.7 Mrd. deutlich kleiner aus, als beim Konkurrenten.

Vom Kaffee zum Bier

In dieser kritischen Phase ist Heineken ohne CEO unterwegs. Anfang Jahr hat Dolf van den Brink überraschend hingeworfen und das Unternehmen im Juni verlassen. Bei der Nachfolge setzen die Verantwortlichen auf einen Manager ohne Erfahrung im Abkochen von Hopfen und Malz. Ab Oktober übernimmt Rafael Oliveira die Verantwortung. Er leitete seit 2024 den niederländischen Kaffee- und Teekonzern JDE Peet’s. Auf Oliveira warten grosse Aufgaben. Nicht nur, dass er eine Strategie entwickeln muss, die Heineken bei den Volumen zurück auf die Wachstumsspur bringt. Ausserdem gilt es, die Profitabilität zu verbessern. Ein möglicher Ansatzpunkt könnte sein, das vor allem in Europa sehr dichte Netz an Brauereien auszudünnen.

Anlagelösung

Noch ist es nicht soweit. Gleichwohl könnte sich mit Blick auf den Antritt des neuen CEOs noch mehr Fantasie in der Heineken-Aktie aufbauen. Kurzfristig spricht zudem der mit der globalen Fussball-Euphorie einhergehende Bierdurst für den Large Cap. Ob die WM tatsächlich auf die Kennzahlen des Konzerns durchschlägt, zeigt sich am 5. August. Dann legt Heineken den Zwischenbericht für das erste Semester vor. Analysten gehen davon aus, dass das abgesetzte Volumen (organisch) leicht geschrumpft ist. Gleichzeitig indiziert der Konsens beim bereinigten operativen Ergebnis ein moderates Wachstum von 3%.

Die Latte liegt tief, weshalb eine positive Überraschung durchaus möglich ist. Die zum bullishen Szenario passenden Trading-Instrumente gibt es bei der ZKB. Sie handelt an SIX Swiss Exchange unter anderem den Long Mini-Future IHE0GZ auf Heineken. Momentan zeigt das Produkt einen Hebel von 5.8. Der Stop-Loss liegt bei EUR 64.39 und damit 15% unter dem Kurs des Basiswertes. Achtung: Sollte die Brauereiaktie nach unten drehen, droht Katerstimmung in Form überproportionaler Verluste.

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